Dow Jones Check: KI-Crash! Nvidia, Cisco und Goldman Sachs reißen den Dow 1.842 Punkte in die Tiefe – nur Coca-Cola hält stand
Dow Jones Check: KI-Crash! Nvidia, Cisco und Goldman Sachs reißen den Dow 1.842 Punkte in die Tiefe – nur Coca-Cola hält stand
Von der Euphorie in den Abgrund in nur 24 Stunden: Einen Tag nach der historischen Wahlrally erlebt die Wall Street einen Ausverkauf, der ebenso in die Geschichtsbücher eingeht. Der Dow Jones stürzt um 3,45 Prozent beziehungsweise 1.842 Punkte auf 51.517 Zähler und radiert den gesamten Gewinn vom Mittwoch aus. Es ist der schwärzeste zweite Handelstag nach einer US-Zwischenwahl seit 1896. Kein einziger der 30 Dow-Werte schließt im Plus. Die Nasdaq rutscht mit einem Minus von rund 5,5 Prozent in eine Korrektur, der Halbleiterindex bricht um mehr als zwölf Prozent ein. An der Spitze der Dow Jones Verlierer stehen Nvidia, Cisco und Goldman Sachs, während Coca-Cola mit einem Minimalverlust als einziger Wert nahezu unbeschadet davonkommt. Unser Dow Jones Check zeigt, was hinter dem KI-Crash steckt und warum sogar starke Konjunkturdaten nicht helfen konnten.

Autor: Redaktion, aktiencheck.de · 5. November 2026
„Sie erschießen die Generäle“: Wie aus der Wahlrally ein KI-Crash wurde
Der Tag begann noch harmlos. Zur Eröffnung legte der Dow Jones sogar um mehr als 300 Punkte zu, getragen von der Hoffnung, dass sich die Rally vom Mittwoch fortsetzt. Doch schon nach einer Stunde kippte die Stimmung. Gegen 16:30 Uhr deutscher Zeit beschleunigte sich der Verkaufsdruck dramatisch, und er ließ bis zum Handelsschluss nicht mehr nach. Am Ende stand ein Minus, das den Rekordgewinn vom Vortag vollständig auslöschte. Der S&P 500 verlor rund 4,4 Prozent und erlebte damit wie die Nasdaq den schlechtesten Tag seit dem Zollschock vom April 2025. Alle elf Sektoren des S&P 500 schlossen im Minus.
Im Zentrum des Bebens steht die künstliche Intelligenz – genauer: die Sorge, dass der gigantische Ausbau von Rechenzentren ins Stocken gerät. Schon am Mittwoch hatten die Wahlerfolge der Demokraten die Chipwerte belastet. In Texas, wo nach Berechnungen von Wells Fargo rund 27 Prozent der geplanten US-Rechenzentrumskapazitäten entstehen sollen, gewann mit Gina Hinojosa eine Kandidatin das Gouverneursamt, die ein Moratorium für neue Rechenzentren angekündigt hat. Auch in Ohio und Georgia setzten sich Kritiker des Rechenzentrumsbooms durch. Am Mittwoch hatten Anleger noch argumentiert, dass die großen Cloud-Konzerne von einem langsameren Investitionstempo profitieren würden. Heute fiel diese Logik in sich zusammen: Auch Microsoft, Amazon, Alphabet und Apple wurden mit nach unten gerissen. Die sieben größten US-Technologiekonzerne verloren zusammen fast 900 Milliarden Dollar an Börsenwert.
Der zweite Treiber war die Positionierung der Profis. Strategen führten den Ausverkauf vor allem darauf zurück, dass Hedgefonds ihre Gewinne des Jahres 2026 vor dem Jahresende sichern – und dafür ausgerechnet die besten Aktien des Jahres verkaufen. Nomura-Stratege Charlie McElligott sprach von einer Auflösung des Momentum-Handels und brachte es auf eine drastische Formel: „Sie erschießen die Generäle.“ Systematische Strategien und gehebelte Fonds mussten zwangsweise verkaufen, was die Bewegung zusätzlich beschleunigte. Auch die Privatanleger warfen das Handtuch: Nach Daten von Vanda Research verkauften sie netto so viele US-Aktien wie seit März 2020 nicht mehr, die Analysten sprachen von einer „totalen Kapitulation“. Der Halbleiterindex brach um mehr als zwölf Prozent ein, AMD verlor rund 15 Prozent, Micron mehr als zwölf Prozent, der Speicherhersteller SanDisk fast 20 Prozent. Selbst Tesla und SpaceX gaben jeweils mehr als neun Prozent nach.
