Erweiterte Funktionen
S&P-Initiative könnte US-Politiker zu effizienterer Defizitbekämpfung bewegen
26.04.11 13:29
BNP Paribas Investment Partners
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die Tatsache, dass die amerikanischen Abgeordneten sich letztendlich auf einen Haushalt für dieses Jahr einigen konnten, hielt die Rating-Agentur Standard & Poor's nicht davon ab, den langfristigen Ausblick für amerikanische Staatsanleihen von neutral auf negativ herabzustufen, so die Analysten von BNP Paribas Investment Partners.
Dies habe für Aufregung an den Rentenmärkten gesorgt, die sich jedoch schnell wieder gelegt habe. Nach Ansicht der Analysten habe dieses Downgrade auch eine positive Seite, da es die Politiker zwinge, über eine langfristige Lösung für die Sanierung der amerikanischen Staatsfinanzen nachzudenken.
Die Analysten hätten ihr Übergewicht in Aktien reduziert, da jetzt wahrscheinlich auch auf der anderen Seite des Atlantiks ein Sparkurs eingeschlagen werde und die geldpolitische Straffung in China schneller voranschreite als vorgesehen. Markttechnische Faktoren hätten bei dieser Entscheidung ebenfalls eine Rolle gespielt. In Anbetracht der günstigen weltweiten Liquiditätslage habe man Aktien jedoch weiterhin übergewichtet.
In den vergangenen Wochen hätten risikobehaftete Anlageklassen sich mit steigenden Ölpreisen, den Nachwirkungen der japanischen Naturkatastrophe und den Haushaltsproblemen in der Eurozone und den USA auseinandersetzen müssen. Klare Gewinner dieser Situation seien amerikanische und deutsche Staatsanleihen gewesen, deren Renditen auf den niedrigsten Stand seit mehreren Wochen gefallen seien. Dennoch stünden die Analysten Anleihen nicht optimistischer gegenüber als zuvor. Das Risiko steigender Zinsen sei ihrer Ansicht nach weiterhin hoch. Die Inflation steige und die meisten Zentralbanken würden eine geldpolitische Straffung ins Auge fassen. Auch die Bewertungen seien nach Ansicht der Analysten nicht attraktiv.
Aktien gegenüber seien die Analysten vorsichtig optimistisch, denn sie würden einen Teil der negativen Faktoren, wie zum Beispiel die inflationssteigernde Wirkung hoher Ölpreise, für vorübergehend halten. Auch wenn das Wirtschaftswachstum in den USA im ersten Quartal schwach gewesen sei, würden die Frühindikatoren weiterhin auf eine Verbesserung hindeuten. Aus dem Beige Book der FED, das anekdotische Evidenz mit Fallberichten regionaler Unternehmen enthalte, sei hervorgegangen, dass sich die Wirtschaftsaktivität und der Arbeitsmarkt weiter verbessern würden.
Die Analysten seien seit jeher der Ansicht, dass der langfristige Finanzkurs der US-Regierung auf Dauer nicht tragbar sei. Einschnitte in die Ermessensausgaben allein, wie sie letzte Woche beschlossen worden seien, um einen so genannten Government Shutdown, d.h. die Einstellung der meisten Dienstleistungen der öffentlichen Hand, zu vermeiden, würden nicht ausreichen. Eine langfristige Lösung beinhalte sowohl Ausgabenkürzungen (die von den Demokraten abgelehnt weürden) als auch höhere Einnahmen (wobei Steuererhöhungen für die Republikaner tabu seien). Dieses Patt sei es, was S&P Sorgen bereite.
Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass S&P die derzeitige AAA-Note bestätigt habe. Das Risiko einer Herabstufung dürfte die Politiker dazu zwingen, einen glaubwürdigen Sanierungsplan zu entwickeln. Gleichzeitig habe diese Drohung das Haushaltsdefizit und die durch Leistungsgesetze bedingten aber auf die Dauer nicht tragbaren Ausgaben, wie Medicare und Medicaid aufs Tapet gebracht.
