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München (aktiencheck.de AG) - Das beinahe abgelaufene Jahr war mit Sicherheit besonders, so die Experten von "BörseGo" in ihrem "Rohstoff-Report".
Das, was sonst in einem Jahrzehnt an politischen Ereignissen, Krisen und Katastrophen geschehe, habe sich 2011 auf 365 Tage verdichtet. Auch mit Blick auf die Entwicklung der Performance von Rohstoffen sei dieses Jahr anders gewesen. Die Treiber unter den Rohstoffen seien Gold und WTI Rohöl gewesen.
Gold gelte als sicherer Hafen in der Krise und das politische Umfeld sei wie dafür geschaffen gewesen, dieses Edelmetall zu pushen. Die schwankungsanfällige Rohölsorte WTI sei im Oktober von 76,66 US-Dollar pro Barrel bis Dezember auf über 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Auch im Frühjahr sei WTI Rohöl stark angestiegen. Silber und Kupfer dagegen hätten stark nachgegeben. Zudem hätten viele Rohstoffe über das Jahr im Backwardation notiert.
Zur Erinnerung. Bei Rohstoffinvestments bestehe das Problem, dass die verschiedenen Rohstoffe über Terminkontrakte abgebildet werden müssten. Entweder würden die Rohstoffe im Contango notieren, das heiße mit einem Aufgeld - der Rohstoff sei also teurer als der Kassakurs von heute - oder sie würden in Backwardation notieren. Das heiße, der heutige Kassakurs sei teurer als der Terminkurs in einem oder in ein paar Monaten.
Das Problem, das bei einer Contango-Situation entstehe, sei, dass wenn heute der Schein zum Beispiel 100 Euro Wert sei und man den nächsten zu 110 Euro kaufen müsse, man nur 90 Prozent eines Kontraktes und damit auch keinen vollen Kontrakt mehr erwerben könne, darauf folge ein Partizipationsverlust. Der nächste Kontrakt sei vielleicht auch noch einmal um zehn Prozent teurer und die Folge wäre, dass man nur 80 Prozent des Scheines kaufen könnte und man dementsprechend auch nur noch zu 80 Prozent mit an der Wertentwicklung partizipiere.
Anders ausgedrückt: Sei der jeweils aktuelle Marktpreis niedriger als der Preis für die Lieferung und steige die Forwardkurve, spreche man von Contango. Hier würden Verluste drohen. Sinke die Forwardkurve, spreche man von Backwardation. Da der auslaufende Kontrakt teurer sei als der folgende, könnten hier Gewinne entstehen.
Für die Performance der Rohstoffindices habe das alles bedeutet, dass vor allem Indices mit einem hohen Goldanteil und einem hohen Anteil an WTI Rohöl profitiert hätten und eine gute Wertenwicklung hätten aufweisen können - und zwar oftmals unabhängig davon, ob sie rolloptimiert gewesen seien oder nicht. Der Goldman Sachs Commodities Index (GSCI), der seit 1991 existiere, sei unter den Rohstoffindices derjenige mit dem höchsten Energieanteil (fast 70 Prozent) und sei entsprechend erfolgreich gewesen. Der Rogers International Raw Material Index (RICI) habe mit rund 38 Prozent ebenfalls einen hohen Energieanteil. Der Coco-Index der Commerzbank, der alle Rohstoffe anteilig gleich gewichte, habe durch seinen hohen Goldanteil punkten können.
Durch die Kursentwicklung von Gold und WTI Rohöl sei die Konzeption der Indices in den Hintergrund geraten - Rolloptimierung sei weniger ausschlaggebend als in anderen Jahren gewesen. "Auffällig ist, dass der S&P GSCI am Besten abgeschnitten hat. Wir sind zweitbester", sage Heiko Geiger von Vontobel. Das liege an der hohen Gewichtung des Energiesektors im S&P GSCI. Bekanntermaßen habe Öl extrem dieses Jahr gut performt. Davon habe auch der kurvenneutrale J.P. Morgan Commodity Curve Index (JPMCCI) profitiert, auf den Vontobel Zertifikate begebe. "Dieser ist im Front-Month investiert. So kommt es zur Outperformance dieses Index", erläutere Geiger.
Ein anderer Index, der in diesem Jahr mit einer neuartigen Rolloptimierung auf den Markt gekommen sei, habe ab Herbst gerade wegen des Öls weniger gut abgeschnitten. Der Grund: Der DZ Best Commodity Index, der die Wertentwicklung der Spotpreise der in ihm enthaltenen Rohstoffe tracke, enthalte kein WTI Rohöl, sondern die stabilere Marke Brent, die jedoch im Herbst nachgegeben habe. Der Hintergedanke der Konzeption: Brent Rohöl weise weniger Verzerrungen auf als WTI Rohöl und habe einen größeren Benchmark-Charakter.