Der dritte Belastungsfaktor kam vom Ölmarkt. Nach dem Einbruch vom Mittwoch drehte der Ölpreis wieder nach oben: Die US-Sorte WTI stieg um fast drei Prozent auf rund 90,70 Dollar je Barrel, Brent notierte bei rund 97 Dollar. Händler zweifeln, ob Präsident Trump nach der Wahlniederlage tatsächlich einen Deal mit dem Iran anstrebt. Ein steigender Ölpreis schwächt genau jene Entlastungsfantasie, die am Mittwoch Konsum- und Industriewerte beflügelt hatte.
Die Angst war an allen Märkten spürbar. Der Volatilitätsindex VIX schoss zeitweise um mehr als 65 Prozent auf 27,45 Punkte in die Höhe – der größte Tagesanstieg seit mehr als zwei Jahren. Anleger flüchteten in Staatsanleihen: Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries fiel auf rund 4,84 Prozent. Gold legte knapp ein Prozent auf über 4.100 Dollar je Feinunze zu, Bitcoin verlor dagegen rund fünf Prozent und fiel zeitweise unter 76.000 Dollar.
Die Dow Jones Analyse zeigt dabei ein klares Muster: Je enger ein Unternehmen mit dem Bau von Rechenzentren und dem Momentum-Handel verbunden ist, desto heftiger fiel der Absturz aus. Nvidia, Cisco, Caterpillar und Honeywell stehen für die KI-Infrastruktur, Goldman Sachs und JPMorgan für die Finanzbranche, die am Aktienboom besonders gut verdient hat. Am Ende der Skala stehen Coca-Cola, Procter & Gamble, McDonald's und Walmart – Geschäftsmodelle, die mit Chips und Rechenzentren nichts zu tun haben. Dass der Dow Jones mit 3,45 Prozent weniger verlor als S&P 500 und Nasdaq, verdankt er genau dieser Mischung.
Dow Jones Gewinner im Check: Keine Gewinner – aber Coca-Cola, Procter & Gamble, McDonald's, Walmart und Johnson & Johnson halten am besten stand
An einem Tag, an dem alle 30 Werte fallen, gibt es keine echten Dow Jones Gewinner. Die fünf stärksten Aktien des Tages zeigen aber, wohin Anleger in Panikphasen flüchten: in Konsumgüter, Lebensmittel und Gesundheit.
Coca-Cola verliert nur 0,07 Prozent auf 95,73 Dollar und ist damit der stabilste Wert im gesamten Dow Jones. Der Getränkekonzern ist das Lehrbuchbeispiel eines sicheren Hafens: Sein Geschäft mit Softdrinks, Wasser und Säften hängt weder an Rechenzentren noch an Chippreisen, die Nachfrage bleibt auch in Krisen stabil, und die Dividende gehört zu den verlässlichsten an der Wall Street. Genau diese Eigenschaften, die am Mittwoch noch langweilig wirkten, als Coca-Cola mit einem Plus von 1,05 Prozent weit hinter dem Markt zurückblieb, werden heute zum Vorteil. Hinzu kommt ein Zinseffekt: Wenn Anleger in Staatsanleihen flüchten und die Renditen sinken, werden dividendenstarke Aktien wie Coca-Cola im Vergleich attraktiver. Eine unternehmensspezifische Nachricht gab es nicht – der Kurs spiegelt allein die Flucht in Qualität und Stabilität.
Procter & Gamble gibt nur 0,16 Prozent auf 167,06 Dollar nach und hält damit fast vollständig den Kurssprung vom Mittwoch, als die Aktie um 3,25 Prozent gestiegen war. Der Konsumgüterkonzern hinter Marken wie Pampers, Gillette, Ariel und Head & Shoulders verkauft Produkte des täglichen Bedarfs, auf die Verbraucher auch in schwierigen Zeiten nicht verzichten. Für Anleger, die ihr Geld aus Chip- und KI-Aktien abziehen, ist P&G eine der naheliegendsten Alternativen. Das Unternehmen hat seine Dividende seit fast sieben Jahrzehnten jedes Jahr erhöht und gilt damit als einer der verlässlichsten Ausschütter der Welt. Für den Dow Jones fiel der Verlust mit gerade einmal rund 1,5 Indexpunkten kaum ins Gewicht.
