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Den Haag (www.aktiencheck.de) - Die Haushaltsklippe in den USA ist zurzeit das wichtigste "Tail Risk", so die Experten von ING Investment Management.
Wenn auch Hoffnung auf einen baldigen Kompromiss bestehe, so würden Unternehmen, Verbraucher und Anleger in den USA vorsichtig bleiben. Daher würden die Experten weiterhin europäische Aktien US-Titeln vorziehen.
In diesem Jahr habe die Steuerung von Tail Risks, also Extremrisiken, im Mittelpunkt gestanden. Dabei hätten vor allem die EU-Staatsschuldenkrise, eine mögliche harte Landung der chinesischen Volkswirtschaft und die US-Fiskalklippe das Geschehen dominiert. Während sich die Situation bei den beiden erstgenannten Risiken entspannt habe, bestehe das Risiko der Haushaltsklippe unvermindert weiter.
Die EZB habe bereits Maßnahmen ergriffen, um das systemische Risiko eines Zusammenbruchs der Eurozone bzw. einer Großbank weitgehend zu reduzieren. Das sei zweifelsohne der Hauptgrund für die Outperformance europäischer Aktien im Allgemeinen und von Finanztiteln im Besonderen seit Jahresmitte. Dennoch: Aus dem Schneider sei die EWU damit nicht. Das griechische Parlament habe kürzlich das dritte Memorandum of Understanding zu Haushaltskürzungen unterzeichnet und den Haushalt für 2013 verabschiedet.
Griechenland werde zwar die nächste Tranche erhalten, doch die Kosten für die Regierungskoalition seien enorm: Viele ihre Parlamentarier seien inzwischen zur Opposition übergelaufen. Binnen fünf Monaten habe die griechische Regierung bereits ein Drittel ihrer Mehrheit eingebüßt. Während das Risiko eines "Grexit" in den nächsten Monaten gering sei, könnte sich Reformmüdigkeit in Griechenland mittelfristig als fatal erweisen. Hinzu komme, dass Spanien immer noch zögere, offiziell um Unterstützung durch den European Stability Mechanism anzusuchen.
Auch die Wirtschaftsdaten Chinas würden sich allmählich verbessern. Die jüngsten Daten zu Industrieproduktion, Sachinvestitionen und Einzelhandelsumsatz würden einen moderaten Aufwärtstrend signalisieren. Damit hätten sich die Sorgen um eine harte Landung weitgehend gelegt. Zusätzliche fiskal- und geldpolitische Impulse würden das Risiko weiter verringern. Zudem habe sich die Dynamik bei Preisen und Kapitalflüssen an den EM-Aktien- und Anleihemärkten verbessert.
Damit bleibe die Haushaltsklippe. Mit der Wiederwahl Obamas habe die Ungewissheit im Hinblick auf den Wahlausgang geendet. Zugleich steige die Wahrscheinlichkeit, dass es bei der lockeren Geldpolitik bleibe. Bei einem Sieg Romneys wäre dies wohl ein Unsicherheitsfaktor gewesen. Auch die Wahrscheinlichkeit, FED-Chef Bernanke könne Anfang 2014 durch einen Nachfolger ersetzt werden, der einen geldpolitischen Kurswechsel einleite, sei deutlich gesunken.
Die Schlagkraft der US-Geldpolitik hänge in erster Linie davon ab, dass die FED solange bereit sei, quantitativ zu lockern, bis die Realwirtschaft wieder an echtem Schwung gewinne. Durch den Sieg Obamas bleibe es bei diesem Anspruch. Auch das habe wohl zur Rally bei zehnjährigen US-Staatsanleihen beigetragen.
Doch der größte Risikofaktor, die Fiskalklippe, halte unvermindert an. Die Mehrheitsverhältnisse im Kongress hätten sich durch die Präsidentschaftswahlen nicht geändert, insofern sei das Risiko eines Patts zwischen Republikanern und Demokraten hoch.
Das Basisszenario der Experten gehe davon aus, dass die Fiskalklippe umschifft werden könne, da niemandem an einer Rezession gelegen sei. Die jüngsten Verlautbarungen vonseiten der Demokraten und Republikaner würden Hoffnung machen, dass noch in diesem Jahr ein Kompromiss erreicht werden könne.
