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Im Laufe der letzten sechs Jahre haben sich Investoren daran gewöhnt, dass Value-Aktien besser als Growth-Titel abschneiden, so Virginie Maisonneuve, Expertin von Schroders.
Nachdem sich nun die ersten Hinweise auf einen Wandel des konjunkturellen und geldpolitischen Umfelds abzeichnen würden, lebe auch die Debatte um Substanz- versus Wachstumswerte wieder auf.
In diesem Kommentar untersuche man die Gründe für das überdurchschnittlich gute Abschneiden von Substanzwerten und die geänderten Marktbedingungen, die das Comeback von Wachstumswerten einleiten könnten. Die entscheidende Frage sei dabei, auf welche Arten von Wachstumsaktien Investoren jetzt setzen sollten.
Substanzorientierte Investmentstrategien seien während der vergangenen sechs Jahre weitaus lohnender gewesen als wachstumsorientierte Strategien. So habe der MSCI World Value Index den MSCI World Growth Index bis Ende 2005 um über 50% übertroffen. Diese beachtliche Outperformance sei ein weltweites Phänomen gewesen: Value habe Growth in allen großen Wirtschaftsregionen der Welt übertroffen und dabei sowohl von einem günstigen weltwirtschaftlichen Umfeld als auch den relativen Bewertungen der beiden Stile profitiert. Nach Einschätzung der Experten stehe man jetzt vor der Trendwende, die das Comeback eines wachstumsorientierten Investmentstils einleiten werde.
Die Experten würden einmal Revue passieren lassen, in welchem Umfeld die Performance wertorientierter Titel während der letzten sechs Jahre stattgefunden habe. Zunächst einmal habe der Value-Ansatz von den überzogenen Bewertungen wachstumsorientierter Titel während der Technologie/ Medien/Telekommunikation-Blase (TMT-Blase) profitiert. Einfach ausgedrückt: Wertorientierung habe sich gelohnt.
Zweitens hätten sich die nach dem 11. September 2001 weltweit allgemein verbesserte Liquiditätslage und ihre Folgen für die globale Konjunktur ebenfalls günstig auf Substanzwerte ausgewirkt. In den USA habe die ab 2002 steigende Kapazitätsauslastung zusammen mit dem wachsenden Gewinnanteil am BIP für weitere Wachstumsdynamik gesorgt und substanzorientierte Investmentstrategien begünstigt. Je dynamischer und lebhafter die Wachstumsentwicklung, desto stärker hätten Anleger auf Substanzwerte fokussiert. Und schließlich habe die hervorragende Wertentwicklung konjunkturabhängiger Aktien gegenüber risikoärmeren Werten insbesondere ab 2003 den Value-Ansatz begünstigt, da im Value-Index hauptsächlich zyklische Werte vertreten seien.
Der Trend bei zyklischer Outperformance sei ebenso ausgeprägt wie vielschichtig gewesen. Dieser Trend habe sich sogar auf Sektoren erstreckt, die vom Markt bisher vernachlässigt worden seien, wie beispielsweise japanische Finanzwerte in 2003 oder Werkstoffunternehmen (vor allem Bergbau und Edelmetalle) sowie Erdölaktien.
Die letztgenannten Sektoren hätten dadurch noch zusätzlichen Auftrieb enthalten, dass die Welt schließlich der Bedeutung Chinas als wichtigem "Grenzspieler" in diesen Schlüsselbereichen gewahr geworden sei. Am Beispiel Erdöl könne man gut nachvollziehen, wie die Dynamik der Weltwirtschaft zusammen mit der Nachfrage nach Erdöl in China und den zunehmenden geopolitischen Spannungen im Nahen und Mittleren Osten eine Lage geschaffen habe, die sensibel auf Erschütterungen auf der Angebots- und Nachfrageseite reagiert habe. Davon hätten wiederum die Erdölaktien ganz ungemein profitiert.
Zwar habe sich der Anteil der zyklischen Werte an den Value- und Growth-Indices im Laufe der Zeit geändert, er stelle jedoch weiterhin die wichtigste Einflussgröße für die Outperformance von Substanzwerten dar. Ende 2005 habe es sich bei 86% der im MSCI World Value Index enthaltenen Titel um konjunkturabhängige Werte gegenüber 61% beim MSCI World Growth Index (Stand: Ende 2005) gehandelt. Interessant sei dabei auch, dass die starke Performance von Substanzwerten zeitlich mit der Outperformance von geringer kapitalisierten Aktienwerten gegenüber Largecaps zusammengefallen sei. Angesichts des stetigen Rückgangs der Volatilität auf den Aktienmärkten seit 2001 hätten Investoren eine höhere Risikobereitschaft und weniger Neigung gezeigt, sich bei traditionellen Wachstumsaktien oder defensiven Werten zu engagieren.