McDonald's verliert 0,78 Prozent auf 278,04 Dollar und behauptet damit den größten Teil des Kurssprungs vom Mittwoch, als die Aktie nach starken Quartalszahlen um 6,53 Prozent gestiegen war. Dass der Burgerkonzern an einem Crash-Tag nur minimal nachgibt, zeigt, wie sehr die Zahlen das Vertrauen der Anleger gestärkt haben. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 3,57 Dollar klar über den Erwartungen, die vergleichbaren Umsätze stiegen weltweit um 1,5 Prozent, und der Rückgang in den USA fiel mit 0,2 Prozent geringer aus als befürchtet. Das Management hatte zudem betont, dass die US-Umsätze im September wieder gewachsen seien. Die Aktie zeigt heute, dass die Erholung auf festeren Füßen steht als zuvor. Der wieder steigende Ölpreis, der die Kaufkraft der preissensiblen Kunden belasten könnte, bremste die Aktie nur leicht.
Walmart gibt 1,12 Prozent auf 127,72 Dollar nach und gehört ebenfalls zu den relativen Gewinnern dieses Tages. Der Einzelhandelsriese vereint zwei Eigenschaften, die in Krisen gefragt sind: Er verkauft Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs zu niedrigen Preisen und profitiert sogar davon, wenn Verbraucher sparen müssen und zu Discountern wechseln. Gleichzeitig wächst Walmart im Onlinehandel schneller als Amazon und hat seinen Marktanteil im US-E-Commerce zuletzt auf rund 9,2 Prozent ausgebaut. Diese Kombination aus Defensivqualität und Wachstum macht die Aktie zu einem bevorzugten Ziel, wenn Anleger aus Technologiewerten umschichten. Im November legt Walmart seine Zahlen zum dritten Quartal vor, dann rückt das Weihnachtsgeschäft in den Fokus.
Johnson & Johnson verliert 1,45 Prozent auf 272,32 Dollar und liegt damit gleichauf mit Walt Disney. Der Gesundheitskonzern zählt mit seinem breiten Portfolio aus Pharma und Medizintechnik zu den klassischen Defensivwerten im Dow Jones. Die Nachfrage nach Medikamenten und medizinischen Produkten hängt kaum von der Konjunktur oder vom KI-Zyklus ab. Dass J&J dennoch moderat nachgab, liegt am breiten Verkaufsdruck, der auch vor dem Gesundheitssektor nicht haltmachte: Amgen (-3,80 Prozent), UnitedHealth (-3,42 Prozent) und Merck (-2,30 Prozent) verloren deutlich mehr. Im Vergleich zu diesen Branchenkollegen zeigte J&J heute echte Stärke. Eine unternehmensspezifische Nachricht gab es nicht.
Dow Jones Verlierer im Check: Nvidia, Cisco, Goldman Sachs, Caterpillar und Honeywell
Nvidia bricht um 9,26 Prozent auf 181,60 Dollar ein und ist damit das klare Schlusslicht unter den Dow Jones Verlierern. Mit rund 110 Indexpunkten trug der Chipkonzern zugleich erheblich zum Absturz des Leitindex bei. Für die einst unangefochtene Ikone des KI-Booms ist es ein bitterer Tag: Die Aktie rutschte unter ihre 200-Tage-Linie, eine wichtige charttechnische Marke, und hat innerhalb eines Monats mehr als 15 Prozent verloren. Nvidia trifft die Wahl doppelt. Einerseits droht ein Moratorium für Rechenzentren in Texas die Nachfrage nach den Grafikprozessoren zu bremsen, die für das Training und den Betrieb von KI-Modellen unverzichtbar sind. Andererseits ist Nvidia als größte Position in vielen Hedgefonds- und Momentum-Portfolios das erste Ziel, wenn Profis ihre Jahresgewinne sichern. Dass Konkurrent AMD trotz fast verdoppelter Rechenzentrumsumsätze um rund 15 Prozent abstürzte – Konzernchefin Lisa Su nannte den Markt „ein wenig kurzsichtig“ –, zeigt, dass Fundamentaldaten an diesem Tag keine Rolle spielten. Die nächste große Bewährungsprobe kommt Mitte November mit Nvidias eigenen Quartalszahlen.