Es bestehe Einigkeit, dass der Wahlausgang als Mandat für einen Kompromiss zu sehen sei. Das erfordere allerdings Ausgabenkürzungen und eine Erhöhung der Einnahmen. Die Republikaner würden sich auf keinen Fall auf eine Steuererhöhung für Besserverdienende einlassen wollen, seien aber bereit, die Einnahmen durch eine Reform der Steuergesetze zu steigern. Obama sei seinerseits zu einem überparteilichen Kompromiss bereit, wie er auch in seiner Siegesrede ausdrücklich betont habe.
Dennoch bestehe ein deutliches Risiko, dass die US-Konjunktur an der Fiskalklippe zerschelle, falls vor dem 1. Januar keine Einigung erzielt werde. Vorübergehend könnte dadurch dem Wirtschaftskreislauf ein Betrag in Höhe von 4% des BIP fehlen. Hinzu komme, dass bis spätestens Anfang März die Schuldendecke erhöht werden müsste. Insofern bestünden sicherlich genug Anreize für eine Einigung. Doch solange der Kompromiss noch nicht erreicht sei, werde die Unsicherheit die Ausgabenfreude bei Wirtschaft und Verbrauchern dämpfen.
Könne die Fiskalklippe nicht umschifft werden, so würde es in den USA zu einer Rezession kommen, die die gesamte Weltwirtschaft mit sich zöge. Insofern betreffe die Fiskalklippe nicht nur die USA. Ein Kompromiss würde das Vertrauen bei den Unternehmen wieder herstellen und könnte die Investitionstätigkeit ankurbeln. Im Zuge der Entspannung am Immobilien- und Arbeitsmarkt könnte sich der Privatkonsum erholen.
Die anhaltende Ungewissheit werde sich in den nächsten Wochen zwangsläufig auf die Performance von risikoreicheren US-Werten auswirken. Die Übergewichtung bei europäischen Aktien sowie die Untergewichtung von US-Aktien von den Experten würden auf der Annäherung der Risikodynamiken in Europa und den USA sowie der höheren Risikozuschläge in Europa beruhen. Solange diese Risikodynamiken bzw. die Differenz bei Risikoprämien anhalte, würden die Experten bei dieser Positionierung bleiben.
Als sicher geltende Werte würden von der politischen Ungewissheit profitieren, wie sich an den rückläufigen Renditen auf US-Treasuries ablesen lasse. Der globale Konjunkturaufschwung dürfte insgesamt zu einem leichten Anstieg (um ein paar Zehntel Prozent) der Renditen führen. (23.11.2012/ac/a/m)
Wenn auch Hoffnung auf einen baldigen Kompromiss bestehe, so würden Unternehmen, Verbraucher und Anleger in den USA vorsichtig bleiben. Daher würden die Experten weiterhin europäische Aktien US-Titeln vorziehen.
In diesem Jahr habe die Steuerung von Tail Risks, also Extremrisiken, im Mittelpunkt gestanden. Dabei hätten vor allem die EU-Staatsschuldenkrise, eine mögliche harte Landung der chinesischen Volkswirtschaft und die US-Fiskalklippe das Geschehen dominiert. Während sich die Situation bei den beiden erstgenannten Risiken entspannt habe, bestehe das Risiko der Haushaltsklippe unvermindert weiter.
Die EZB habe bereits Maßnahmen ergriffen, um das systemische Risiko eines Zusammenbruchs der Eurozone bzw. einer Großbank weitgehend zu reduzieren. Das sei zweifelsohne der Hauptgrund für die Outperformance europäischer Aktien im Allgemeinen und von Finanztiteln im Besonderen seit Jahresmitte. Dennoch: Aus dem Schneider sei die EWU damit nicht. Das griechische Parlament habe kürzlich das dritte Memorandum of Understanding zu Haushaltskürzungen unterzeichnet und den Haushalt für 2013 verabschiedet.
Griechenland werde zwar die nächste Tranche erhalten, doch die Kosten für die Regierungskoalition seien enorm: Viele ihre Parlamentarier seien inzwischen zur Opposition übergelaufen. Binnen fünf Monaten habe die griechische Regierung bereits ein Drittel ihrer Mehrheit eingebüßt. Während das Risiko eines "Grexit" in den nächsten Monaten gering sei, könnte sich Reformmüdigkeit in Griechenland mittelfristig als fatal erweisen. Hinzu komme, dass Spanien immer noch zögere, offiziell um Unterstützung durch den European Stability Mechanism anzusuchen.