Der Vorteil der USA sei ein positiver relativer Wachstumsausblick. Wenn das reale BIP Wachstum in den kommenden Jahren bei für amerikanische Verhältnisse niedrigen 2% läge und die Inflation ebenfalls 2% erreichen würde, würde sich das nominale Wachstum auf 4% belaufen. Dies könnte dazu beitragen, das Defizit und die Schuldenquote abzubauen. Nach Ansicht der Analysten werde das kurzfristige Wachstum jedoch zwangsläufig durch Sparmaßnahmen belastet werden.
In der Eurozone hätten Spekulationen über eine Umschuldung Griechenlands zugenommen, da eine Finanzierung des griechischen Haushaltsdefizits über die Kapitalmärkte im kommenden Jahr zunehmend unmöglich scheine. Für die Analysten käme eine solche Umschuldung im nächsten Jahr früher als erwartet. Der Wahlausgang in Finnland, wo die euroskeptischen "Wahren Finnen" den Wahlsieg davongetragen hätten, sei in diesem Zusammenhang von Bedeutung, da Finnland ein mit AAA bewerteter Beitragszahler des EU-Stabilitätsfonds sei, an dem die "Wahren Finnen" sich jedoch nicht (weiter) beteiligen wollten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen hätten zugenommen. Nach Ansicht der Analysten werde es jedoch nach Portugal keine weiteren Rettungsaktionen mehr geben, so dass Umschuldungen unausweichlich seien.
Die Inflation in den USA habe inzwischen das Niveau in der Eurozone erreicht. Der Anstieg der Kerninflationsrate sei eine schlechte Nachricht für die FED, die sich darauf verlasse, dass dieser Inflationstyp in Schranken gehalten werden könne. Die Industrieproduktion sei in den USA hoch gewesen, in der Eurozone zufriedenstellend. Die Kapazitätsauslastung in den USA habe sich verbessert. In der Eurozone sei das Verbrauchervertrauen rückläufig gewesen, gleichzeitig jedoch der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe gestiegen.
China habe einen Anstieg der Inflation verzeichnet. Angesichts der reichlich vorhandenen Liquidität, des starken BIP-Wachstums, der Zunahme der Einzelhandelsumsätze, der hohen Industrieproduktion und der kräftigen Investitionen habe die Zentralbank den Mindestreservesatz für Banken zum fünften Mal in diesem Jahr angehoben. (26.04.2011/ac/a/m)
Dies habe für Aufregung an den Rentenmärkten gesorgt, die sich jedoch schnell wieder gelegt habe. Nach Ansicht der Analysten habe dieses Downgrade auch eine positive Seite, da es die Politiker zwinge, über eine langfristige Lösung für die Sanierung der amerikanischen Staatsfinanzen nachzudenken.
Die Analysten hätten ihr Übergewicht in Aktien reduziert, da jetzt wahrscheinlich auch auf der anderen Seite des Atlantiks ein Sparkurs eingeschlagen werde und die geldpolitische Straffung in China schneller voranschreite als vorgesehen. Markttechnische Faktoren hätten bei dieser Entscheidung ebenfalls eine Rolle gespielt. In Anbetracht der günstigen weltweiten Liquiditätslage habe man Aktien jedoch weiterhin übergewichtet.
In den vergangenen Wochen hätten risikobehaftete Anlageklassen sich mit steigenden Ölpreisen, den Nachwirkungen der japanischen Naturkatastrophe und den Haushaltsproblemen in der Eurozone und den USA auseinandersetzen müssen. Klare Gewinner dieser Situation seien amerikanische und deutsche Staatsanleihen gewesen, deren Renditen auf den niedrigsten Stand seit mehreren Wochen gefallen seien. Dennoch stünden die Analysten Anleihen nicht optimistischer gegenüber als zuvor. Das Risiko steigender Zinsen sei ihrer Ansicht nach weiterhin hoch. Die Inflation steige und die meisten Zentralbanken würden eine geldpolitische Straffung ins Auge fassen. Auch die Bewertungen seien nach Ansicht der Analysten nicht attraktiv.