Umbrüche im konjunkturellen und geldpolitischen Umfeld sowie veränderte relative Bewertungen würden auf günstigere Rahmenbedingungen für Wachstumswerte hindeuten. Zunächst einmal erwarte man eine Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone seien die geldpolitischen Zügel wieder angezogen worden. In Kombination mit höheren Erdöl- und Rohstoffpreisen sowie sinkendem Verbrauchervertrauen in den USA werde sich dies als Hemmschuh für die Weltwirtschaft erweisen und zurückgehende Unternehmensgewinne nach sich ziehen.
In der Vergangenheit seien sinkende OECD-Frühindikatoren immer ein guter Anhaltspunkt für einen allgemeinen Rückgang des Gewinnwachstums pro Aktie gewesen. Dies habe sich wiederum als günstig für den wachstumsorientierten Ansatz erwiesen. Da jetzt alles auf eine Verknappung von Wachstum hindeute, sollte es für Investoren an Wert gewinnen. Zudem würden flache oder inverse Zinsstrukturkurven häufig eine Rückbesinnung auf Wachstumswerte auslösen. Und schließlich hätten sich die KGVs von Wachstumsaktien, die im Vergleich zu Substanzwerten - im Nachhinein natürlich logisch - während der TMT-Blase ihren Höchststand erreicht hätten, jetzt wieder auf einem attraktiven Niveau eingependelt. Die Bewertungslücke zwischen Wachstums- und Substanzwerten befinde sich jetzt wieder auf dem Stand von 1995. Das bedeute, dass Wachstumsaktien jetzt wieder außerordentlich günstig bewertet seien.
Nach Lektüre dieses Artikels liege die Schlussfolgerung auf der Hand: Die Experten seien der Auffassung, dass Investoren im gegenwärtigen Umfeld ihr Augenmerk wieder wachstumsorientierten Strategien zuwenden sollten. Dabei müsse man allerdings hervorheben, dass der Fokus auf qualitativ hochwertigen Wachstumsunternehmen liegen sollte, die sich durch nachhaltige Wettbewerbsvorteile auszeichnen würden.
Unternehmen, denen es sichtlich gelinge, ihre Erträge zu steigern, während das Gewinnwachstum allgemein nachlasse, würden sich dabei in einer besonders guten Position befinden, um besser als die Referenzgruppe abzuschneiden. Es gelte also, diejenigen Unternehmen ausfindig zu machen, die diese Merkmale aufweisen würden und deren Aktien zu attraktiven Bewertungen gehandelt würden. Damit wäre in den meisten Marktszenarien der Grundstein für eine Outperformance gelegt. Bei den gegenwärtigen Rahmenbedingungen sei dies aber ganz besonders der Fall.
Nachdem sich nun die ersten Hinweise auf einen Wandel des konjunkturellen und geldpolitischen Umfelds abzeichnen würden, lebe auch die Debatte um Substanz- versus Wachstumswerte wieder auf.
In diesem Kommentar untersuche man die Gründe für das überdurchschnittlich gute Abschneiden von Substanzwerten und die geänderten Marktbedingungen, die das Comeback von Wachstumswerten einleiten könnten. Die entscheidende Frage sei dabei, auf welche Arten von Wachstumsaktien Investoren jetzt setzen sollten.
Substanzorientierte Investmentstrategien seien während der vergangenen sechs Jahre weitaus lohnender gewesen als wachstumsorientierte Strategien. So habe der MSCI World Value Index den MSCI World Growth Index bis Ende 2005 um über 50% übertroffen. Diese beachtliche Outperformance sei ein weltweites Phänomen gewesen: Value habe Growth in allen großen Wirtschaftsregionen der Welt übertroffen und dabei sowohl von einem günstigen weltwirtschaftlichen Umfeld als auch den relativen Bewertungen der beiden Stile profitiert. Nach Einschätzung der Experten stehe man jetzt vor der Trendwende, die das Comeback eines wachstumsorientierten Investmentstils einleiten werde.
Die Experten würden einmal Revue passieren lassen, in welchem Umfeld die Performance wertorientierter Titel während der letzten sechs Jahre stattgefunden habe. Zunächst einmal habe der Value-Ansatz von den überzogenen Bewertungen wachstumsorientierter Titel während der Technologie/ Medien/Telekommunikation-Blase (TMT-Blase) profitiert. Einfach ausgedrückt: Wertorientierung habe sich gelohnt.
Zweitens hätten sich die nach dem 11. September 2001 weltweit allgemein verbesserte Liquiditätslage und ihre Folgen für die globale Konjunktur ebenfalls günstig auf Substanzwerte ausgewirkt. In den USA habe die ab 2002 steigende Kapazitätsauslastung zusammen mit dem wachsenden Gewinnanteil am BIP für weitere Wachstumsdynamik gesorgt und substanzorientierte Investmentstrategien begünstigt. Je dynamischer und lebhafter die Wachstumsentwicklung, desto stärker hätten Anleger auf Substanzwerte fokussiert. Und schließlich habe die hervorragende Wertentwicklung konjunkturabhängiger Aktien gegenüber risikoärmeren Werten insbesondere ab 2003 den Value-Ansatz begünstigt, da im Value-Index hauptsächlich zyklische Werte vertreten seien.
Die letztgenannten Sektoren hätten dadurch noch zusätzlichen Auftrieb enthalten, dass die Welt schließlich der Bedeutung Chinas als wichtigem "Grenzspieler" in diesen Schlüsselbereichen gewahr geworden sei. Am Beispiel Erdöl könne man gut nachvollziehen, wie die Dynamik der Weltwirtschaft zusammen mit der Nachfrage nach Erdöl in China und den zunehmenden geopolitischen Spannungen im Nahen und Mittleren Osten eine Lage geschaffen habe, die sensibel auf Erschütterungen auf der Angebots- und Nachfrageseite reagiert habe. Davon hätten wiederum die Erdölaktien ganz ungemein profitiert.
Zwar habe sich der Anteil der zyklischen Werte an den Value- und Growth-Indices im Laufe der Zeit geändert, er stelle jedoch weiterhin die wichtigste Einflussgröße für die Outperformance von Substanzwerten dar. Ende 2005 habe es sich bei 86% der im MSCI World Value Index enthaltenen Titel um konjunkturabhängige Werte gegenüber 61% beim MSCI World Growth Index (Stand: Ende 2005) gehandelt. Interessant sei dabei auch, dass die starke Performance von Substanzwerten zeitlich mit der Outperformance von geringer kapitalisierten Aktienwerten gegenüber Largecaps zusammengefallen sei. Angesichts des stetigen Rückgangs der Volatilität auf den Aktienmärkten seit 2001 hätten Investoren eine höhere Risikobereitschaft und weniger Neigung gezeigt, sich bei traditionellen Wachstumsaktien oder defensiven Werten zu engagieren.
Umbrüche im konjunkturellen und geldpolitischen Umfeld sowie veränderte relative Bewertungen würden auf günstigere Rahmenbedingungen für Wachstumswerte hindeuten. Zunächst einmal erwarte man eine Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone seien die geldpolitischen Zügel wieder angezogen worden. In Kombination mit höheren Erdöl- und Rohstoffpreisen sowie sinkendem Verbrauchervertrauen in den USA werde sich dies als Hemmschuh für die Weltwirtschaft erweisen und zurückgehende Unternehmensgewinne nach sich ziehen.
In der Vergangenheit seien sinkende OECD-Frühindikatoren immer ein guter Anhaltspunkt für einen allgemeinen Rückgang des Gewinnwachstums pro Aktie gewesen. Dies habe sich wiederum als günstig für den wachstumsorientierten Ansatz erwiesen. Da jetzt alles auf eine Verknappung von Wachstum hindeute, sollte es für Investoren an Wert gewinnen. Zudem würden flache oder inverse Zinsstrukturkurven häufig eine Rückbesinnung auf Wachstumswerte auslösen. Und schließlich hätten sich die KGVs von Wachstumsaktien, die im Vergleich zu Substanzwerten - im Nachhinein natürlich logisch - während der TMT-Blase ihren Höchststand erreicht hätten, jetzt wieder auf einem attraktiven Niveau eingependelt. Die Bewertungslücke zwischen Wachstums- und Substanzwerten befinde sich jetzt wieder auf dem Stand von 1995. Das bedeute, dass Wachstumsaktien jetzt wieder außerordentlich günstig bewertet seien.
Nach Lektüre dieses Artikels liege die Schlussfolgerung auf der Hand: Die Experten seien der Auffassung, dass Investoren im gegenwärtigen Umfeld ihr Augenmerk wieder wachstumsorientierten Strategien zuwenden sollten. Dabei müsse man allerdings hervorheben, dass der Fokus auf qualitativ hochwertigen Wachstumsunternehmen liegen sollte, die sich durch nachhaltige Wettbewerbsvorteile auszeichnen würden.
Unternehmen, denen es sichtlich gelinge, ihre Erträge zu steigern, während das Gewinnwachstum allgemein nachlasse, würden sich dabei in einer besonders guten Position befinden, um besser als die Referenzgruppe abzuschneiden. Es gelte also, diejenigen Unternehmen ausfindig zu machen, die diese Merkmale aufweisen würden und deren Aktien zu attraktiven Bewertungen gehandelt würden. Damit wäre in den meisten Marktszenarien der Grundstein für eine Outperformance gelegt. Bei den gegenwärtigen Rahmenbedingungen sei dies aber ganz besonders der Fall.