Auch die Wirtschaftsdaten Chinas würden sich allmählich verbessern. Die jüngsten Daten zu Industrieproduktion, Sachinvestitionen und Einzelhandelsumsatz würden einen moderaten Aufwärtstrend signalisieren. Damit hätten sich die Sorgen um eine harte Landung weitgehend gelegt. Zusätzliche fiskal- und geldpolitische Impulse würden das Risiko weiter verringern. Zudem habe sich die Dynamik bei Preisen und Kapitalflüssen an den EM-Aktien- und Anleihemärkten verbessert.
Damit bleibe die Haushaltsklippe. Mit der Wiederwahl Obamas habe die Ungewissheit im Hinblick auf den Wahlausgang geendet. Zugleich steige die Wahrscheinlichkeit, dass es bei der lockeren Geldpolitik bleibe. Bei einem Sieg Romneys wäre dies wohl ein Unsicherheitsfaktor gewesen. Auch die Wahrscheinlichkeit, FED-Chef Bernanke könne Anfang 2014 durch einen Nachfolger ersetzt werden, der einen geldpolitischen Kurswechsel einleite, sei deutlich gesunken.
Doch der größte Risikofaktor, die Fiskalklippe, halte unvermindert an. Die Mehrheitsverhältnisse im Kongress hätten sich durch die Präsidentschaftswahlen nicht geändert, insofern sei das Risiko eines Patts zwischen Republikanern und Demokraten hoch.
Das Basisszenario der Experten gehe davon aus, dass die Fiskalklippe umschifft werden könne, da niemandem an einer Rezession gelegen sei. Die jüngsten Verlautbarungen vonseiten der Demokraten und Republikaner würden Hoffnung machen, dass noch in diesem Jahr ein Kompromiss erreicht werden könne.
Es bestehe Einigkeit, dass der Wahlausgang als Mandat für einen Kompromiss zu sehen sei. Das erfordere allerdings Ausgabenkürzungen und eine Erhöhung der Einnahmen. Die Republikaner würden sich auf keinen Fall auf eine Steuererhöhung für Besserverdienende einlassen wollen, seien aber bereit, die Einnahmen durch eine Reform der Steuergesetze zu steigern. Obama sei seinerseits zu einem überparteilichen Kompromiss bereit, wie er auch in seiner Siegesrede ausdrücklich betont habe.
Dennoch bestehe ein deutliches Risiko, dass die US-Konjunktur an der Fiskalklippe zerschelle, falls vor dem 1. Januar keine Einigung erzielt werde. Vorübergehend könnte dadurch dem Wirtschaftskreislauf ein Betrag in Höhe von 4% des BIP fehlen. Hinzu komme, dass bis spätestens Anfang März die Schuldendecke erhöht werden müsste. Insofern bestünden sicherlich genug Anreize für eine Einigung. Doch solange der Kompromiss noch nicht erreicht sei, werde die Unsicherheit die Ausgabenfreude bei Wirtschaft und Verbrauchern dämpfen.
Könne die Fiskalklippe nicht umschifft werden, so würde es in den USA zu einer Rezession kommen, die die gesamte Weltwirtschaft mit sich zöge. Insofern betreffe die Fiskalklippe nicht nur die USA. Ein Kompromiss würde das Vertrauen bei den Unternehmen wieder herstellen und könnte die Investitionstätigkeit ankurbeln. Im Zuge der Entspannung am Immobilien- und Arbeitsmarkt könnte sich der Privatkonsum erholen.
Die anhaltende Ungewissheit werde sich in den nächsten Wochen zwangsläufig auf die Performance von risikoreicheren US-Werten auswirken. Die Übergewichtung bei europäischen Aktien sowie die Untergewichtung von US-Aktien von den Experten würden auf der Annäherung der Risikodynamiken in Europa und den USA sowie der höheren Risikozuschläge in Europa beruhen. Solange diese Risikodynamiken bzw. die Differenz bei Risikoprämien anhalte, würden die Experten bei dieser Positionierung bleiben.
Als sicher geltende Werte würden von der politischen Ungewissheit profitieren, wie sich an den rückläufigen Renditen auf US-Treasuries ablesen lasse. Der globale Konjunkturaufschwung dürfte insgesamt zu einem leichten Anstieg (um ein paar Zehntel Prozent) der Renditen führen. (23.11.2012/ac/a/m)