Cisco stürzt um 7,62 Prozent auf 95,72 Dollar ab und erlebt einen Tag mit doppeltem Gegenwind. Zum allgemeinen Ausverkauf bei KI-Hardware kam eine Abstufung von Morgan Stanley: Analystin Meta Marshall senkte die Einstufung von „Overweight“ auf „Equal-Weight“ und reduzierte das Kursziel von 135 auf 120 Dollar. Ihre Begründung: Nach einer Rally von rund 43 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten sei das Aufwärtspotenzial begrenzt, und das schnell wachsende Geschäft mit KI-Infrastruktur könne die Bruttomarge belasten, weil der Umsatzmix sich in Richtung hardwareintensiver Produkte verschiebt. Cisco steht damit beispielhaft für ein Dilemma der KI-Profiteure: Mehr Aufträge bedeuten nicht automatisch mehr Gewinn. Im Vergleich zu reinen KI-Netzwerkausrüstern kam Cisco dennoch glimpflich davon – Ciena brach um rund 15 Prozent ein, Arista Networks um rund zehn Prozent. Mitte November legt Cisco die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor.
Goldman Sachs verliert 6,44 Prozent auf 868,24 Dollar und war wegen seines hohen Aktienkurses mit rund 350 Indexpunkten der mit Abstand größte Bremsklotz im Dow Jones. Allein die Investmentbank kostete den Leitindex damit fast ein Fünftel seines gesamten Tagesverlusts. Am Mittwoch hatte Goldman noch zu den großen Treibern der Wahlrally gehört. Der heutige Absturz hat einen nachvollziehbaren Hintergrund: Goldman Sachs, Morgan Stanley und JPMorgan haben in diesem Jahr den Löwenanteil der Erträge aus dem Aktienhandel kassiert, getrieben von einer unersättlichen Nachfrage der Hedgefonds. Wenn genau diese Hedgefonds nun ihre Positionen auflösen, Risiko abbauen und zwangsweise verkaufen müssen, sehen Anleger die Kehrseite des Booms. Hinzu kommt die Sorge, dass eine Abkühlung des KI-Handels auch das lukrative Geschäft mit Börsengängen, Übernahmen und Kapitalerhöhungen trifft. Bemerkenswert am Rande: Am selben Tag ernannte Goldman 109 neue Partner – die größte Gruppe seit 2010. Der Bankensektor verlor zeitweise rund 2,7 Prozent, JPMorgan gab im Dow 4,19 Prozent nach.
Caterpillar fällt um 6,37 Prozent auf 553,64 Dollar und setzt seine dramatische Talfahrt fort. Mit mehr als 200 Indexpunkten war der Baumaschinenkonzern nach Goldman Sachs der zweitgrößte Belastungsfaktor des Tages. Bereits am Mittwoch hatte die Aktie als einer von nur drei Dow-Werten 5,23 Prozent verloren. Vom Rekordhoch bei 1.073 Dollar hat sie inzwischen fast die Hälfte ihres Werts eingebüßt. Der Grund liegt in der Sparte für Stromerzeugung, die große Generatoren und Turbinen für Rechenzentren liefert und Caterpillar in der ersten Jahreshälfte zur besten Aktie im Dow gemacht hatte. Genau dieser Teil der Investmentstory steht nun unter Generalverdacht. Analysten von Baird hatten bereits gewarnt, der Ausbau der Rechenzentren könne nach den Wahlen ins Stocken geraten. Operativ ist die Lage weniger dramatisch, als der Kurs suggeriert: Der Auftragsbestand liegt mit 78,1 Milliarden Dollar auf Rekordniveau, und ein Mitglied des Verwaltungsrats kaufte erst am Montag 1.000 Aktien zu rund 620 Dollar. Doch an einem Tag wie diesem zählen solche Signale nicht.
Honeywell verliert 5,55 Prozent auf 215,78 Dollar und rundet die Liste der Dow Jones Verlierer ab. Der Industriekonzern stand den ganzen Tag unter Druck: Ein Stabilisierungsversuch um 224 Dollar scheiterte, danach ging es bis zum Handelsschluss weiter abwärts. Eine konkrete negative Unternehmensnachricht gab es nicht. Honeywell wurde vielmehr vom breiten Ausverkauf bei Industriewerten erfasst, die mit dem Ausbau der KI-Infrastruktur in Verbindung gebracht werden – der Konzern liefert unter anderem Gebäude- und Energiemanagementtechnik, die auch in Rechenzentren zum Einsatz kommt. Hinzu kommt, dass die Aktie im vergangenen Monat um fast zehn Prozent gestiegen war und damit Raum für Gewinnmitnahmen bot. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte ein Insiderverkauf: Der Konzernchef übte Optionen aus und verkaufte die Aktien noch am selben Tag zu rund 221 Dollar.
