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Stuttgart (www.aktiencheck.de) - Der hohe Ölpreis und die Sorgen um Südeuropa beeinflussten zuletzt nachhaltig das Anlegerverhalten: Während die privaten Anleger, getrieben von der Angst vor Zahlungsausfällen und Inflation, immer stärker zu Sachwerten jeglicher Form tendieren, steigt ihr Misstrauen gegenüber Anleihen und Geldmarktanlagen, wissen die Experten von Ellwanger & Geiger Privatbankiers.
Mit dem globalen Trend würden die Schwellenländer - angeführt von China und Brasilien - ihre Geldpolitik wieder lockern. In China beispielsweise äußere sich diese Vorgehensweise auch darin, dass die erfolgreichen, restriktiven Maßnahmen zur Dämpfung der Wohnungspreise wieder schrittweise zurückgenommen würden. "Die anhaltende Kosteninflation in China und anderen Schwellenländern belastet die Unternehmen dort und führt in Kombination mit geringeren Einfuhren in die europäischen Krisenländer zur Stagnation der bisher boomenden Exporte", erkläre Helmut Kurz, Fondsmanager von Ellwanger & Geiger Privatbankiers.
Nachdem im zweiten Halbjahr 2011 die Krise in Europa die Rohstoffpreise zwischenzeitlich gedämpft habe, entwickle sich beim wichtigsten Rohstoff - dem Öl - inzwischen ein neuer Aufwärtstrend. Damit rücke das Thema Inflation in den nächsten Monaten wieder in den Vordergrund. "Allzu große Hoffnungen auf eine aggressive geldpolitische Lockerung in den Schwellenländern sollte man sich deshalb nicht machen", so Kurz.
Ein anderes Bild zeichne sich in den USA ab. Mit der verkündeten Verlängerung der Niedrigzinspolitik bis 2014 gegen die Konjunkturschwäche und die befürchtete Deflation habe sich die amerikanische Notenbank allerdings in eine schwierige Position manövriert - denn die lockere Geldpolitik basiere alleinig auf einer weit in die Zukunft reichenden Konjunkturprognose. Demnach müsse sich die FED sehr sicher sein, das die US-Wirtschaft nicht allzu stark wachsen werde. "Mit dieser Einschätzung dürfte sie richtig liegen", glaube der Experte von Ellwanger & Geiger, "denn erstens belasten die aktuell hohen Benzinpreise wieder die Kaufkraft der Amerikaner und zweitens wird es nach den Wahlen im November zu Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen kommen müssen. Und das wird die Konjunktur bremsen."
In dem von der Eurokrise gebeutelten Europa hätten die Verschuldungssorgen zunächst von der expansiveren Geldpolitik der EZB gestoppt werden können. "Die Interventionen der Zentralbank zwingen die Kreditinstitute faktisch in (Staats)Anleihen, wodurch eine Erholung an den Kapitalmärkten inszeniert wurde", erkläre Helmut Kurz. Doch während Griechenland weiter in einer tiefen Rezession verharre, würden sich die Befürchtungen verstärken, dass früher oder später auch Portugal und Spanien in sehr große Schwierigkeiten kämen. Auch Frankreich könnte noch zu einem Problemland für Europa werden.
Die Angst vor Zahlungsausfällen, Konjunkturbefürchtungen und die durch Zentralenbankinterventionen entstandene Überliquidität hätten an den Rentenmärkten aller Industrieländer zu abnormal niedrigen Zinsen für die rarer werdenden einigermaßen guten Schuldner geführt. Die Inflation sei derweil nicht annähernd so stark gesunken wie die Zinsen. Wer heute also "gute" Anleihen kaufe, erhalte kein Entgelt für die eingegangenen Risiken. Sollten die Zinsen für zehnjährige Anleihen zum Beispiel um ein Prozent steigen, ergebe sich dadurch ein Kursverlust von gut fünf Prozent.
Kurz: "Daraus lässt sich die starke Tendenz der privaten Anleger erklären, sich in - teils riskantere - Sachwerte zu flüchten. Sachwerte profitieren von dem zunehmenden Misstrauen gegenüber Anleihen und Geldmarktanlagen." Dass China mit seinen großen Devisenreserven vermehrt Unternehmensbeteiligungen und andere Sachanlagen kaufe, sei ein Indiz dafür. (10.05.2012/ac/a/m)
Mit dem globalen Trend würden die Schwellenländer - angeführt von China und Brasilien - ihre Geldpolitik wieder lockern. In China beispielsweise äußere sich diese Vorgehensweise auch darin, dass die erfolgreichen, restriktiven Maßnahmen zur Dämpfung der Wohnungspreise wieder schrittweise zurückgenommen würden. "Die anhaltende Kosteninflation in China und anderen Schwellenländern belastet die Unternehmen dort und führt in Kombination mit geringeren Einfuhren in die europäischen Krisenländer zur Stagnation der bisher boomenden Exporte", erkläre Helmut Kurz, Fondsmanager von Ellwanger & Geiger Privatbankiers.
Nachdem im zweiten Halbjahr 2011 die Krise in Europa die Rohstoffpreise zwischenzeitlich gedämpft habe, entwickle sich beim wichtigsten Rohstoff - dem Öl - inzwischen ein neuer Aufwärtstrend. Damit rücke das Thema Inflation in den nächsten Monaten wieder in den Vordergrund. "Allzu große Hoffnungen auf eine aggressive geldpolitische Lockerung in den Schwellenländern sollte man sich deshalb nicht machen", so Kurz.
In dem von der Eurokrise gebeutelten Europa hätten die Verschuldungssorgen zunächst von der expansiveren Geldpolitik der EZB gestoppt werden können. "Die Interventionen der Zentralbank zwingen die Kreditinstitute faktisch in (Staats)Anleihen, wodurch eine Erholung an den Kapitalmärkten inszeniert wurde", erkläre Helmut Kurz. Doch während Griechenland weiter in einer tiefen Rezession verharre, würden sich die Befürchtungen verstärken, dass früher oder später auch Portugal und Spanien in sehr große Schwierigkeiten kämen. Auch Frankreich könnte noch zu einem Problemland für Europa werden.
Die Angst vor Zahlungsausfällen, Konjunkturbefürchtungen und die durch Zentralenbankinterventionen entstandene Überliquidität hätten an den Rentenmärkten aller Industrieländer zu abnormal niedrigen Zinsen für die rarer werdenden einigermaßen guten Schuldner geführt. Die Inflation sei derweil nicht annähernd so stark gesunken wie die Zinsen. Wer heute also "gute" Anleihen kaufe, erhalte kein Entgelt für die eingegangenen Risiken. Sollten die Zinsen für zehnjährige Anleihen zum Beispiel um ein Prozent steigen, ergebe sich dadurch ein Kursverlust von gut fünf Prozent.
Kurz: "Daraus lässt sich die starke Tendenz der privaten Anleger erklären, sich in - teils riskantere - Sachwerte zu flüchten. Sachwerte profitieren von dem zunehmenden Misstrauen gegenüber Anleihen und Geldmarktanlagen." Dass China mit seinen großen Devisenreserven vermehrt Unternehmensbeteiligungen und andere Sachanlagen kaufe, sei ein Indiz dafür. (10.05.2012/ac/a/m)









