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US-Zwischenwahlen: Politischer Stillstand als Börsentreiber?

Der Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen verändert die Machtverhältnisse in Washington - und könnte der Wall Street neuen Rückenwind verleihen

US-Zwischenwahlen: Politischer Stillstand als Börsentreiber?
Bild: Unsplash

Die US-Zwischenwahlen haben den Demokraten einen beeindruckenden Sieg beschert, so Anthony Willis, Senior Economist bei Columbia Threadneedle Investments.

Sie hätten die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses gewinnen können. Doch was bedeute das für Anleger?

Inflation werde Trump zum Verhängnis

Präsident Donald Trump habe die Wähler dazu aufgerufen, so abzustimmen, als stünde sein eigener Name auf dem Wahlzettel. Vor diesem Hintergrund lasse sich das Wahlergebnis als deutliche Absage an die Politik der amtierenden Regierung interpretieren. Trump sei 2024 mit dem Versprechen gewählt worden, die Inflation werde "vollständig verschwinden". Der anhaltende Konflikt mit dem Iran, der die US-Benzinpreise im Jahresvergleich um 40% in die Höhe getrieben habe, erweise sich innenpolitisch jedoch als äußerst kostspielig. Die Inflation liege weiterhin deutlich über dem Zielwert und übersteige seit sechs Monaten das Lohnwachstum in den USA. Die amerikanischen Verbraucher würden auf die gestiegenen Preise damit ähnlich wie bei der Wahl 2024 reagieren, als Joe Biden und Kamala Harris vor dem Hintergrund einer hartnäckig hohen Inflation und der damit verbundenen Kaufkraftverluste eine Niederlage hätten hinnehmen müssen.

Geteilte Macht begünstige Aktienmärkte

Aus makroökonomischer Sicht zeige die Vergangenheit, dass eine geteilte politische Macht in Washington für die Märkte in der Regel ein günstiges Umfeld schaffe. Denn die gegenseitige Blockade der politischen Lager führe dazu, dass größere Gesetzesvorhaben kaum umgesetzt werden könnten. Unmittelbare Sorgen etwa über eine strengere Regulierung künstlicher Intelligenz könnten daher überzogen sein, zumal Präsident Trump weiterhin die Möglichkeit habe, gegen unliebsame Gesetze sein Veto einzulegen.

Historisch betrachtet würden die Aktienmärkte nach Zwischenwahlen zu Kursgewinnen tendieren - und das nahezu unabhängig von deren Ausgang. Zudem sei das dritte Jahr einer US-Präsidentschaft gemessen an den historischen Renditen das stärkste. Sorgen würden allerdings weiterhin das hohe US-Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung mit Blick auf die nächste Schuldenobergrenze bereiten. Eine Einigung über den Haushalt noch vor Januar könnte das Risiko politischer Machtproben und eines Regierungsstillstands verringern. Allerdings könne das US-Finanzministerium zunächst auf Sondermaßnahmen zurückgreifen, bevor die Schuldenobergrenze tatsächlich bindend werde.

Fundamentaldaten würden politischer Unsicherheit trotzen

Die vergangenen beiden Jahre hätten gezeigt, dass sich politische Unsicherheit und Marktvolatilität voneinander entkoppelt hätten. Trotz erheblicher politischer Unruhe hätten sich die Märkte weiterhin auf die fundamentalen Faktoren konzentriert: ein kräftiges Gewinnwachstum der Unternehmen und ein solides wirtschaftliches Umfeld. Sollten diese beiden Faktoren Bestand haben, dürften auch verschärfte politische Machtkämpfe die positive Marktdynamik nicht zwangsläufig ausbremsen. Sollte die Risikobereitschaft der Anleger jedoch nachlassen, könnten dafür durchaus politische Entwicklungen verantwortlich sein - insbesondere der Energiepreisschock und dessen Auswirkungen auf Inflation und Zinsen. Eine innenpolitische Blockade in den USA dürfte für sich genommen hingegen ein positives Umfeld für die Finanzmärkte schaffen.

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