US-Konjunkturdaten in der Dow Jones Analyse: Traumdaten vom Arbeitsmarkt – und niemand hört hin
Es ist eine der Ironien dieses Tages: Die US-Konjunkturdaten fielen so gut aus wie selten, doch an der Börse interessierte das niemanden. Dabei zeichnen sie das Bild einer Wirtschaft, die robust wächst, ohne die Inflation anzuheizen.
Challenger-Bericht zu Stellenstreichungen Oktober (13:30 Uhr): Den Auftakt machte der Personaldienstleister Challenger, Gray & Christmas. US-Unternehmen kündigten im Oktober den Abbau von 43.994 Stellen an. Das waren zwar etwas mehr als im September, aber 71 Prozent weniger als vor einem Jahr – das Niveau der Stellenstreichungen liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit 2023. Ökonomen beschreiben den US-Arbeitsmarkt derzeit als „Low-Fire“-Markt: Es wird wenig entlassen, aber auch nur zurückhaltend eingestellt.
Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (14:30 Uhr): Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge sank um 6.000 auf 189.000. Volkswirte hatten mit rund 196.000 bis 197.000 gerechnet. Damit erreichten die Anträge wieder das Niveau von Mitte Juli, das den tiefsten Stand seit September 1969 markiert hatte. Einige Ökonomen geben allerdings zu bedenken, dass die niedrigen Zahlen auch auf eine kleinere Erwerbsbevölkerung infolge der strengeren Einwanderungspolitik zurückzuführen sein könnten – und nicht allein auf weniger Entlassungen.
Produktivität und Lohnstückkosten drittes Quartal (14:30 Uhr): Die eigentliche Überraschung des Tages kam vom Bureau of Labor Statistics. Die Produktivität im nichtlandwirtschaftlichen Sektor stieg im dritten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 3,6 Prozent, deutlich stärker als die erwarteten 2,8 bis 2,9 Prozent und nach 2,1 Prozent im zweiten Quartal. Im Gegenzug fielen die Lohnstückkosten um 0,7 Prozent, während Volkswirte einen Anstieg um 0,6 Prozent erwartet hatten. Es ist der erste Rückgang seit Anfang 2025. Bemerkenswert ist zudem, dass der Anteil der Wirtschaftsleistung, der in Form von Löhnen bei den Beschäftigten ankommt, auf 53 Prozent fiel – den niedrigsten Wert seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1947. Viele Ökonomen sehen darin einen ersten messbaren Effekt der Investitionen in künstliche Intelligenz und Automatisierung. „Die Fed wird sich über die anhaltend soliden Produktivitätszuwächse und die gedämpften Lohnstückkosten freuen“, kommentierte Sal Guatieri von BMO Capital Markets, warnte aber zugleich, dass Anzeichen eines enger werdenden Arbeitsmarktes für weitere Zinserhöhungen sprechen würden.
Unter dem Strich lieferten die Daten genau das, was sich die US-Notenbank wünscht: einen stabilen Arbeitsmarkt, hohe Produktivität und nachlassenden Lohndruck. Dass die Börse trotzdem einbrach, unterstreicht, wie sehr der heutige Ausverkauf von Positionierung und KI-Sorgen getrieben war – und nicht von der Konjunktur. Außerhalb der USA sorgte die Bank of England für Aufsehen: Sie erhöhte den Leitzins erstmals seit 2023 um 0,25 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent.
Ausblick für den Dow Jones Check: Arbeitsmarktbericht als nächster Härtetest
Nach zwei Tagen mit Bewegungen von jeweils mehr als 1.500 Punkten in entgegengesetzte Richtungen ist die Nervosität an der Wall Street greifbar. Am Freitag steht der offizielle Arbeitsmarktbericht für Oktober an, für den Volkswirte nur rund 59.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft erwarten. Ein überraschend starker Bericht könnte die Sorge vor weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank neu anfachen, ein schwacher die Konjunktursorgen. Für den KI-Sektor rücken die Quartalszahlen von Nvidia und Cisco Mitte November in den Fokus – sie dürften zeigen, ob die Nachfrage nach KI-Infrastruktur tatsächlich nachlässt oder ob der heutige Ausverkauf eine Übertreibung war. Marktstrategen rechnen mit weiterhin unruhigen Wochen.