"Der relative Verlust von Brent-Öl gegenüber dem nordamerikanischen WTI-Öl hat uns Performancepunkte gekostet. Wir halten aber an dem Konzept fest, da der Markt für Brent-Öl größer und der Preis daher weniger schwankungsanfällig ist. Das Nordseeöl Brent bildet den Weltmarktpreis für Rohöl ab, während WTI-Öl auch von regionalen Preiseffekten aus Nordamerika beeinflusst wird. WTI ist wegen der regionalen Preiseffekte schwieriger kalkulierbar", erläutere Stefano Angioni von der DZ BANK.
Eins sei klar: Die Kursentwicklung von Gold und WTI Rohöl seien in diesem Jahr alles andere gewesen als repräsentativ. Gold gelte als Krisenrohstoff und steigende Ölpreise stünden eigentlich für eine erstarkende Konjunktur. Krise und parallel dazu eine starke Wirtschaft? Nun, die althergebrachten Korrelationen seien ein wenig aus dem Takt geraten. Für Anleger mit einem langen Atem lohne es sich mit Sicherheit, auf ein ausgeklügeltes Rohstoffindex-Konzept zu achten. Das Nachgeben des einen oder anderen Indexes könnte eine gute Einstiegsgelegenheit sein.
Gegen Jahresende sei die aktuelle Situation so, dass sehr viele Rohstoffe im Contango notieren würden. Nach Angaben der Royal Bank of Scotland hätten von den folgenden 38 Rohstoffen 2011 26 im Contango notiert: Palmöl, Kaffee Robusta, Kaffee Arabica, Hafer, Reis, Sojabohnenmehl, Holz, Gummi, Kakao, Schweinehälften (mager), Lebendrind, Sojabohnenöl, Sojabohnen, Weizen, Palladium, Platin, Silber, Gold, Zinn, Nickel, Blei, Zink, Aluminium, Erdgas, RBOB Benzin und WTI Rohöl. Die Liste der Rohstoffe, die in Backwardation notiert hätten, sei entsprechend kürzer. Das seien: Kansas City Weizen, Minneapolis Weizen, Orangensaft, Zucker, Baumwolle, Mais, Kupfer, Gasöl, Heizöl und Brent Rohöl.
Das politische Umfeld bleibe vermutlich auch 2012 herausfordernd. Für Edelmetalle könnte das folgendes bedeuten. "Aufgrund seiner Werterhaltungsfunktion bleibt Gold in einem Inflationsumfeld eine attraktive Anlageklasse. Dies gilt auch für Silber, das aber offenbar im Vergleich eher als Industrie-Rohstoff wahrgenommen wird und insofern schwankungsanfälliger ist. Unabhängig davon verschlechtern sich die Rahmenbedingungen für Edelmetalle nicht. Aufgrund der Unsicherheit an den Märkten und der mangelnden Alternativrendite bei Staatsanleihen behalten Edelmetalle auch zukünftig ihre Funktion als sicherer Hafen", schreibe Robert Halver, Kapitalmarktanalyst der Baader Bank in seinem Newsletter. (Ausgabe 25 vom 29.12.2011) (30.12.2011/ac/a/m)
Das, was sonst in einem Jahrzehnt an politischen Ereignissen, Krisen und Katastrophen geschehe, habe sich 2011 auf 365 Tage verdichtet. Auch mit Blick auf die Entwicklung der Performance von Rohstoffen sei dieses Jahr anders gewesen. Die Treiber unter den Rohstoffen seien Gold und WTI Rohöl gewesen.
Gold gelte als sicherer Hafen in der Krise und das politische Umfeld sei wie dafür geschaffen gewesen, dieses Edelmetall zu pushen. Die schwankungsanfällige Rohölsorte WTI sei im Oktober von 76,66 US-Dollar pro Barrel bis Dezember auf über 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Auch im Frühjahr sei WTI Rohöl stark angestiegen. Silber und Kupfer dagegen hätten stark nachgegeben. Zudem hätten viele Rohstoffe über das Jahr im Backwardation notiert.
Zur Erinnerung. Bei Rohstoffinvestments bestehe das Problem, dass die verschiedenen Rohstoffe über Terminkontrakte abgebildet werden müssten. Entweder würden die Rohstoffe im Contango notieren, das heiße mit einem Aufgeld - der Rohstoff sei also teurer als der Kassakurs von heute - oder sie würden in Backwardation notieren. Das heiße, der heutige Kassakurs sei teurer als der Terminkurs in einem oder in ein paar Monaten.
Das Problem, das bei einer Contango-Situation entstehe, sei, dass wenn heute der Schein zum Beispiel 100 Euro Wert sei und man den nächsten zu 110 Euro kaufen müsse, man nur 90 Prozent eines Kontraktes und damit auch keinen vollen Kontrakt mehr erwerben könne, darauf folge ein Partizipationsverlust. Der nächste Kontrakt sei vielleicht auch noch einmal um zehn Prozent teurer und die Folge wäre, dass man nur 80 Prozent des Scheines kaufen könnte und man dementsprechend auch nur noch zu 80 Prozent mit an der Wertentwicklung partizipiere.
