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Crashwerte am Neuen Markt




15.02.02 09:33
GBC-Research

Die Analysten von GBC-Research berichten über Crashwerte am Neuen Markt, welche wohl schwerlich ein Comeback feiern dürften.

Diese und letzte Woche habe es zuhauf Horrormeldungen von ehemaligen Highflyern am Neuen Markt gegeben. Die aktuellste und betrübsamste für Aktionäre sei wohl die Insolvenz des Breitbandcarriers Carrier1 gewesen. Selbst die Internetseite des Unternehmens sei schon nicht mehr zu erreichen. Das Unternehmen rechne nicht damit, dass den Anteilseignern eine finanzielle Entschädigung bleibe. Damit habe die weltweite Krise der Telekombranche ein weiteres Opfer gefunden. Carrier1 sei den Überkapazitäten am Markt und dem daraus resultierenden Margendruck zum Opfer gefallen.

Wie viele andere Marktteilnehmer habe der Anbieter von Übertragungs- und Netzwerklösungen die Entwicklung viel zu optimistisch eingeschätzt, für viel zu viel Geld Netzwerke verlegt, die dann nicht mehr profitabel genutzt werden konnten. Ein weiterer Fehler in der Vergangenheit sei das Gründen von Tochtergesellschaften in aller Welt auf Teufel komm raus gewesen. Damit seien die Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen. Die verzweifelten Versuche von Carrier1 in den vergangenen Wochen, einen Partner oder Übernehmer zu finden, und das Schicksal noch zu wenden, hätten nicht mehr gefruchtet und seien auch mehr als zu spät gewesen. Doch der Kurs stehe immer noch bei 20 Cents, was einer Marktkapitalisierung von über 8 Mio. Euro entspreche. Für diese Summe gebe es am Neuen Markt aber auch Firmen mit einer ordentlichen Bilanz.

Ein weiterer wohl nicht mehr zu kurierender Fall sei die aus Bad Nauheim stammende Heyde-Gruppe. Ein Blick in die Bilanz verrate nichts Gutes. Der Aktienkurs habe sich die letzten Wochen mehr als halbiert, Tendenz weiter fallend. Doch die Company sei noch mit mehr als 25 Mio. Euro bewertet, ein Witz wenn man sich die Bilanz etwas näher anschaue. Die Verbindlichkeiten würden die liquiden Mittel um ein Vielfaches übersteigen und die vor kurzem veröffentlichten Zahlen würden Anlass zur größten Besorgnis geben. Die Heyde-Gruppe habe 2001 trotz eines auf 120 (Vorjahr 115) Mio. Euro ausgeweiteten Umsatzes den Fehlbetrag beim operativen Ergebnis vor Firmenwertabschreibungen auf 50 Mio. Euro erhöht, das bedeute immerhin mehr als eine Verdopplung des Verlustes gegenüber 2000. Wie das Unternehmen am Dienstag mitgeteilt habe, sei in dem Fehlbetrag zwar ein einmaliger Restrukturierungsaufwand von rund 20 Mio. Euro enthalten, aber ob das wirklich noch eine Rolle spiele?

Wie das Unternehmen weiter mitgeteilt habe, sei die Umsatzplanung für das laufende Geschäftsjahr 2002 deutlich nach unten revidiert worden. Man rechne nun mit einem Rückgang des Umsatzes um 15 bis 20 Prozent auf unter 100 Mio. Euro.

Der dritte im Bunde der Crashwerte sei die Jenaer Intershop Communications, welche diese Woche das Ergebnis für das vierte Quartal und das Gesamtjahr bekannt gegeben habe. Die Umsatzerlöse im vierten Quartal hätten sich auf insgesamt 11,7 Mio. Euro, gegenüber 14,7 Mio. Euro im dritten Quartal zum 30. September 2001 belaufen. Für das Gesamtjahr 2001 habe Intershop Umsatzerlöse in Höhe von insgesamt 68,7 Mio. Euro ausgewiesen. Im Vergleich dazu hätten die Umsatzerlöse im Geschäftsjahr 2000 bei 123 Mio. Euro gelegen.

Also grob gerechnet fast eine Halbierung von 2000 auf 2001. Der Nettoverlust im vierten Quartal habe sich auf 24,7 Mio. Euro belaufen, der Barmittelverbrauch habe bei 8,9 Mio. Euro gelegen. Dies sei nur eine geringfügige Verbesserung der Burnrate gegenüber dem dritten Quartal 2001, als 10,4 Mio. Euro "verbrannt" worden seien. Die liquiden Mittel hätten Ende 2001 noch gut 36 Mio. Euro bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von deutlich über 100 Mio. Euro betragen. Nach einer weiteren Umstrukturierung im Management wolle CEO Schambach das Unternehmen so schnell wie möglich in die Gewinnzone führen. Das ganze werde aber ein Wettrennen mit der Zeit, denn neues Geld werde der ehemalige ostdeutsche Highflyer von den Banken wohl nicht mehr bekommen. Dafür seien die Erwartungen zu oft enttäuscht worden. Nicht nachzuvollziehen sei auch, warum Intershop mit einem Vielfachen der liquiden Mittel bewertet werde, während es am Neuen Markt auch Unternehmen gebe, die höhere Nettocashreserven als die aktuelle Marktkapitalisierung aufweisen würden.

Als Fazit sei zu ziehen: Alle drei aufgeführten Unternehmen sollten von Investoren gemieden werden, denn es gebe deutlich interessantere Werte mit einem verträglichen Chance-Risiko-Verhältnis.








 
 

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