Die fünf stärksten Dow-Werte am 5. November 2026
Coca-Cola (ISIN: US1912161007, WKN: 850663, Symbol: KO) – 95,73 US-Dollar, -0,07 Prozent Klassischer sicherer Hafen, profitiert von der Flucht in Qualität und sinkenden Anleiherenditen.
Procter & Gamble (ISIN: US7427181091, WKN: 852062, Symbol: PG) – 167,06 US-Dollar, -0,16 Prozent Defensiver Konsumgüterwert, hält den Kurssprung vom Vortag nahezu vollständig.
McDonald's (ISIN: US5801351017, WKN: 856958, Symbol: MCD) – 278,04 US-Dollar, -0,78 Prozent Behauptet den Großteil des Kursgewinns nach den starken Quartalszahlen vom Mittwoch.
Walmart (ISIN: US9311421039, WKN: 860853, Symbol: WMT) – 127,72 US-Dollar, -1,12 Prozent Defensivqualität plus Wachstum im Onlinehandel, Quartalszahlen im November.
Johnson & Johnson (ISIN: US4781601046, WKN: 853260, Symbol: JNJ) – 272,32 US-Dollar, -1,45 Prozent Deutlich stabiler als die Gesundheitskollegen Amgen, UnitedHealth und Merck.
Die fünf größten Dow Jones Verlierer am 5. November 2026
Nvidia (ISIN: US67066G1040, WKN: 918422, Symbol: NVDA) – 181,60 US-Dollar, -9,26 Prozent Ausverkauf bei Chipwerten, Sorge vor Moratorien für Rechenzentren, Bruch der 200-Tage-Linie.
Cisco (ISIN: US17275R1023, WKN: 878841, Symbol: CSCO) – 95,72 US-Dollar, -7,62 Prozent Morgan Stanley stuft auf „Equal-Weight“ ab und senkt das Kursziel von 135 auf 120 Dollar.
Goldman Sachs (ISIN: US38141G1040, WKN: 920332, Symbol: GS) – 868,24 US-Dollar, -6,44 Prozent Größter Bremsklotz im Dow mit rund 350 Indexpunkten, Sorge um Handelserträge bei Hedgefonds-Deleveraging.
Caterpillar (ISIN: US1491231015, WKN: 850598, Symbol: CAT) – 553,64 US-Dollar, -6,37 Prozent Fortgesetzte Sorgen um die Rechenzentrumsnachfrage, fast die Hälfte unter dem Rekordhoch.
Honeywell (ISIN: US4385161066, WKN: 870153, Symbol: HON) – 215,78 US-Dollar, -5,55 Prozent Breiter Ausverkauf bei Industriewerten mit Bezug zur KI-Infrastruktur, Gewinnmitnahmen nach starkem Monat.
Alle Dow-Jones-Aktien im Check: Kursentwicklung heute in Prozent
Die folgende Liste zeigt alle 30 Dow-Jones-Aktien, sortiert nach ihrer prozentualen Kursentwicklung – von den stärksten Werten bis zu den größten Dow Jones Verlierern. Heute schloss kein einziger Wert im Plus.