Aktien gegenüber seien die Analysten vorsichtig optimistisch, denn sie würden einen Teil der negativen Faktoren, wie zum Beispiel die inflationssteigernde Wirkung hoher Ölpreise, für vorübergehend halten. Auch wenn das Wirtschaftswachstum in den USA im ersten Quartal schwach gewesen sei, würden die Frühindikatoren weiterhin auf eine Verbesserung hindeuten. Aus dem Beige Book der FED, das anekdotische Evidenz mit Fallberichten regionaler Unternehmen enthalte, sei hervorgegangen, dass sich die Wirtschaftsaktivität und der Arbeitsmarkt weiter verbessern würden.
Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass S&P die derzeitige AAA-Note bestätigt habe. Das Risiko einer Herabstufung dürfte die Politiker dazu zwingen, einen glaubwürdigen Sanierungsplan zu entwickeln. Gleichzeitig habe diese Drohung das Haushaltsdefizit und die durch Leistungsgesetze bedingten aber auf die Dauer nicht tragbaren Ausgaben, wie Medicare und Medicaid aufs Tapet gebracht.
Der Vorteil der USA sei ein positiver relativer Wachstumsausblick. Wenn das reale BIP Wachstum in den kommenden Jahren bei für amerikanische Verhältnisse niedrigen 2% läge und die Inflation ebenfalls 2% erreichen würde, würde sich das nominale Wachstum auf 4% belaufen. Dies könnte dazu beitragen, das Defizit und die Schuldenquote abzubauen. Nach Ansicht der Analysten werde das kurzfristige Wachstum jedoch zwangsläufig durch Sparmaßnahmen belastet werden.
In der Eurozone hätten Spekulationen über eine Umschuldung Griechenlands zugenommen, da eine Finanzierung des griechischen Haushaltsdefizits über die Kapitalmärkte im kommenden Jahr zunehmend unmöglich scheine. Für die Analysten käme eine solche Umschuldung im nächsten Jahr früher als erwartet. Der Wahlausgang in Finnland, wo die euroskeptischen "Wahren Finnen" den Wahlsieg davongetragen hätten, sei in diesem Zusammenhang von Bedeutung, da Finnland ein mit AAA bewerteter Beitragszahler des EU-Stabilitätsfonds sei, an dem die "Wahren Finnen" sich jedoch nicht (weiter) beteiligen wollten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen hätten zugenommen. Nach Ansicht der Analysten werde es jedoch nach Portugal keine weiteren Rettungsaktionen mehr geben, so dass Umschuldungen unausweichlich seien.
Die Inflation in den USA habe inzwischen das Niveau in der Eurozone erreicht. Der Anstieg der Kerninflationsrate sei eine schlechte Nachricht für die FED, die sich darauf verlasse, dass dieser Inflationstyp in Schranken gehalten werden könne. Die Industrieproduktion sei in den USA hoch gewesen, in der Eurozone zufriedenstellend. Die Kapazitätsauslastung in den USA habe sich verbessert. In der Eurozone sei das Verbrauchervertrauen rückläufig gewesen, gleichzeitig jedoch der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe gestiegen.
China habe einen Anstieg der Inflation verzeichnet. Angesichts der reichlich vorhandenen Liquidität, des starken BIP-Wachstums, der Zunahme der Einzelhandelsumsätze, der hohen Industrieproduktion und der kräftigen Investitionen habe die Zentralbank den Mindestreservesatz für Banken zum fünften Mal in diesem Jahr angehoben. (26.04.2011/ac/a/m)








