DAX Wochengewinner und Wochenverlierer: Heidelberg Materials und Fresenius jubeln, Rheinmetall und Infineon stürzen ab – die Woche, in der der DAX in zwei Hälften zerbrach
DAX Wochengewinner und Wochenverlierer: Heidelberg Materials und Fresenius jubeln, Rheinmetall und Infineon stürzen ab – die Woche, in der der DAX in zwei Hälften zerbrach
Wer am Freitagabend nur auf den DAX-Stand geschaut hat, könnte glauben, es sei eine langweilige Woche gewesen: 25.820 Punkte, auf Wochensicht praktisch unverändert. Doch das Ergebnis täuscht über ein Beben hinweg. Dazwischen lagen ein Rekordhoch am Donnerstag, der schwerste Einbruch bei US-Technologiewerten seit März 2020 und ein Zahlen-Feuerwerk, wie es die Berichtssaison selten bietet. Die DAX Wochengewinner Heidelberg Materials, Fresenius, Scout24, Bayer und Continental legten zwischen knapp 5 und fast 17 Prozent zu. Die DAX Wochenverlierer Rheinmetall, Infineon, Siemens Energy, Brenntag und Hochtief verloren bis zu 21 Prozent. Unser DAX Check zeigt, warum die Grenze zwischen Gewinnern und Verlierern diesmal so scharf verlief – und welche Termine jetzt über die nächste Runde entscheiden.

Autor: Redaktion, aktiencheck.de · 8. November 2026
DAX Analyse: Fünf Handelstage zwischen Ölpreis-Rally, Wahlschock und KI-Beben
Um die DAX Gewinner der Woche und die DAX Verlierer der Woche zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Abfolge der Ereignisse. Denn diese Woche hatte zwei völlig unterschiedliche Gesichter.
Montag – die Ölpreis-Rally: Signale aus Washington für eine diplomatische Lösung im Iran-Konflikt ließen den Ölpreis einbrechen. Der DAX stieg um 0,77 Prozent auf 25.981,99 Punkte und kletterte zeitweise über die Marke von 26.000 Zählern. Profitiert haben vor allem Werte, die unter hohen Energie- und Rohstoffkosten leiden. Heidelberg Materials und Siemens Energy gehörten zu den Tagesgewinnern, Rheinmetall rutschte nach einem Bericht über die Verschiebung des Boxer-Großauftrags unter die 1.000-Euro-Marke.
Dienstag und Mittwoch – Zahlen und Wahl: Die Berichtssaison erreichte ihren Höhepunkt. Bayer, Fresenius, Continental, Scout24 und Heidelberg Materials legten Quartalszahlen vor, und fast alle hoben ihre Prognosen an. Parallel eroberten die Demokraten bei den US-Zwischenwahlen beide Kammern des Kongresses. Die Wall Street feierte den besten Tag des Jahres, doch in Frankfurt schrillten bei einer bestimmten Gruppe von Aktien die Alarmglocken: Die Demokraten gelten als deutlich kritischer gegenüber dem ungebremsten Bau stromhungriger KI-Rechenzentren. Siemens Energy brach am Mittwoch um fast zehn Prozent ein. Am Abend folgte die Ad-hoc-Mitteilung von Rheinmetall mit der nächsten Prognosesenkung.
Donnerstag – Rekord und Absturz: Der DAX markierte mit 26.692 Punkten ein neues Allzeithoch. Gleichzeitig stürzte Rheinmetall um gut 16 Prozent ab, und am Nachmittag erfasste die Verkaufswelle aus den USA die Chipwerte. Der US-Halbleiterindex brach um mehr als zwölf Prozent ein, Infineon fiel auf den tiefsten Stand seit April.
Freitag – der Kater: Die KI-Schockwelle erreichte Frankfurt mit voller Wucht, dazu kam ein überraschend starker US-Arbeitsmarktbericht, der die Sorge vor einer Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember schürte. Der DAX verlor 1,92 Prozent auf 25.820,36 Punkte und gab damit sein gesamtes Wochenplus ab. Gefragt waren nur noch Sondersituationen wie Hochtief und defensive Werte wie Fresenius.
Die DAX Analyse dieser Woche lässt sich auf eine Formel bringen: Gewonnen hat, wer mit eigenen Zahlen überzeugt hat und wenig am KI-Infrastrukturzyklus hängt. Verloren hat, wer Prognosen kappen musste oder dessen Wachstumsgeschichte an neuen Rechenzentren in den USA hängt. Genau diese Spaltung bilden die DAX Wochengewinner und die DAX Wochenverlierer ab.