Anders ausgedrückt: Sei der jeweils aktuelle Marktpreis niedriger als der Preis für die Lieferung und steige die Forwardkurve, spreche man von Contango. Hier würden Verluste drohen. Sinke die Forwardkurve, spreche man von Backwardation. Da der auslaufende Kontrakt teurer sei als der folgende, könnten hier Gewinne entstehen.
Durch die Kursentwicklung von Gold und WTI Rohöl sei die Konzeption der Indices in den Hintergrund geraten - Rolloptimierung sei weniger ausschlaggebend als in anderen Jahren gewesen. "Auffällig ist, dass der S&P GSCI am Besten abgeschnitten hat. Wir sind zweitbester", sage Heiko Geiger von Vontobel. Das liege an der hohen Gewichtung des Energiesektors im S&P GSCI. Bekanntermaßen habe Öl extrem dieses Jahr gut performt. Davon habe auch der kurvenneutrale J.P. Morgan Commodity Curve Index (JPMCCI) profitiert, auf den Vontobel Zertifikate begebe. "Dieser ist im Front-Month investiert. So kommt es zur Outperformance dieses Index", erläutere Geiger.
Ein anderer Index, der in diesem Jahr mit einer neuartigen Rolloptimierung auf den Markt gekommen sei, habe ab Herbst gerade wegen des Öls weniger gut abgeschnitten. Der Grund: Der DZ Best Commodity Index, der die Wertentwicklung der Spotpreise der in ihm enthaltenen Rohstoffe tracke, enthalte kein WTI Rohöl, sondern die stabilere Marke Brent, die jedoch im Herbst nachgegeben habe. Der Hintergedanke der Konzeption: Brent Rohöl weise weniger Verzerrungen auf als WTI Rohöl und habe einen größeren Benchmark-Charakter.
"Der relative Verlust von Brent-Öl gegenüber dem nordamerikanischen WTI-Öl hat uns Performancepunkte gekostet. Wir halten aber an dem Konzept fest, da der Markt für Brent-Öl größer und der Preis daher weniger schwankungsanfällig ist. Das Nordseeöl Brent bildet den Weltmarktpreis für Rohöl ab, während WTI-Öl auch von regionalen Preiseffekten aus Nordamerika beeinflusst wird. WTI ist wegen der regionalen Preiseffekte schwieriger kalkulierbar", erläutere Stefano Angioni von der DZ BANK.
Eins sei klar: Die Kursentwicklung von Gold und WTI Rohöl seien in diesem Jahr alles andere gewesen als repräsentativ. Gold gelte als Krisenrohstoff und steigende Ölpreise stünden eigentlich für eine erstarkende Konjunktur. Krise und parallel dazu eine starke Wirtschaft? Nun, die althergebrachten Korrelationen seien ein wenig aus dem Takt geraten. Für Anleger mit einem langen Atem lohne es sich mit Sicherheit, auf ein ausgeklügeltes Rohstoffindex-Konzept zu achten. Das Nachgeben des einen oder anderen Indexes könnte eine gute Einstiegsgelegenheit sein.
Gegen Jahresende sei die aktuelle Situation so, dass sehr viele Rohstoffe im Contango notieren würden. Nach Angaben der Royal Bank of Scotland hätten von den folgenden 38 Rohstoffen 2011 26 im Contango notiert: Palmöl, Kaffee Robusta, Kaffee Arabica, Hafer, Reis, Sojabohnenmehl, Holz, Gummi, Kakao, Schweinehälften (mager), Lebendrind, Sojabohnenöl, Sojabohnen, Weizen, Palladium, Platin, Silber, Gold, Zinn, Nickel, Blei, Zink, Aluminium, Erdgas, RBOB Benzin und WTI Rohöl. Die Liste der Rohstoffe, die in Backwardation notiert hätten, sei entsprechend kürzer. Das seien: Kansas City Weizen, Minneapolis Weizen, Orangensaft, Zucker, Baumwolle, Mais, Kupfer, Gasöl, Heizöl und Brent Rohöl.
Das politische Umfeld bleibe vermutlich auch 2012 herausfordernd. Für Edelmetalle könnte das folgendes bedeuten. "Aufgrund seiner Werterhaltungsfunktion bleibt Gold in einem Inflationsumfeld eine attraktive Anlageklasse. Dies gilt auch für Silber, das aber offenbar im Vergleich eher als Industrie-Rohstoff wahrgenommen wird und insofern schwankungsanfälliger ist. Unabhängig davon verschlechtern sich die Rahmenbedingungen für Edelmetalle nicht. Aufgrund der Unsicherheit an den Märkten und der mangelnden Alternativrendite bei Staatsanleihen behalten Edelmetalle auch zukünftig ihre Funktion als sicherer Hafen", schreibe Robert Halver, Kapitalmarktanalyst der Baader Bank in seinem Newsletter. (Ausgabe 25 vom 29.12.2011) (30.12.2011/ac/a/m)