Coca-Cola: 95,73 US-Dollar, -0,07 Prozent
Procter & Gamble: 167,06 US-Dollar, -0,16 Prozent McDonald's: 278,04 US-Dollar, -0,78 Prozent Walmart: 127,72 US-Dollar, -1,12 Prozent Johnson & Johnson: 272,32 US-Dollar, -1,45 Prozent Walt Disney: 117,22 US-Dollar, -1,45 Prozent Apple: 344,17 US-Dollar, -1,53 Prozent Travelers: 402,89 US-Dollar, -1,55 Prozent Home Depot: 349,71 US-Dollar, -1,61 Prozent Chevron: 212,93 US-Dollar, -1,86 Prozent Salesforce: 222,41 US-Dollar, -2,07 Prozent Amazon: 260,21 US-Dollar, -2,19 Prozent Alphabet A: 282,57 US-Dollar, -2,20 Prozent Merck & Co: 146,90 US-Dollar, -2,30 Prozent Nike: 39,55 US-Dollar, -2,32 Prozent American Express: 324,75 US-Dollar, -2,36 Prozent Boeing: 172,50 US-Dollar, -2,54 Prozent IBM: 247,09 US-Dollar, -2,84 Prozent 3M: 187,77 US-Dollar, -3,19 Prozent Visa: 422,59 US-Dollar, -3,20 Prozent UnitedHealth: 395,37 US-Dollar, -3,42 Prozent Microsoft: 535,93 US-Dollar, -3,58 Prozent Amgen: 460,28 US-Dollar, -3,80 Prozent Sherwin-Williams: 349,01 US-Dollar, -3,99 Prozent JPMorgan Chase: 337,34 US-Dollar, -4,19 Prozent Honeywell: 215,78 US-Dollar, -5,55 Prozent Caterpillar: 553,64 US-Dollar, -6,37 Prozent Goldman Sachs: 868,24 US-Dollar, -6,44 Prozent Cisco: 95,72 US-Dollar, -7,62 Prozent
Nvidia: 181,60 US-Dollar, -9,26 Prozent
Kursangaben in US-Dollar, Stand 5. November 2026, ca. 22:00 Uhr. Dow-Jones-Stand: Indikation Société Générale, 21:59 Uhr. Indexpunkte-Beiträge gerundet.
Häufige Fragen zum Dow Jones Check
Wie hat der Dow Jones heute geschlossen? Der Dow Jones stürzte um 3,45 Prozent beziehungsweise 1.842 Punkte auf 51.517 Zähler und radierte damit den gesamten Gewinn vom Mittwoch aus. Alle 30 Werte schlossen im Minus. Der S&P 500 verlor rund 4,4 Prozent, die Nasdaq rund 5,5 Prozent.
Warum ist der Dow Jones heute so stark gefallen? Anleger verkauften massenhaft Chip- und KI-Aktien aus Sorge vor einem langsameren Ausbau von Rechenzentren nach den Wahlsiegen der Demokraten. Hedgefonds sicherten ihre Jahresgewinne, systematische Strategien mussten verkaufen, und der Ölpreis stieg wieder.
Welche Aktien waren die Dow Jones Gewinner und Dow Jones Verlierer? Es gab keine Gewinner im Plus. Am besten hielten sich Coca-Cola (-0,07 Prozent), Procter & Gamble (-0,16 Prozent) und McDonald's (-0,78 Prozent). Die größten Verlierer waren Nvidia (-9,26 Prozent), Cisco (-7,62 Prozent) und Goldman Sachs (-6,44 Prozent).
Welche Termine sind als Nächstes wichtig? Am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober, Mitte November die Quartalszahlen von Nvidia und Cisco.
Fazit der Dow Jones Analyse: Die KI-Blase bekommt Risse – Qualität schlägt Momentum
Zwei Tage, zwei Extreme: Am Mittwoch feierte die Wall Street den Wahlsieg der Demokraten mit dem besten Tag nach einer Zwischenwahl seit 1982, am Donnerstag folgte der schlechteste zweite Tag nach einer Zwischenwahl seit 1896. Die Dow Jones Verlierer Nvidia, Cisco und Goldman Sachs stehen für die beiden großen Ängste dieses Herbstes: die Sorge vor einem Ende des ungebremsten KI-Booms und die Angst vor einem Ausverkauf der Profis, die mit genau diesem Boom das große Geld verdient haben. Die relativen Dow Jones Gewinner Coca-Cola, Procter & Gamble und McDonald's zeigen dagegen, wohin das Geld fließt, wenn die Nerven blank liegen: zu Unternehmen mit verlässlichen Erträgen, stabilen Dividenden und ohne Abhängigkeit von Rechenzentren. Dass die Konjunkturdaten glänzten, während die Kurse einbrachen, ist dabei die vielleicht wichtigste Erkenntnis des Tages: Dieser Absturz war kein Konjunkturschock, sondern eine Neubewertung der KI-Euphorie. Ob daraus eine größere Korrektur wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Der nächste Dow Jones Check dürfte spannend werden.
Redaktion, aktiencheck.de
War dieser Artikel hilfreich?
Die Inhalte auf AktienCheck.de dienen ausschließlich der Information und stellen keine individuelle Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden.