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Nahost-Konflikt im Fokus




19.07.06 12:07
Schroders

London (aktiencheck.de AG) - Im Nahen Osten eskaliert die Gewalt, so Craig Pennington, Global Energy-Portfoliomanager bei Schroders.

Vor diesem Hintergrund konzentriere sich der Ölmarkt jetzt auf das Risiko, dass Syrien und der Iran in den Konflikt hineingezogen würden. Entsprechend nehme der Ölpreis Kurs auf die 80 USD-Marke. Teheran habe bereits mit einem Vergeltungsschlag zur Unterstützung gedroht, sollte auch Syrien angegriffen werden. Der Brent-Ölpreis sei mittlerweile um einen USD gestiegen und habe vorgestern - bei 76,50 USD pro Barrel - seinen historischen Höchststand erreicht. Unterbrechungen der Versorgung würden sich allerdings nur dann auf die Erdölpreise auswirken, wenn der Iran seine Ölexporte einstellen würde. Man bezweifle jedoch, dass der Iran bei einem im Wesentlichen regional begrenzten Konflikt eine solche Maßnahme ergreifen werde.

Die G8-Führer würden eine Beilegung des Konflikts fordern und sowohl UN als auch die USA würden sich aktiv um ein Ende der militärischen Auseinandersetzung bemühen. Die Hoffnung auf eine baldige Entschärfung der Situation sei daher wohl nicht unbegründet. In Nigeria sei es in der letzten Woche zwar zu weiteren Unterbrechungen der Ölversorgung gekommen, die kriegerischen Auseinandersetzungen im Libanon und in Israel hätten sich bisher jedoch nicht auf die Rohölproduktion ausgewirkt. Man erwarte daher, dass bei Lösung des Konflikts auch die Ölpreise wieder auf ein Niveau von rund 68 bis 73 USD pro Barrel sinken würden. In der Regel gehe eine solche Entwicklung mit einer kurzfristigen Underperformance des Sektors einher.

Nichtsdestotrotz würden die Experten von Schroders bei ihrer positiven Einschätzung des Sektors bleiben, da die Bewertungen sowohl bei historischer Betrachtung als auch im Vergleich zu den lokalen Märkten attraktiv bleiben würden. Die Ertragsmeldungen des zweiten Quartals würden für die meisten der von ihnen beobachteten Unternehmen wohl ausgesprochen positiv ausfallen. Dies gelte ebenso für die Prognosen der Geschäftsleitungen zum weiteren Jahresverlauf. Was Wettereinflüsse auf den Markt betreffe, beginne jetzt wieder die Saison der atlantischen Hurrikans. Im Anschluss daran werde im vierten Quartal 2006/ersten Quartal 2007 das jahreszeitlich bedingte Nachfragehoch einsetzen.

Es sei nicht zu erwarten, dass eine Entschärfung der Situation im Nahen Osten mit neuen Friedensinitiativen einhergehen werde. Investoren seien vorgestern mit Professor Uzi Arad zusammengetroffen, dem ehemaligen Direktor des israelischen Geheimdienstes Mossad, der aus eigener Erfahrung bestens mit der Situation am Golf vertraut sei. Nach Einschätzung Professor Arads befinde sich der Westen auf Kollisionskurs mit dem Iran, der an seinem Atomprogramm festhalten wolle. Professor Arad zweifle an der Schlagkraft eines von der UN unterstützten Sanktionskatalogs und halte eine militärische Intervention für wahrscheinlicher.

Das entspreche auch der Experteneinschätzung der Lage. Auch eine Lösung der aktuellen Konfliktsituation werde nicht notwendigerweise zum völligen Abbau der geopolitischen Risiken und einer Stabilisierung des Ölpreises führen. Es sei weitaus wahrscheinlicher, dass sich die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft wieder dem Nuklearproblem zuwende. (19.07.2006/ac/a/m)







 
 

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