Den deutschen Standardwerten gelang in der vergangenen Handelswoche, was nicht oft gelingt: eine Abkopplung von der Entwicklung der US-Börsen, so die Fürst Fugger Privatbank.
DAX und Dow Jones vor der nächsten Kursrallye? US-Zwischenwahlen könnten die Börsen beflügeln - doch ein Warnsignal bleibt!
Technische Aktienmarktaussichten
Dieses Verhalten sei mit der geringeren Technologielastigkeit der DAX-Werte zu erklären. So habe der DAX in der vergangenen Woche ein Plus von 637 Punkten beziehungsweise 2,5 % verzeichnet. Kurzfristig positiv zu bewerten sei, dass den deutschen Standardwerten der Sprung über den Widerstandsbereich bei rund 25.900 Punkten gelungen sei. Allerdings habe sich dieser Ausbruch als nicht nachhaltig erwiesen, da der DAX zur heutigen Handelseröffnung wieder unterhalb dieser Marke notiere. Sollte eine Rückeroberung gelingen, wäre ein Aufwärtspotenzial bis zum Allzeithoch bei 26.619 Punkten vorhanden. Zur Vorsicht mahnten jedoch die technischen Indikatoren, die in ihrer Gesamtheit kurzfristig überkauft seien. Somit sei zu Beginn der neuen Handelswoche mit einer Fortsetzung der Seitwärtsbewegung zu rechnen. Neue Impulse könnten die in dieser Woche anstehenden Zwischenwahlen in den USA liefern.
Dow Jones Industrial
Der Dow Jones habe in der vergangenen Woche um 0,9% konsolidiert und bei 51.770 Punkten geschlossen. Die Entwicklung habe jener der Vorwoche geähnelt, wobei sich der breite Markt weiterhin gut behauptet habe. Der Russell 2000 habe um 1,3% und der gleichgewichtete S&P 500 um 0,8% zugelegt. Auch neun der elf Sektoren hätten Kursgewinne erzielt. Angeführt worden sei die Entwicklung vom Gesundheitssektor mit einem Plus von 3,1%, den Grundstoffen und Versorgern mit jeweils 2,0% sowie der Industrie mit 1,7%. Dagegen hätten die hoch gewichteten Technologieaktien mit einem Minus von 1,8% und die Kommunikationsdienstleister mit einem Rückgang von 8,5 % den S&P 500, der um 0,6% nachgegeben habe, sowie den NASDAQ 100 mit einem Verlust von 2,0% belastet.
Der Technologiesektor sei insbesondere durch die Schwäche der Aktien von KI-Infrastrukturunternehmen unter Druck geraten, nachdem die Marktteilnehmer die enormen Investitionsausgaben zunehmend kritisch beurteilt hätten. Die Schwergewichte Alphabet, Amazon und Microsoft seien nach der Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen stärker unter Verkaufsdruck geraten. Die US-Notenbank habe den Leitzins unterdessen wie erwartet unverändert gelassen.
Der Dow Jones habe sich in der vergangenen Woche überwiegend seitwärts bewegt. Ein Versuch, den größeren Widerstandsbereich bei 52.880 Punkten zu überwinden, sei gescheitert. Nach den Kursgewinnen seit Anfang Oktober seien die Marktteilnehmer zunehmend bereit gewesen, Gewinne mitzunehmen, worauf die langen oberen Schatten der Candlesticks hindeuteten. Nach der zuvor wochenlangen Konsolidierung des breiten US-Aktienmarktes habe sich allerdings auch kein größerer Verkaufsdruck aufgebaut.
Aus Sicht der Fürst Fugger Privatbank sei die Konsolidierung nahezu idealtypisch verlaufen, da sie überwiegend seitwärts stattgefunden habe. Erst der Optionsverfall am Freitag habe zu einem Bruch der 50-Tage-Linie, die aktuell bei 52.156 Punkten verlaufe, sowie zu einem Test der wichtigen Unterstützung im Bereich von 51.983 Punkten und der 38-Tage-Linie bei derzeit 51.862 Punkten geführt.
Damit dürfte es sich nach Einschätzung der Marktbeobachter wahrscheinlich um einen typischen „Pullback“ gehandelt haben, der im weiteren Verlauf zu einem erneuten Anlauf auf den Widerstand bei 52.880 Punkten führen sollte. Die Marktcharakteristik habe sich innerhalb der vergangenen Woche deutlich verbessert und teilweise Werte erreicht, die seit Mai nicht mehr beobachtet worden seien. Auch die stärkere Beteiligung der Nebenwerte signalisiere einen gestiegenen Risikoappetit der Anleger. Gleichzeitig schwäche sich das Abwärtsmomentum zunehmend ab.
Kurzfristig könnte den US-Aktienmärkten allerdings eine Phase erhöhter Volatilität bevorstehen, beispielsweise aufgrund der laufenden Berichtssaison, neuer Arbeitsmarktdaten oder der anstehenden Zwischenwahlen in den USA. Dabei dürfte es sich nach Einschätzung der Fürst Fugger Privtabank jedoch lediglich um ein vorübergehendes Phänomen handeln, von dem sich die Marktteilnehmer derzeit nicht verunsichern lassen sollten.
Das Chancen-Risiko-Profil bleibe weiterhin attraktiv und biete Potenzial für zusätzliche Kursgewinne. Auf der Unterseite stelle die Marke von 51.673 Punkten die nächste wichtige Unterstützung dar. Einen Test der 200-Tage-Linie, die aktuell bei 50.678 Punkten verlaufe, halte die Fürst Fugger Provatbank gegenwärtig für sehr unwahrscheinlich.
Einschätzung
Die Marktteilnehmer sollten kurzfristig mit einer erhöhten Volatilität rechnen. Davon sollten sie sich nach Einschätzung der Fürst Fugger Privatbank derzeit jedoch nicht verunsichern lassen. Das Chancen-Risiko-Profil für die Aktienmärkte werde weiterhin als interessant eingeschätzt.
Für dynamische Rallyversuche sei allerdings eine stärkere Beteiligung des Technologiesektors erforderlich. Eine entsprechende Gegenbewegung erscheine durchaus wahrscheinlich. Gerade die US-Aktienmärkte hätten aus dem attraktiven technischen Gesamtbild, das sich seit Mitte September geboten habe, bislang zu wenig gemacht.
Sollte sich dieses Verhalten mit weiterhin schwachen Erholungsversuchen fortsetzen, müssten die Marktteilnehmer dies als wichtigen Hinweis auf eine mögliche Veränderung der übergeordneten Börsenlage interpretieren. Letztlich sei bislang lediglich eine schwache technische Gegenreaktion zu beobachten gewesen, die bei einigen Indizes sogar vollständig ausgeblieben sei.
Entscheidend sei nun, dass die Phase rund um die Zwischenwahlen in den USA die historisch übliche starke Wertentwicklung hervorbringe. Nur wenn sich die Erholung auf eine breitere Basis stütze und insbesondere der Technologiesektor wieder stärker an den Kursgewinnen partizipiere, könnten sich die Voraussetzungen für eine nachhaltige Fortsetzung der Aufwärtsbewegung verbessern.
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