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Globale Energiemärkte im Fokus




11.01.07 12:28
Schroders

London (aktiencheck.de AG) - Zurzeit gibt sich fast jeder, der mit den Energiemärkten zu tun hat, als geübter Wetterfrosch, so John Coyle, Analyst Globale Energiemärkte bei Schroders.

Dabei werde gänzlich außer Acht gelassen, dass das Wetter nur wenig Einfluss auf die weltweite Nachfrage nach Öl habe. An den wichtigsten Märkten der USA würden gerade mal sechs Prozent der gesamten Erdölnachfrage im Dezember und Januar auf Heizöl entfallen. Entsprechend würden sich auch größere Fluktuationen beim Heizölbedarf nur unerheblich auf die gesamte Öl-Nachfrage insgesamt auswirken.

Ein Beispiel aus den USA: Im vergangenen Winter hätten Bikini-Temperaturen im Januar die Nachfrage nach Heizöl um sage und schreibe 0,1 Mio. Barrel pro Tag einbrechen lassen. Diese ordentliche Delle sei indes in vollem Umfang vom höheren Bedarf an Benzin und Erdöldestillaten wettgemacht worden, da der Autoverkehr infolge der außergewöhnlich milden Witterung beträchtlich zugenommen habe. Das Wetter sei zwar ein entscheidender Faktor für den Erdgasmarkt, aber nicht für den Erdölverbrauch. Der jüngste Rückgang der WTI-Preise um vier USD überrasche daher.

Die Vorräte an Erdöl und Erdölprodukten in den USA würden weiterhin deutlich zurückgehen, die Rohölbestände beispielsweise seien über fünf Wochen in Folge gefallen. Skeptiker würden darauf hinweisen, dass die Lieferungen durch Nebel im Schiffskanal von Houston und am LOOP-Terminal unterbrochen worden seien. Doch kontinuierliche Abgänge über fünf Wochen hinweg würden eher auf einen Trend hindeuten. Anfang Oktober hätten die Vorräte noch fast 70 Mio. Barrel im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt betragen, jetzt seien sie bereits auf 15 Mio. Barrel geschrumpft. Dieser Schwund konzentriere sich allein auf die Rohölbestände, da sowohl Benzin als auch Erdöldestillate bestandsmäßig den Fünfjahresdurchschnitten entsprechen würden.

Allein in den letzten beiden Wochen seien die Rohölvorräte um 15 Mio. Barrel gefallen. Man könne sich also an zehn Fingern ausrechnen, dass sich der Überschuss noch im Januar in ein Defizit verwandeln werde - egal, ob es warm oder kalt werde. Bedenke man zudem, dass die OPEC dem Markt weiterhin eine Tagesproduktion von knapp 1 Mio. Barrel vorenthalte, mute der wetterbedingte Pessimismus doch, gelinde gesagt, etwas sonderbar an. Dementsprechend lege man von 2007 bis 2009 beim Strip-Preis, also bei der Bewertung auf Basis durchschnittlicher Terminpreise, von 95 auf 100 Prozent zu. Das bedeute, dass man gegenüber Dezember einen etwas höheren Ölpreis erwarte. Im Laufe des Januar rechne man noch mit einem weiteren kräftigen Anstieg des Rohölpreises.

Die Prognose eines El-Niño-bedingten warmen Winters scheine sich zu bewahrheiten. Damit drehe sich der bisher vorherrschende Trend rasch sinkender Erdgasbestände um. Da die Vorräte bereits überdurchschnittlich hoch gewesen seien, wirke sich das derzeit ungewöhnlich warme Wetter in New York logischerweise auf die Erdgaspreise aus. Den Wettervorhersagen zufolge solle die milde Witterung bis Mitte Januar anhalten. Damit sei die Wintersaison 2006/2007 auch schon fast vorüber, um die Zahlen für das erste Halbjahr 2007 zu retten, wäre daher zumindest die Rückkehr zu normalen Temperaturen vonnöten.

Während die Nachfrage bei Frühlingstemperaturen also dahin schmelze, stelle sich die Versorgungslage als außerordentlich positiv dar. Geringere LNG-Lieferungen und sinkende Einfuhren aus Kanada hätten die Versorgung um rund 2,5 Mrd. Kubikfuß pro Tag geschmälert. Hinzukomme, dass dem Markt durch das Strippen von Flüssiggas wahrscheinlich weitere 1,5 Mrd. Kubikfuß pro Tag entzogen würden. Insgesamt habe sich der Markt im Jahresvergleich um etwa 4 Mrd. Kubikfuß pro Tag verengt, das werde aber durch das milde Wetter mehr als aufgewogen.

Auch für die kommenden Wochen sei mit anhaltenden Frühlingstemperaturen und damit einer weiteren Zunahme der Bestände zu rechnen. Vorausgesetzt, dass sich demnächst wieder klimatische Normalität einstelle, könne man eine ähnliche Entwicklung wie im Vorjahr und mithin einen Abbau des Überangebots erwarten. (11.01.2007/ac/a/m)








 
 

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