DAX Wochengewinner Heidelberg Materials: +16,68 Prozent – der Zementriese überrollt die Skeptiker Der DAX Wochengewinner Heidelberg Materials ist der unangefochtene Spitzenreiter dieser Woche. Mit einem Plus von 16,68 Prozent ließ der Baustoffkonzern das gesamte Feld weit hinter sich, auf Monatssicht beträgt der Zuwachs mehr als 22 Prozent. Dabei galt die Aktie noch Ende Oktober als einer der großen Verlierer des Börsenjahres: Kurse nahe dem Jahrestief, Zweifel an Margen und Nachfrage, eine Debatte über den EU-Emissionshandel, die Investoren verunsicherte.
Den Ausschlag gaben die Zahlen zum dritten Quartal am Mittwoch. Der Umsatz stieg um 10 Prozent auf 6,41 Milliarden Euro, erwartet worden waren nur rund 6,19 Milliarden Euro. Es ist das erste zweistellige Umsatzwachstum seit Anfang 2023. Das Ergebnis des laufenden Geschäftsbetriebs kletterte um knapp 9 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro und lag damit über dem Konsens. Vorstandschef Dominik von Achten verwies auf den Dreiklang aus Volumen, Kosten und Preisen – bei allen drei Hebeln habe der Konzern zugelegt. Für Anleger entscheidend: Die Preise steigen weiterhin stärker als die Kosten.
Die zweite Nachricht machte aus einer Zahlen-Reaktion eine Neubewertung. Heidelberg Materials wird sein Sparprogramm über 500 Millionen Euro bis Ende 2026 übertreffen und legt bis Ende 2028 weitere 300 Millionen Euro an Einsparungen nach. Dazu kamen Signale, dass die Mittel aus dem Infrastrukturprogramm des Bundes allmählich auf den deutschen Baustellen ankommen, sowie Rückenwind durch Rechenzentrums- und Infrastrukturprojekte in Nordamerika. JPMorgan bestätigte die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 225 Euro, Jefferies sieht den Wert bei 286 Euro.
Das stärkste Signal lieferte der Freitag: Während der DAX fast zwei Prozent verlor, legte der DAX Gewinner der Woche Heidelberg Materials noch einmal rund 1,6 Prozent zu. Charttechnisch steht die Aktie nun an der 200-Tage-Linie, die über die Frage entscheidet, ob aus der Erholung eine echte Trendwende wird. Auf Jahressicht liegt das Papier trotz der Rally noch rund 11 Prozent im Minus. Die Risiken bleiben die hohe Energieintensität, die Regulierung und die schwache Bauwirtschaft in Großbritannien und Frankreich.
DAX Wochengewinner Fresenius: +9,53 Prozent – Biosimilar-Coup, Prognoseanhebung und defensive Stärke Der DAX Wochengewinner Fresenius liefert die Geschichte eines Konzerns, der seine Wandlung vom Sanierungsfall zum verlässlichen Gewinnwachstum Woche für Woche untermauert. Die Aktie stieg um 9,53 Prozent und hat auf Monatssicht mehr als ein Fünftel zugelegt. Drei Nachrichten innerhalb von drei Tagen trieben den Kurs.
Den Auftakt machte am Montag eine exklusive Entwicklungsvereinbarung mit dem chinesischen Auftragsentwickler WuXi Biologics. Sie verschafft Fresenius Zugriff auf bis zu 37 mögliche Biosimilar-Kandidaten, also Nachahmerpräparate von biotechnologisch hergestellten Medikamenten, deren Patente auslaufen. Das Portfolio könnte damit im kommenden Jahrzehnt von 29 auf bis zu 66 Moleküle wachsen. Die adressierten Originalpräparate kommen zusammen auf Umsätze von mehr als 370 Milliarden Euro – das ist der Markt, um den es geht, nicht der erwartete Fresenius-Umsatz. Die wirtschaftlichen Rechte verbleiben bei Fresenius.
Am Mittwoch folgten die Zahlen zum dritten Quartal. Der Umsatz stieg organisch um 5 Prozent auf 5,80 Milliarden Euro, das operative Ergebnis währungsbereinigt um 10 Prozent auf 638 Millionen Euro. Das Kern-Ergebnis je Aktie kletterte um 14 Prozent auf 0,72 Euro, der freie Cashflow sprang auf 722 Millionen Euro. Besonders stark lief die Biopharma-Sparte von Fresenius Kabi mit einem organischen Plus von 29 Prozent, getragen vom Biosimilar Tyenne und dem Denosumab-Geschäft in den USA. Bei der Kliniktochter Helios Deutschland stieg das operative Ergebnis sogar um 25 Prozent. Fresenius erwartet nun beim Kern-Ergebnis je Aktie ein währungsbereinigtes Wachstum in der oberen Hälfte der Spanne von 10 bis 15 Prozent und eine EBIT-Marge von mehr als 11,5 Prozent. Rückenwind kommt zudem aus der Politik: Die Krankenhausvergütung in Deutschland steigt 2027 um 4,85 Prozent.
