Nordex nicht zeichnen




26.03.01 00:00
GoingPublic-Online

Mit Nordex (WKN 587357) strebt der erste Hersteller von Windkraftanlagen an den Neuen Markt, berichten die Analysten von Going Public-Online. Die Aktien können noch bis zum 30. März in einer Preisspanne von 11 Euro bis 14 Euro gezeichnet werden.

Die Emission werde von der Dresdner Bank und der West/LB als gemeinsame Konsortialführer begleitet. Außerdem würden sich noch die BHF-Bank, die Commerzbank und die HypoVereinsbank im Konsortium befinden. Plaziert würden 18 Mio. Aktien aus einer Kapitalerhöhung sowie 13,3 Mio. Aktien aus dem Besitz der Altaktionäre. Der Greenshoe in Höhe von 4,7 Mio. Aktien stamme ebenfalls aus dem Besitz der Altaktionäre. Vor dem Börsengang habe sich Nordex zu 80,5% im Besitz der Balcke-Dürr-Tochter Borsig Energy GmbH und zu 19,5% der Nordvest A/S befunden. Beide würden im Zuge des Börsenganges kräftig Aktien abgeben. Bei vollständiger Greenshoe-Ausübung reduziere sich der Anteil der Altaktionäre auf 25% bzw. 5,8%.

Nordex befaße sich mit der Herstellung und Montage von Windkraftanlagen. Dabei setze das Unternehmen auf einen relativ hohen vertikalen Integrationsgrad. So würden unter anderem die heiklen Komponenten Getriebe und Rotorblätter selbst produziert. Auch in den Prozeß der Standortfindung und des anschließenden Servicegeschäfts sei Nordex involviert. Das Unternehmen konzentriere sich dabei vor allem auf Anlagen im Leistungsbereich von mehr als einem Megawatt (MW). In diesem Marktsegment verfüge Nordex über einen Weltmarktanteil von 13e %. Im Gesamtmarkt liege der Anteil bei 9%. Außerdem sei das Oberhausener Unternehmen derzeit der einzige Anbieter für 2,5 MW-Anlagen. Bis zum Jahr 2003 solle eine Anlage mit einer Leistung von 5 MW entwickelt werden. Diese Hochleistungsanlagen seien vor allem für Gebiete mit hohen Windgeschwindigkeiten interessant.

Der Markt für Windkraftanlagen befindee sich auf einem steilen Wachstumskurs. Derzeit werde mit 25% Wachstum pro Jahr gerechnet. Nordex wolle leicht überproportional mit etwa 27% p.a. (CAGR von 1999/2000 bis 2002/03) wachsen. In Deutschland seien allerdings bereits die ersten Abschwächungserscheinungen zutage gtereten. In spätestens drei Jahren dürften die interessanten Standorte für Windkraftanlegen vergeben sein. Nordex habe die Zeichen der Zeit erkannt und strebe vermehrt ins Auslandsgeschäft. Vor allem in Spanien, den USA, Großbritannien, Frankreich und China wolle Nordex wachsen. Dabei hänge man aber wie die gesamte Branche der Erneuerbaren Energien am Tropf der Politik. Strom aus Windkraft sei am Markt nach wie vor nicht konkurrenzfähig. In Deutschland werde die Windenergie durch das Erneuerbare Energien-Gesetz subventioniert. Auch in anderen Ländern, vor allem in der EU, seien ähnliche Vorgaben in Vorbereitung. In der letzten Woche habe der EUGH eine Klage eines Stromkonzerns gegen das Gesetz abgewiesen. Von dieser Seite dürfte der Branche folglich kein Unheil drohen.

Die Rentabilität sei derzeit ein Hauptproblem bei Nordex. Im laufenden Geschäftsjahr solle der Umsatz zwar um knapp 30% steigen, das EBIT allerdings nur um etwa 5% zulegen. Damit sinke die bereits im letzten Jahr nur durchschnittliche EBIT-Marge von 4,8% auf nur noch 3,9%. Erst in den Folgejahren solle sich die Marge wieder verbessern. Weiteres Manko: Den bisherigen Großaktionären fließe die Hälfte des Emissionserlöses zu. GoingPublic-Research rechne mit folgenden Zahlen für die nächsten Jahre:


Umsatz (Mio. Euro) 1999/2000, 2000/01e, 2001/02e: 273, 352, 461
KUV 01/02e: 1,6 am oberen Ende der Preisspanne

EPS (in Euro): 1999/2000, 2000/01e, 2001/02e: 0,11, 0,12, 0,19
KGV 01/02e: 73 am oberen Ende der Preisspanne


Obwohl Nordex auf den derzeitigen Umwelt-Trend am Neuen Markt aufzuspringen versucht, sei der Wert doch mit den anderen Umwelt-Aktien des Neuen Marktes nicht zu vergleichen. Sowohl Umweltkontor als auch Energiekontor und Plambeck seien im Bereich Projektierung tätig. Nordex dagegen sei als Spezialanlagenbauer anzusehen, so die Analysten von Going Public-Online weiter. Der Weltmarktführer im Bereich Windkraftanlagen, die dänische Vestas, werde derzeit mit einem ähnlichen KGV bewertet, verfüge aber über eine wesentlich gefestigtere Marktstellung. Obwohl Nordex sicher kein schlechtes Unternehmen sei, erscheine das Pricing deutlich überzogen. Bei jährlichen Wachstumsraten von 25% - 30% wäre ein KGV von maximal 30 gerechtfertigt. Selbst unter Berücksichtigung des derzeitigen Trends zu Umweltaktien bestehe für den Wert kaum mehr Spielraum nach oben.

Die Analysten von Going Public-Online würden aus den oben genannten Gründen von einer Zeichnung absehen.








 
 
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