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Nach dem EU-Gipfel ist vor dem EU-Gipfel




29.06.12 13:18
ETX Capital

London (www.aktiencheck.de) - Der 19. EU-Gipfel hat begonnen und die Finanzmärkte stehen in den Startlöchern, um auf neue Informationen aus Brüssel sofort reagieren zu können, so Oliver Bossmann, Analyst bei ETX Capital.

Jedoch seien im Vorfeld des Gipfels die zum Teil sehr hochgesteckten Erwartungen vieler Beobachter schon wieder mächtig enttäuscht worden, nachdem bekannt gegeben worden sei, dass der Fahrplan zur Fiskalunion erst ab Dezember 2012 beschlossen werden solle. Damit hätten die europäischen Politiker schon im Vorfeld einen gemeinsamen Fahrplan in Punkto Fiskalunion für diesen EU-Gipfel verworfen. Das sei auch am Wechselkurs des EUR/USD nicht spurlos vorbeigegangen, dessen charttechnische Verfassung von Tag zu Tag schlechter zu werden scheine und zuletzt in Kurse unterhalb der Marke von 1,25 USD gemündet sei. Der Kurs des EUR/USD befinde sich nach einem kurzfristigen Aufwärtstrend wieder auf dem absteigenden Ast in Richtung lokaler Tiefstkurse vom 1. Juni 2012, die kurz unter der Marke von 1,23 USD gelegen hätten.

Den Mangel an Entschlossenheit bei der politischen Führung in Europa könnten die weltweiten Finanzmärkte als eine weitere Runde im Spiel um Zeit auffassen und die Reaktion darauf könnte sich vor allem in weiter steigenden Zinsen für Staatsanleihen aus Spanien und Italien äußern. Damit könnte sich für diese Länder das Problem der Staatshaushaltsfinanzierung zunehmend verschärfen und die Spirale der Eurokrise würde sich weiter nach unten drehen.

Vor dem Hintergrund der Rezession und den hohen Arbeitslosenzahlen in Spanien und Italien würden sich die Regierungschefs auf dem EU-Gipfel wohl zu einem Wachstumspaket durchringen können, das insgesamt 130 Mrd. Euro beinhalten solle und als Stimulus für die Konjunktur der am Boden liegenden Volkswirtschaften eingesetzt werden solle. EU-Institutionen, wie etwa die Europäische Investmentbank, oder auch EU-Projektbonds könnten die Kanäle sein, um das Geld an der richtigen Stelle einzusetzen. Eine Vergemeinschaftung der Schulden, sprich Eurobonds, scheine aus Sicht der starken Wirtschaften in der EU eine völlig überzogene Forderung zu sein, die Bundeskanzlerin Merkel zu Äußerungen bewegten lasse, wie etwa "…nicht solange ich lebe…".

Weitere Vorschläge zu einer Flexibilisierung des EFSF oder des ESM spalte Europa ebenfalls in zwei Lager. Ein direkter Kauf von Staatsanleihen über diese Rettungsschirme käme einer Vergemeinschaftung gleich, so die Überzeugung der Vertreter der wirtschaftlich starken EU-Länder. Eine Überraschung beim EU-Gipfel könnte es in Punkto Bankenunion geben. Vielleicht könnten sich die Regierungschefs auf eine Erklärung einigen, wie eine vereinte Bankenaufsicht und ein gesamteuropäischer Einlagensicherungsfonds aussehen könnten und welche Institution die erforderlichen Aufgaben ausführen würden. Jedoch wäre mit einem gemeinsamen Statement der EU-Regierungschefs zur Bankenunion keine der drängenden Fragen gelöst.

Ein weiterer wesentlicher Punkt sei die Gestaltung der politischen Union, die auf diesem Gipfel eine untergeordnete Rolle spielen könnte. Solange die Fiskalunion nicht auf den Weg gebracht werden könne, würden die EU-Regierungschefs wohl in diesem Punkt auf die Bremse drücken. Alles in allem bleibe das Marktsentiment also äußerst unangenehm für Euro-Bullen.

Jedoch zeige der etwas längerfristigere Tageschart anhand der Trendlinien, dass der Kurs des EUR/USD in der Vergangenheit nach längeren Abwärtstrendphasen oftmals eine ausgedehnte Korrektur eingelegt habe. Dieser Logik folgend könnte der Kurs des EUR/USD nach dem EU-Gipfel nochmals einen Anlauf auf die Marke bei 1,28 USD starten, und sich dann weiteres Aufwärtspotenzial bis in den Bereich um 1,30 USD erarbeiten. Sollten die Kurse nach dem EU-Gipfel unter die Marke von 1,23 USD rutschen, dann könnte eine Beschleunigung des langfristigen Abwärtstrends einsetzen. Ein erstes Kursziel könnte die Marke von 1,20 USD sein. (29.06.2012/ac/a/m)







 
 

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