Am Donnerstag hob ODDO BHF das Kursziel von 57 auf 59 Euro an und bestätigte „Outperform“. Am Freitag schließlich zeigte der DAX Gewinner der Woche Fresenius seine defensive Seite: Mit einem Plus von 1,74 Prozent gehörte die Aktie zu den wenigen Gewinnern im Leitindex. Gesundheitswerte haben kaum Berührungspunkte mit dem KI-Thema und reagieren wenig auf Konjunktursorgen – genau das suchten Anleger an diesem Tag. Ein Wermutstropfen: Ein Rechnungszuschlag für gesetzlich Versicherte, der Helios zuletzt stützte, ist Ende Oktober ausgelaufen. Das vierte Quartal muss zeigen, wie viel des Wachstums aus eigener Kraft kommt.
DAX Wochengewinner Scout24: +7,16 Prozent – die Mautstation des Immobilienmarkts
Der DAX Wochengewinner Scout24 beweist, dass man auch in einem schwachen Immobilienmarkt glänzend verdienen kann. Die Aktie des ImmoScout24-Betreibers legte um 7,16 Prozent zu, auf Monatssicht beträgt das Plus sogar mehr als 30 Prozent. Kein anderer DAX-Wert hat sich in den vergangenen vier Wochen so stark entwickelt.
Auslöser waren die Zahlen zum dritten Quartal am Mittwoch. Der Umsatz stieg um 19,7 Prozent auf 198,2 Millionen Euro, organisch ohne die zugekauften spanischen Portale Fotocasa und Habitaclia um 10,1 Prozent. Das operative EBITDA wuchs um 15,9 Prozent auf 120,8 Millionen Euro, der bereinigte Gewinn je Aktie um 21,5 Prozent auf 1,09 Euro – leicht über den erwarteten 1,07 Euro. Für das Gesamtjahr erwartet Scout24 nun ein Umsatzwachstum von rund 18 Prozent und damit das obere Ende der bisherigen Spanne. Am Tag der Zahlen stieg die Aktie um rund 5 Prozent.
Das Geschäftsmodell erklärt die Stärke: Wer in Deutschland eine Wohnung sucht, vermietet oder ein Haus verkaufen will, kommt an ImmoScout24 kaum vorbei. Ist der Markt knapp, zahlen Suchende für Premium-Mitgliedschaften. Laufen die Geschäfte, schalten Makler mehr Anzeigen. Dazu kommen Aktienrückkäufe – allein im dritten Quartal kaufte Scout24 eigene Aktien für 165 Millionen Euro zurück. Jefferies bestätigte „Buy“ mit einem Kursziel von 102,50 Euro, Bernstein „Outperform“ mit 90 Euro. Kritisch bleibt, dass ein Teil des Wachstums zugekauft ist und die spanischen Portale die Marge noch drücken. Zudem stellt sich die Frage, ob KI-Assistenten großer Technologiekonzerne langfristig zum neuen Startpunkt der Wohnungssuche werden. Der DAX Gewinner der Woche Scout24 setzt mit eigener KI dagegen.
DAX Wochengewinner Bayer: +7,09 Prozent – die Pharma-Wende ist da
Der DAX Wochengewinner Bayer setzt seine Aufholjagd fort. Die Aktie gewann 7,09 Prozent, auf Monatssicht fast 26 Prozent und auf Jahressicht mehr als 110 Prozent. Kaum ein anderer DAX-Wert hat in den vergangenen zwölf Monaten eine solche Wende hingelegt.
Am Dienstag legte Bayer Quartalszahlen vor, die vor allem in einem Punkt überzeugten: Die Pharmasparte gleicht den Patentverlust der alten Kassenschlager aus eigener Kraft mehr als aus. Das Prostatakrebsmittel Nubeqa wuchs um 60,5 Prozent auf 998 Millionen Euro, das Nierenmedikament Kerendia um 69,2 Prozent auf 374 Millionen Euro. Das Pharma-Ergebnis stieg um fast ein Viertel. Konzernweit lag das bereinigte EBITDA mit 1,62 Milliarden Euro rund 13 Prozent über den Erwartungen. Bayer hob die Prognose für das bereinigte EBITDA auf 9,8 bis 10,3 Milliarden Euro an und verbesserte den Ausblick für den freien Cashflow um eine Milliarde Euro. Die Nettofinanzverschuldung sank binnen drei Monaten um 2,5 Milliarden Euro auf 31,1 Milliarden Euro.
Ganz ohne Schatten war das Bild nicht. Das Agrargeschäft brach im saisonal schwächsten Quartal ein, das bereinigte Ergebnis je Aktie verfehlte die Schätzungen, und unter dem Strich stand ein Verlust von 672 Millionen Euro, belastet durch Wertberichtigungen und hohe Zinsaufwendungen. Die Börse gewichtete die gute Nachricht dennoch klar stärker. Für den DAX Gewinner der Woche Bayer bleibt der wichtigste Kurstreiber der kommenden Monate die richterliche Zustimmung zum geplanten Glyphosat-Sammelvergleich in Missouri. Analysten wie Barclays sehen das Kursziel bei 70 Euro, vorsichtiger bleibt Jefferies mit „Hold“ und 46 Euro.
DAX Wochengewinner Continental: +4,85 Prozent – der neue Reifenkonzern überzeugt
Der DAX Wochengewinner Continental komplettiert die Top 5 mit einem Plus von 4,85 Prozent. Exakt gleichauf lag Vonovia, die ebenfalls 4,85 Prozent zulegte. Für Continental war es die erste Quartalsbilanz als nahezu reiner Reifenhersteller, nachdem die Autozuliefersparte als Aumovio abgespalten wurde und die Industriesparte ContiTech an den Finanzinvestor Lone Star verkauft werden soll.
Und diese Premiere gelang. Zwar sank der Umsatz im dritten Quartal vor allem wegen eines Teilverkaufs auf 3,5 Milliarden Euro, organisch um 1,5 Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis stieg jedoch um 6,7 Prozent auf 514 Millionen Euro, die Marge kletterte von 13,9 auf 14,9 Prozent. Getragen wurde das von hochwertigen Reifen ab 18 Zoll, Winterreifen und Lkw-Reifen. Continental hob daraufhin die Prognose für die bereinigte EBIT-Marge 2026 von 12,0 bis 13,5 Prozent auf 13,4 bis 14,0 Prozent an, den bereinigten freien Cashflow auf 1,0 bis 1,3 Milliarden Euro. Vorstandschef Christian Kötz sprach von einem erneut sehr guten Quartal im Reifengeschäft. Die Aktie sprang am Mittwoch um mehr als 6 Prozent.
Am Donnerstag legten die Analysten nach: Die LBBW stufte von „Halten“ auf „Kaufen“ hoch und hob das Kursziel von 76 auf 80 Euro an, die Bank of America blieb bei „Buy“ mit 78 Euro. Ein Risiko benennt das Management allerdings selbst: Finanzchef Roland Welzbacher warnte, dass höhere Rohstoffpreise das Ergebnis zunehmend belasten und im vierten Quartal stärker durchschlagen werden. Aus Sicht unserer DAX Analyse könnte der fallende Ölpreis hier mittelfristig etwas Entlastung bringen, da wichtige Reifenrohstoffe ölbasiert sind. Für den DAX Gewinner der Woche Continental entscheidet nun das Schlussquartal, wie viel von der höheren Marge hängen bleibt.
DAX Wochenverlierer Rheinmetall: -20,96 Prozent – der Boxer-Schock und die fünfte Warnung
Der DAX Wochenverlierer Rheinmetall erlebte eine der brutalsten Börsenwochen seiner jüngeren Geschichte. Mit einem Minus von 20,96 Prozent verlor der Rüstungskonzern mehr als jeder andere DAX-Wert, auf Jahressicht hat sich die Aktie mehr als halbiert. Sie notiert auf dem tiefsten Stand seit Anfang 2025.
Die Woche begann mit einem Warnschuss: Am Montag berichtete ein Fachportal, dass die Großbestellung von Boxer-Radpanzern der Bundeswehr im Rahmen des Projekts Arminius wohl erst 2027 kommen werde. Am Mittwochabend bestätigte Rheinmetall per Ad-hoc-Mitteilung das Schlimmste: Die Umsatzprognose für 2026 sinkt auf rund 13,2 Milliarden Euro nach bislang 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro, die operative Marge auf rund 18,5 Prozent. Neben Arminius verschieben sich auch Umsätze mit Artilleriemunition ins kommende Jahr. Am Donnerstag brach die Aktie um gut 16 Prozent ein, am Freitag folgten weitere Verluste.
Das eigentliche Problem ist nicht die Zahl, sondern das Muster. JPMorgan-Analyst David Perry rechnete vor, dass es bereits die fünfte Umsatz- oder Gewinnwarnung binnen elf Monaten ist. Bernstein stufte auf „Market-Perform“ ab und senkte das Kursziel auf 1.000 Euro, Oddo BHF strich die Kaufempfehlung. Dabei war das Quartal operativ stark: Der Umsatz stieg um rund ein Drittel auf 3,149 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um 62 Prozent auf 553 Millionen Euro. Vorstandschef Armin Papperger kaufte am Tag des Kurssturzes 585 eigene Aktien zu durchschnittlich 858,95 Euro. Für den DAX Verlierer der Woche Rheinmetall wird der Kapitalmarkttag am 26. und 27. November zum Schicksalstermin: Gelingt es, belastbare Mittelfristziele vorzulegen, könnte das Vertrauen zurückkehren. Misslingt es, droht die nächste Abwärtsrunde.
DAX Wochenverlierer Infineon: -9,06 Prozent – vom KI-Profiteur zum KI-Opfer
Der DAX Wochenverlierer Infineon steht für das große Beben dieser Woche. Die Aktie verlor 9,06 Prozent, auf Monatssicht sind es mehr als 24 Prozent. Eine eigene Negativnachricht des Unternehmens gab es nicht – Infineon wurde vom weltweiten Ausverkauf im Halbleitersektor mitgerissen.
Der Auslöser saß in Washington. Nach dem klaren Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen wuchs die Sorge, dass strengere Regeln oder Moratorien den Bau neuer KI-Rechenzentren in den USA bremsen könnten. Zugleich mehren sich Zweifel, ob sich die gewaltigen KI-Investitionen schnell genug amortisieren. Für Infineon ist das ein empfindlicher Punkt: Der Konzern liefert Leistungshalbleiter für die Stromversorgung von Rechenzentren, und genau dieses Geschäft galt bislang als wichtigster Wachstumstreiber. Am Donnerstag, als der US-Halbleiterindex um mehr als zwölf Prozent einbrach, verlor Infineon deutlich und fiel auf den tiefsten Stand seit April. Am Freitag setzte eine leichte Gegenbewegung ein, die Aktie schloss rund 1,8 Prozent höher.
Die Messlatte für die Jahreszahlen am Dienstag, 10. November, liegt damit niedriger als noch vor wenigen Wochen. Zuletzt hatte Infineon für das Geschäftsjahr 2025/26 einen Umsatz von rund 16,3 Milliarden Euro und eine Segmentergebnis-Marge von etwa 20 Prozent in Aussicht gestellt. Im Markt wird zudem erwartet, dass der Konzern sein Umsatzziel für KI-Stromversorgungslösungen anhebt. JPMorgan bestätigte vor den Zahlen „Overweight“ mit einem Kursziel von 96 Euro und rechnet mit Zielen für 2027 leicht über dem Konsens. Für den DAX Verlierer der Woche Infineon wird der Ausblick zur Stunde der Wahrheit: Nur belastbare Aussagen zur KI-Nachfrage können die politischen Sorgen überstrahlen.
DAX Wochenverlierer Siemens Energy: -8,31 Prozent – der Wahlschock trifft den Turbinenbauer
Der DAX Wochenverlierer Siemens Energy durchlebte eine Woche wie eine Achterbahnfahrt. Am Montag gehörte die Aktie mit gut 3 Prozent Plus noch zu den Tagesgewinnern, am Ende stand ein Wochenminus von 8,31 Prozent. Auf Monatssicht hat der Energietechnikkonzern rund 19 Prozent verloren.
Der schwärzeste Tag war der Mittwoch: Nach dem Wahlsieg der Demokraten fiel die Aktie um fast zehn Prozent, von rund 131 auf rund 118 Euro. Die Logik der Verkäufer: Siemens Energy ist einer der großen Profiteure des Strombedarfs von KI-Rechenzentren und liefert Gasturbinen, Transformatoren und Netztechnik. Rund ein Viertel des Gas-Auftragsbestands entfällt inzwischen auf Rechenzentren weltweit. Würde deren Ausbau in den USA gebremst, wäre ein Teil der Wachstumsfantasie infrage gestellt. Am Freitag folgte eine kräftige Gegenbewegung von 4,81 Prozent – ohne eigene Unternehmensnachricht, aber mit Unterstützung durch das laufende Aktienrückkaufprogramm.
Die Analysten halten die Sorgen mehrheitlich für überzogen. Bernstein hatte schon vor der Wahl erklärt, ein grundsätzlicher Stopp neuer Rechenzentren sei unwahrscheinlich, da die Projekte Arbeitsplätze, Investitionen und Steuereinnahmen bringen. Die Deutsche Bank sieht das Kursziel bei 210 Euro, RBC bei 200 Euro, das durchschnittliche Kursziel liegt Datenanbietern zufolge bei knapp 190 Euro. Den nächsten Härtetest gibt es bereits am Mittwoch, 11. November: Dann legt Siemens Energy die Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 vor, und im Markt wird erwartet, dass das Management auch neue Mittelfristziele präsentiert. Für den DAX Verlierer der Woche Siemens Energy kann dieser Tag die Richtung für die kommenden Monate vorgeben – in beide Richtungen.
DAX Wochenverlierer Brenntag: -2,35 Prozent – der stille Zykliker vor dem Strategietag
Der DAX Wochenverlierer Brenntag ist der unspektakulärste Name auf der Verliererliste, und gerade das macht ihn interessant. Mit einem Minus von 2,35 Prozent büßte der weltgrößte Chemikalienhändler vergleichsweise wenig ein, auf Monatssicht liegt die Aktie praktisch unverändert. Neue Unternehmensnachrichten, die den Rückgang erklären würden, lagen nach unseren Recherchen nicht vor.
Brenntag litt vor allem unter dem Marktumfeld. Als Händler von Industrie- und Spezialchemikalien ist der Konzern ein Seismograf der Industriekonjunktur. Am Freitag verlor die Aktie 2,19 Prozent, als der starke US-Arbeitsmarktbericht die Sorge vor länger hohen Zinsen schürte. Höhere Zinsen dämpfen die Investitionsbereitschaft der Industrie und damit die Chemienachfrage. Zudem halten sich Anleger vor zwei wichtigen Terminen zurück: Am Mittwoch, 11. November, legt Brenntag die Zahlen zum dritten Quartal vor, am Donnerstag, 12. November, folgt der Kapitalmarkttag.
Dort dürfte das Management seine neue Strategie konkretisieren. Brenntag will sein Geschäft stärker auf margenstärkere Spezialchemikalien ausrichten, unter anderem durch die Übernahme von MCE Pharma. Für 2026 peilt der Konzern ein operatives EBITDA von 1,35 bis 1,45 Milliarden Euro an. Jefferies und die Deutsche Bank stufen die Aktie mit „Hold“ ein und erwarten ein Quartalsergebnis leicht unter beziehungsweise nahe dem Konsens. Für den DAX Verlierer der Woche Brenntag ist der Kapitalmarkttag die Chance, der Börse eine neue Wachstumsgeschichte zu erzählen.
DAX Wochenverlierer Hochtief: -2,22 Prozent – Absturz, Übernahmefantasie, Aufholjagd
Der DAX Wochenverlierer Hochtief liefert die verrückteste Kurve dieser Woche. Unterm Strich steht ein Minus von 2,22 Prozent, doch dahinter verbergen sich zwei Extreme innerhalb von 24 Stunden.
Am Donnerstag legte der Baukonzern Rekordzahlen vor: Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 22,3 Prozent auf knapp 11,9 Milliarden Euro, der Auftragsbestand erreichte rund 90 Milliarden Euro, getragen vom Bau von KI-Rechenzentren durch die US-Tochter Turner. Doch genau das wurde der Aktie zum Verhängnis. Rund ein Viertel des Auftragsbestands entfällt auf Rechenzentren, und die Sorge vor einer Bremse in den USA ließ das Papier zeitweise um bis zu neun Prozent auf 331,80 Euro abstürzen. Hinzu kam der Hinweis von Jefferies, dass die unveränderte Jahresprognose rechnerisch eine Abkühlung im Schlussquartal impliziert.
Am Freitag dann die Wende: Laut einem Bloomberg-Bericht prüft der spanische Mehrheitsaktionär ACS, der gut 75 Prozent hält, verschiedene Optionen, darunter eine Komplettübernahme von Hochtief und einen Börsengang von Turner in New York. Die Aktie sprang um 6,88 Prozent und war mit Abstand der DAX Gewinner des Tages. Ein konkretes Angebot liegt nicht vor, ACS und Hochtief haben die Überlegungen nicht bestätigt. Für den DAX Verlierer der Woche Hochtief schlägt die Stunde der Wahrheit am Donnerstag, 12. November: Dann legt ACS Quartalszahlen vor und veranstaltet einen Kapitalmarkttag.
DAX Check: Was die Wochengewinner und Wochenverlierer verbindet
Auf den ersten Blick wirken die Listen bunt gemischt. Doch der DAX Check offenbart ein klares Muster. Alle fünf DAX Wochengewinner – Heidelberg Materials, Fresenius, Scout24, Bayer und Continental – haben in dieser Woche Quartalszahlen vorgelegt und ihre Prognosen angehoben oder konkretisiert. Und keiner von ihnen hängt maßgeblich am Bau neuer KI-Rechenzentren in den USA. Die Börse hat in dieser Woche konkrete Gewinnperspektiven belohnt, keine Zukunftsfantasien.
Bei den DAX Wochenverlierern zeigt sich das Spiegelbild. Infineon, Siemens Energy und Hochtief bilden die deutsche Lieferkette des KI-Infrastrukturbooms – vom Chip über die Turbine bis zum Rohbau. Sie wurden für ein politisches Risiko abgestraft, das sich bislang in keiner Bilanz niedergeschlagen hat. Rheinmetall ist der Sonderfall mit einem hausgemachten Vertrauensproblem, Brenntag der klassische Zykliker im Zinsgegenwind.
Bemerkenswert ist auch, wer es knapp nicht in die Listen geschafft hat. Vonovia lag mit 4,85 Prozent exakt gleichauf mit Continental, MTU Aero Engines (+4,54 Prozent) profitierte vom billigeren Kerosin. Auf der anderen Seite rutschten Merck (-1,96 Prozent) und Siemens (-0,80 Prozent) leicht ins Minus. Die DAX Analyse zeigt: Die Rotation aus KI-Infrastruktur in Qualitätswerte mit eigener Ertragsstory war diese Woche kein Tagesphänomen, sondern das prägende Thema.
Ausblick: Die Woche der Entscheidungen
Die kommenden Tage dürften kaum ruhiger werden. Am Montag, 9. November, legt die Hannover Rück Zahlen vor, nachdem JPMorgan die Rückversicherer am Freitag abgestuft hatte. Am Dienstag, 10. November, folgen die Jahreszahlen von Infineon und am Nachmittag die US-Verbraucherpreise für Oktober, die über die Zinsfantasie für Dezember mitentscheiden. Am Mittwoch, 11. November, berichten Siemens Energy und Brenntag. Am Donnerstag, 12. November, stehen der Brenntag-Kapitalmarkttag sowie Zahlen und Kapitalmarkttag von ACS an, die für Hochtief entscheidend sein dürften. Rheinmetall-Anleger müssen sich bis zum Kapitalmarkttag am 26. und 27. November gedulden. Der nächste DAX Check verspricht spannend zu werden.
Die fünf DAX Wochengewinner der KW 45/2026
Heidelberg Materials (ISIN: DE0006047004, WKN: 604700, Symbol: HEI) – +16,68 Prozent Q3-Umsatz über den Erwartungen, erstes zweistelliges Umsatzplus seit 2023, neues Sparprogramm über 300 Millionen Euro bis 2028.
Fresenius (ISIN: DE0005785604, WKN: 578560, Symbol: FRE) – +9,53 Prozent Biosimilar-Vereinbarung mit WuXi Biologics, Kern-EPS +14 Prozent, Prognose nach oben konkretisiert.
Scout24 (ISIN: DE000A12DM80, WKN: A12DM8, Symbol: G24) – +7,16 Prozent Umsatz +19,7 Prozent, bereinigtes EPS über den Erwartungen, Umsatzprognose auf rund 18 Prozent angehoben.
Bayer (ISIN: DE000BAY0017, WKN: BAY001, Symbol: BAYN) – +7,09 Prozent Pharma-Wende mit Nubeqa und Kerendia, bereinigtes EBITDA deutlich über Konsens, Prognose angehoben.
Continental (ISIN: DE0005439004, WKN: 543900, Symbol: CON) – +4,85 Prozent Starkes Reifengeschäft, Margen- und Cashflow-Prognose angehoben, LBBW stuft auf „Kaufen“ hoch.
Die fünf DAX Wochenverlierer der KW 45/2026
Rheinmetall (ISIN: DE0007030009, WKN: 703000, Symbol: RHM) – -20,96 Prozent Umsatzprognose erneut gesenkt, Boxer-Großauftrag Arminius verschoben, Abstufungen durch Bernstein und Oddo BHF.
Infineon (ISIN: DE0006231004, WKN: 623100, Symbol: IFX) – -9,06 Prozent Weltweiter Chip-Ausverkauf nach den US-Zwischenwahlen, tiefster Stand seit April, Jahreszahlen am 10. November.
Siemens Energy (ISIN: DE000ENER6Y0, WKN: ENER6Y, Symbol: ENR) – -8,31 Prozent Fast zehn Prozent Minus am Wahl-Mittwoch, Gegenbewegung am Freitag, Jahreszahlen am 11. November.
Brenntag (ISIN: DE000A1DAHH0, WKN: A1DAHH, Symbol: BNR) – -2,35 Prozent Zinssorgen belasten den Zykliker, Quartalszahlen am 11. und Kapitalmarkttag am 12. November.
Hochtief (ISIN: DE0006070006, WKN: 607000, Symbol: HOT) – -2,22 Prozent Rechenzentrums-Sorgen nach Rekordzahlen, Übernahmefantasie um ACS am Freitag, ACS-Kapitalmarkttag am 12. November.
Wochenperformance laut Kursübersicht, Stand 8. November 2026, bezogen auf die Handelswoche vom 2. bis 6. November 2026. Je nach Handelsplatz und Referenzkurs können die Werte geringfügig abweichen. DAX-Schlussstand: Xetra.
Häufige Fragen zu den DAX Wochengewinnern und Wochenverlierern
Welche Aktien waren die DAX Gewinner der Woche? In der Woche vom 2. bis 6. November 2026 waren Heidelberg Materials (+16,68 Prozent), Fresenius (+9,53 Prozent), Scout24 (+7,16 Prozent), Bayer (+7,09 Prozent) und Continental (+4,85 Prozent) die fünf DAX Wochengewinner. Vonovia erreichte mit +4,85 Prozent denselben Wert wie Continental.
Welche Aktien waren die DAX Verlierer der Woche? Rheinmetall (-20,96 Prozent), Infineon (-9,06 Prozent), Siemens Energy (-8,31 Prozent), Brenntag (-2,35 Prozent) und Hochtief (-2,22 Prozent) waren die fünf DAX Wochenverlierer.
Wie hat sich der DAX in dieser Woche entwickelt? Der DAX schloss am Freitag bei 25.820,36 Punkten und lag auf Wochensicht nahezu unverändert. Am Donnerstag hatte er mit 26.692 Punkten ein Rekordhoch erreicht, am Freitag verlor er 1,92 Prozent.
Was waren die wichtigsten Kurstreiber? Starke Quartalszahlen und Prognoseanhebungen bei den Gewinnern, die erneute Prognosesenkung von Rheinmetall sowie die Sorge vor einem gebremsten Ausbau von KI-Rechenzentren nach dem Wahlsieg der Demokraten in den USA. Dazu kamen ein fallender Ölpreis und ein starker US-Arbeitsmarktbericht.
Welche Termine sind als Nächstes wichtig? Infineon und die US-Verbraucherpreise am 10. November, Siemens Energy und Brenntag am 11. November, der Brenntag-Kapitalmarkttag und ACS am 12. November sowie der Rheinmetall-Kapitalmarkttag am 26. und 27. November.
Fazit der DAX Analyse: Zahlen schlagen Fantasie
Der DAX hat diese Woche fast genau dort beendet, wo er begonnen hat. Doch unter der Oberfläche hat sich die Rangordnung deutlich verschoben. Die DAX Wochengewinner Heidelberg Materials, Fresenius, Scout24, Bayer und Continental stehen für eine Börse, die belastbare Gewinne, angehobene Prognosen und eigene Kostenhebel belohnt. Die DAX Wochenverlierer Rheinmetall, Infineon, Siemens Energy, Brenntag und Hochtief zeigen die Kehrseite: Wer Erwartungen enttäuscht oder dessen Wachstum am politisch umstrittenen Bau von KI-Rechenzentren hängt, wird derzeit ohne Gnade abgestraft. Ob diese Rotation hält, entscheidet sich in den kommenden Tagen – mit den Zahlen von Infineon und Siemens Energy, den Kapitalmarkttagen von Brenntag und ACS und den US-Inflationsdaten. Eines hat diese Woche bereits gezeigt: Im DAX kann sich die Rangordnung binnen 48 Stunden komplett umdrehen. Der nächste DAX Check folgt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Die Unternehmenszahlen beruhen auf Veröffentlichungen der Unternehmen. Wiedergegebene Analystenmeinungen und Kursziele sind Einschätzungen Dritter. Angaben zu möglichen Plänen von ACS beruhen auf Medienberichten unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen und wurden von den Unternehmen nicht bestätigt. Investitionen in Aktien sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden.
Redaktion, aktiencheck.de
War dieser Artikel hilfreich?
Die Inhalte auf AktienCheck.de dienen ausschließlich der Information und stellen keine individuelle Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden.