Dow Jones Check: Blue-Wave-Rally! 3M, Microsoft und Sherwin-Williams katapultieren den Dow um 1.588 Punkte nach oben – Caterpillar und Chevron stürzen ab
Dow Jones Check: Blue-Wave-Rally! 3M, Microsoft und Sherwin-Williams katapultieren den Dow um 1.588 Punkte nach oben – Caterpillar und Chevron stürzen ab
Was für ein Börsentag! Die Wall Street feiert den Wahlsieg der Demokraten mit einem Kursfeuerwerk, das in die Geschichtsbücher eingeht. Der Dow Jones springt um 3,07 Prozent beziehungsweise 1.588 Punkte auf 53.359 Zähler – der beste Handelstag des Jahres 2026 und der stärkste Tagesgewinn nach US-Zwischenwahlen seit 1982. 27 der 30 Werte schließen im Plus. An der Spitze der Dow Jones Gewinner steht 3M mit einem Kurssprung von fast zehn Prozent nach einem Milliardenvergleich im Chemikalienstreit, dahinter folgen Microsoft mit einem Rekordhoch und Sherwin-Williams. Auf der anderen Seite stehen nur drei Dow Jones Verlierer: Caterpillar, Chevron und Nvidia – allesamt Opfer der neuen politischen Realität. Unser Dow Jones Check zeigt, warum die Börse die „Blue Wave“ so stürmisch feiert und wo die Risiken lauern.

Autor: Redaktion, aktiencheck.de · 4. November 2026
Blaue Welle, grüne Kurse: Warum die Wall Street den Machtwechsel im Kongress feiert
Die Nacht begann mit einem Schock. Als die ersten Ergebnisse der Zwischenwahlen eintrafen und sich ein Erdrutschsieg der Demokraten abzeichnete, rauschten die US-Aktienfutures nach unten; die Futures auf den Nasdaq 100 verloren zeitweise mehr als zwei Prozent. Doch noch vor Sonnenaufgang drehte die Stimmung komplett. Die Demokraten eroberten nicht nur das Repräsentantenhaus mit deutlicher Mehrheit, sondern auch den Senat, wo sie nach aktuellem Stand auf mindestens 54 Sitze kommen. Selbst in Texas gewannen sie erstmals seit 1988 wieder einen Senatssitz. Entscheidend für die Börse war aber eine andere Nachricht: Präsident Donald Trump signalisierte, das Ergebnis zu akzeptieren. Damit war die größte Sorge vom Tisch – ein langes, chaotisches Ringen um den Wahlausgang.
Die Dow Jones Analyse dieses historischen Tages lässt sich auf drei Kräfte zurückführen. Die erste heißt Gewissheit. Märkte hassen nichts so sehr wie Unsicherheit, und das klare Ergebnis beseitigte sie über Nacht. Hinzu kommt eine alte Börsenweisheit: Anleger lieben eine geteilte Regierung. Wenn Weißes Haus und Kongress von unterschiedlichen Parteien kontrolliert werden, werden extreme politische Weichenstellungen unwahrscheinlicher. Der Volatilitätsindex VIX brach entsprechend um rund 18 Prozent auf etwa 17 Punkte ein.
Die zweite Kraft ist der Ölpreis. Die US-Sorte WTI stürzte um mehr als acht Prozent auf rund 88 Dollar je Barrel und damit rund 15 Dollar unter das Niveau vom vergangenen Freitag. Händler werten den Ausgang der Wahl als Signal, dass die Gefahr einer erneuten Eskalation im Iran-Krieg sinkt; Vizepräsident JD Vance machte den Krieg selbst für die Niederlage der Republikaner verantwortlich. Der Ölmarkt steuert auf seine schlechteste Woche seit April 2020 zu. Billigeres Öl entlastet Verbraucher und Unternehmen und dämpft die Inflationssorgen – eine Steilvorlage für Konsum- und Industriewerte.
Die dritte Kraft sind sinkende Zinsen. Anleger setzen darauf, dass ein demokratisch kontrollierter Kongress die ausufernde Staatsverschuldung bremst. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel auf rund 4,89 Prozent, nachdem sie am Dienstag noch bei fast 4,95 Prozent gelegen hatte. Der Dollar gab nach, Gold sprang um mehr als drei Prozent über die Marke von 4.000 Dollar je Feinunze, Bitcoin kletterte wieder über 80.000 Dollar.
Doch nicht alle feierten. Die Wahl hat eine Branche getroffen, die bis vor wenigen Wochen als unbesiegbar galt: die KI-Infrastruktur. In Texas gewann die Demokratin Gina Hinojosa das Gouverneursamt mit dem Versprechen eines sofortigen Moratoriums für neue Rechenzentren. Nach Berechnungen von Wells Fargo entfallen rund 27 Prozent der geplanten US-Rechenzentrumskapazitäten auf Texas. Auch in Ohio und Georgia setzten sich Kandidaten durch, die eine schärfere Aufsicht über den Bau von Rechenzentren angekündigt hatten. Die Folge war eine spektakuläre Spaltung des Technologiesektors: Chiphersteller, Speicherproduzenten, Rechenzentrumsbetreiber und Stromausrüster fielen teils zweistellig, während die großen Cloud-Konzerne Microsoft, Amazon und Alphabet sowie Apple kräftig stiegen. Die Logik dahinter: Wenn der Bau neuer Rechenzentren langsamer wird, müssen die Hyperscaler weniger Milliarden investieren, und Komponenten wie Speicherchips könnten billiger werden. Der S&P 500 gewann 1,58 Prozent, die Nasdaq 1,44 Prozent – beide deutlich weniger als der Dow Jones, dessen Zusammensetzung heute perfekt zur Stimmung passte.
Bemerkenswert ist die Breite der Rally. Gefragt waren Bauwerte und Baumarktketten, die auf eine neue Wohnungspolitik hoffen, Gesundheitswerte, Finanztitel und Konsumwerte. JPMorgan und Goldman Sachs legten jeweils deutlich zu und trugen wegen ihres hohen Kursgewichts maßgeblich zum Dow-Rekordgewinn bei. Der Dow Jones Check zeigt: Es war kein Tag, an dem nur wenige Schwergewichte den Index nach oben zogen, sondern eine Rally auf breiter Front.
Dow Jones Gewinner im Check: 3M, Microsoft, Sherwin-Williams, Home Depot und McDonald's
3M springt um 9,55 Prozent auf 193,95 Dollar und ist damit der unangefochtene Spitzenreiter unter den Dow Jones Gewinnern – angetrieben von einer Nachricht, auf die Anleger seit Jahren gewartet haben. Der Industriekonzern hat sich mit Klägern auf einen Vergleich über 7,35 Milliarden Dollar geeinigt, um rund 99 Prozent der ausstehenden Klagen wegen Gesundheitsschäden durch sogenannte Ewigkeitschemikalien (PFAS) in Löschschaum beizulegen. Die Zahlung verteilt sich über neun Jahre, der Barwert liegt bei 5,8 Milliarden Dollar, abgedeckt sind zwischen 115.000 und 120.000 Kläger. Ein Schuldeingeständnis ist nicht enthalten. Der entscheidende Punkt für die Börse: Analysten hatten mit einem deutlich teureren Vergleich gerechnet. UBS-Analyst Amit Mehrotra verwies auf Erwartungen von rund zehn Milliarden Dollar und sprach vom Wegfall einer erheblichen Belastung für die Aktie. Konzernchef William Brown erklärte, der Vergleich reduziere die Rechtsunsicherheit erheblich. Gleichzeitig legte der Verwaltungsrat ein neues Aktienrückkaufprogramm über sechs Milliarden Dollar auf, womit das gesamte Rückkaufvolumen auf 7,5 Milliarden Dollar steigt, und bestätigte die Quartalsdividende von 0,78 Dollar. Die Aktie erreichte im Handelsverlauf den höchsten Stand seit März 2018. UBS bestätigte die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 230 Dollar. Das Zusammenspiel aus Vergleich, Rückkaufprogramm und dem laufenden Umbau des Konzerns macht 3M zum großen Gewinner dieses ohnehin starken Tages.
Microsoft steigt um 6,68 Prozent auf 555,80 Dollar und markiert ein neues Rekordhoch. Mit rund 190 Indexpunkten war der Softwarekonzern zugleich einer der beiden größten Einzeltreiber des Dow Jones. Es ist der stärkste Tagesgewinn seit Ende Juli, rund 250 Milliarden Dollar an Börsenwert kamen hinzu. Die Aktie hat sich damit um fast 60 Prozent von ihrem Jahrestief bei 349 Dollar erholt. Die Gründe liegen in der paradoxen Reaktion auf die Wahl: Was den Chipherstellern schadet, nützt den Cloud-Anbietern. Ein langsamerer Ausbau der Rechenzentren würde die gigantischen Investitionen – Microsoft plant für 2026 rund 170 Milliarden Dollar – bremsen und den freien Cashflow schonen, während die Nachfrage nach der vorhandenen Kapazität hoch bleibt. Operativ hat Microsoft gerade erst überzeugt: Im ersten Geschäftsquartal stieg der Umsatz um 19 Prozent auf 92,28 Milliarden Dollar, die Cloud-Plattform Azure wuchs um 48 Prozent, der Auftragsbestand aus Cloud-Verträgen kletterte um 73 Prozent auf 677 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal stellt das Management ein Azure-Wachstum von 49 bis 50 Prozent in Aussicht. Heute sollte zudem die Anleihe über 25 Milliarden Dollar abgeschlossen werden, für die Orders von rund 115 Milliarden Dollar eingegangen waren.
Sherwin-Williams legt 6,64 Prozent auf 363,50 Dollar zu und hat damit die Verluste vom Dienstag mehr als wettgemacht. Mit rund 130 Indexpunkten war der Farbenhersteller einer der wichtigsten Treiber des Tages. Die gesamte Bau- und Wohnungsbranche erlebte eine Rally: Hausbauer wie D.R. Horton, Lennar und PulteGroup stiegen um sieben bis neun Prozent, Lowe's um rund acht Prozent. Der Grund sind gleich mehrere Hoffnungen auf einmal. Die Demokraten haben die Bezahlbarkeit von Wohnraum zu einem zentralen Wahlkampfthema gemacht und könnten nun Maßnahmen wie Unterstützung bei der Anzahlung für Erstkäufer vorantreiben. UBS sieht zudem bessere Chancen auf niedrigere Zölle auf Baumaterialien, die nach Schätzung der Bank rund 7.500 Dollar zu den Kosten eines neuen Hauses beitragen. Und schließlich drücken sinkende Anleiherenditen auf die Hypothekenzinsen. Für Sherwin-Williams kommt der Ölpreis-Einbruch hinzu, der die Kosten für ölbasierte Rohstoffe wie Harze und Lösungsmittel senkt. Allerdings mahnen Analysten zur Vorsicht: Die Gesetze müssen erst beschlossen werden, und Anleger kaufen bislang vor allem Hoffnung.
Home Depot gewinnt 6,53 Prozent auf 355,44 Dollar und liefert mit rund 125 Indexpunkten ebenfalls einen kräftigen Beitrag zum Rekordtag. Der Baumarktriese ist der direkteste Profiteur einer möglichen Belebung des US-Immobilienmarktes, denn mit jedem Hausverkauf steigt die Wahrscheinlichkeit von Renovierungen. Genau daran hapert es seit Jahren: Hohe Hauspreise und hohe Hypothekenzinsen lähmen den Markt, insbesondere junge Erstkäufer kommen kaum zum Zug. Die Wahl weckt nun Hoffnungen auf eine Wende – den Vorsitz im Finanzausschuss des Repräsentantenhauses könnte die Demokratin Maxine Waters übernehmen, die einen Schwerpunkt auf Wohnungspolitik legen will. Fundamental ist der Weg allerdings weit: Die vergleichbaren Umsätze stiegen im vergangenen Geschäftsjahr nur um 0,3 Prozent, für das laufende Jahr erwartet das Management ein Plus zwischen null und zwei Prozent. Nach dem Rückschlag vom Dienstag notiert die Aktie nun wieder deutlich höher.
McDonald's steigt ebenfalls um 6,53 Prozent auf 280,22 Dollar und liefert unter den Dow Jones Gewinnern die stärksten Quartalszahlen. Vor Börsenbeginn hatte die Burgerkette einen bereinigten Gewinn je Aktie von 3,57 Dollar gemeldet – deutlich mehr als die erwarteten rund 3,40 Dollar. Der Umsatz verfehlte mit 7,16 Milliarden Dollar zwar die Prognose, doch die Anleger konzentrierten sich auf die vergleichbaren Umsätze. Weltweit stiegen sie um 1,5 Prozent und damit leicht stärker als erwartet, getragen vom internationalen Geschäft mit Märkten wie Japan, Deutschland und Australien. In den USA gingen die vergleichbaren Umsätze zwar um 0,2 Prozent zurück, das war aber weniger als die befürchteten 0,5 Prozent. Finanzchef Ian Borden betonte, dass die US-Umsätze im September nach schwachen Sommermonaten wieder gewachsen seien, das Management stellte für das vierte Quartal eine Besserung in Aussicht. Zusätzlich erhöhte McDonald's die Quartalsdividende auf 1,93 Dollar. Der fallende Ölpreis, der die Kaufkraft der preissensiblen Kunden stärkt, verlieh der Aktie zusätzlichen Schub. Seit Jahresbeginn liegt sie dennoch weiterhin im Minus.
Dow Jones Verlierer im Check: Caterpillar, Chevron, Nvidia – und die Nachzügler Cisco und Coca-Cola
An einem Tag, an dem 27 von 30 Dow-Werten steigen, gibt es nur drei echte Dow Jones Verlierer. Ihre Gemeinsamkeit ist auffällig: Alle drei gehören zu den Branchen, die von der neuen politischen Lage direkt betroffen sind – KI-Infrastruktur und Öl.
Caterpillar fällt um 5,23 Prozent auf 591,30 Dollar und ist damit das Schlusslicht unter den Dow Jones Verlierern. Mit einem Minus von rund 180 Indexpunkten war der Baumaschinenkonzern zugleich die mit Abstand größte Belastung des Tages. Der Absturz setzt eine dramatische Talfahrt fort: Vom Rekordhoch bei 1.073 Dollar hat die Aktie inzwischen rund 45 Prozent verloren. Caterpillar war in der ersten Jahreshälfte die beste Aktie im Dow, weil Anleger den Konzern als einen der großen Gewinner des KI-Booms sahen: Seine Sparte für Stromerzeugung liefert große Generatoren und Turbinen für Rechenzentren. Genau dieser Teil der Investmentstory steht nun auf dem Prüfstand. Ein Moratorium für Rechenzentren in Texas, wo mehr als ein Viertel der geplanten US-Kapazitäten entstehen soll, würde die Nachfrage nach Stromerzeugungsanlagen direkt treffen. Bereits nach den Quartalszahlen Ende Oktober hatte die Aktie stark verloren, weil das Management für das vierte Quartal nur ein moderates Umsatzwachstum in Aussicht stellte und die Margen am unteren Ende der Zielspanne erwartet. Dabei ist der Auftragsbestand mit 78,1 Milliarden Dollar so hoch wie nie. Analysten von Baird warnten heute, der Ausbau der Rechenzentren könne nach den Wahlen ins Stocken geraten. Solange diese Frage offen ist, bleibt Caterpillar der Gradmesser für die Sorgen um die KI-Infrastruktur.
Chevron verliert 3,69 Prozent auf 216,96 Dollar und ist das klare Opfer des Ölpreis-Crashs. Die US-Sorte WTI fiel um mehr als acht Prozent auf rund 88 Dollar, der Energiesektor im S&P 500 brach um mehr als fünf Prozent ein, Raffinerien traf es am härtesten. Die Logik ist eindeutig: Wenn die Börse eine Entspannung im Iran-Krieg einpreist, schmilzt die Kriegsprämie im Ölpreis – und damit die Gewinnerwartung der Ölkonzerne. Chevron war in diesem Jahr einer der größten Profiteure der hohen Ölpreise und hatte Caterpillar zwischenzeitlich als bester Dow-Wert des Jahres abgelöst. Entsprechend groß ist der Spielraum für Gewinnmitnahmen. Ganz verschwunden ist der Rückenwind allerdings nicht: Der Ölpreis liegt trotz des Einbruchs noch immer rund 50 Prozent über dem Niveau vom Jahresbeginn, und die US-Dieselvorräte sind so niedrig wie seit 2003 nicht mehr.
Nvidia gibt 3,17 Prozent auf 200,13 Dollar nach und notiert damit nur noch knapp über der Marke von 200 Dollar. Der Chipkonzern ist das prominenteste Opfer der Spaltung im Technologiesektor. Während Microsoft, Amazon und Apple stiegen, verkauften Anleger alles, was am Bau neuer Rechenzentren hängt. Speicherhersteller wie Micron gaben deutlich nach, einzelne Rechenzentrumsbetreiber verloren rund 20 Prozent, ein börsengehandelter Fonds für KI-Infrastruktur brach um rund neun Prozent ein. Für Nvidia ist die Sorge klar umrissen: Wenn Moratorien und strengere Auflagen den Bau neuer Rechenzentren verzögern, könnte sich auch die Nachfrage nach den Grafikprozessoren abschwächen, die für das Training und den Betrieb von KI-Modellen unverzichtbar sind. Dass Konkurrent AMD am Vorabend mit fast verdoppelten Umsätzen im Rechenzentrumsgeschäft glänzte, konnte die Stimmung nicht drehen. Die nächste große Bewährungsprobe kommt Mitte November mit Nvidias eigenen Quartalszahlen.
Cisco legt nur 0,62 Prozent auf 103,61 Dollar zu und gehört damit zu den schwächsten Werten des Tages. Der Netzwerkausrüster sitzt zwischen den Stühlen: Einerseits profitiert er vom allgemeinen Optimismus, andererseits ist er inzwischen selbst ein Teil der KI-Infrastruktur. Das Management erwartet im laufenden Geschäftsjahr Umsätze von rund 7,5 Milliarden Dollar mit KI-Ausrüstung für die großen Cloud-Anbieter. Netzwerkausrüster gehörten heute neben Chip- und Speicherherstellern zu den Gruppen, die überwiegend nachgaben. Dass Cisco sich dennoch im Plus hielt, zeigt die Stärke des Gesamtmarktes, aber auch, dass die Aktie nicht mehr als reiner Defensivwert wahrgenommen wird.
Coca-Cola steigt um 1,05 Prozent auf 95,80 Dollar und bleibt damit weit hinter dem Gesamtmarkt zurück. Der Getränkekonzern ist das klassische Beispiel für einen defensiven Wert, der an einem Tag wie diesem wenig gefragt ist. Wenn die Risikobereitschaft schlagartig steigt, schichten Anleger aus sicheren Häfen in zyklische Werte, Wachstumstitel und Gewinner der neuen politischen Lage um. Ein schwächerer Dollar ist für den international stark aufgestellten Konzern zwar grundsätzlich vorteilhaft, doch eine unternehmensspezifische Nachricht gab es nicht. Bemerkenswert: Der Konsumgüterrivale Procter & Gamble legte mit 3,25 Prozent deutlich stärker zu.
US-Konjunkturdaten in der Dow Jones Analyse: Jobmotor brummt, Dienstleister schalten einen Gang zurück
An einem Tag, an dem die Politik alles überstrahlte, gingen die Konjunkturdaten fast unter. Dabei lieferten sie ein aufschlussreiches Bild – und eines, das gut zur Rally passt.
ADP-Arbeitsmarktbericht Oktober (14:15 Uhr): Den Auftakt machte eine positive Überraschung vom Arbeitsmarkt. Die US-Privatwirtschaft schuf im Oktober nach Angaben des Personaldienstleisters ADP 86.000 neue Stellen. Volkswirte hatten nur mit rund 67.000 gerechnet. Der Vormonat wurde auf 86.000 Stellen bestätigt. Zusammen mit dem starken JOLTS-Bericht vom Dienstag, der einen kräftigen Anstieg der offenen Stellen gezeigt hatte, deutet das auf einen stabilen Arbeitsmarkt hin. Für den offiziellen Arbeitsmarktbericht am Freitag erhöht das die Messlatte: Erwartet werden bislang nur rund 59.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft.
S&P-Global-Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen (15:45 Uhr): Der finale Wert für den Dienstleistungssektor sank im Oktober deutlich auf 56,1 Punkte nach 58,8 im September. Das Wachstum bleibt robust, hat aber an Tempo verloren. Die befragten Unternehmen berichteten von einer starken Nachfrage, erhöhten ihre Preise allerdings schneller – ein Detail, das die US-Notenbank aufmerksam verfolgen dürfte.
ISM-Dienstleistungsindex Oktober (16:00 Uhr): Der wichtigste Konjunkturindikator des Tages fiel leicht schwächer aus als erwartet. Der ISM-Index für den Dienstleistungssektor sank auf 54,5 Punkte nach 54,9 im September und verfehlte die Prognose von 54,8 Punkten knapp. Es ist der niedrigste Stand seit drei Monaten, aber zugleich der 28. Wachstumsmonat in Folge. Die Details sind gemischt: Die Geschäftsaktivität fiel deutlich von 56,5 auf 53,8 Punkte, die Neuaufträge gaben um fast vier Punkte auf 55,9 nach. Auf der positiven Seite stieg die Beschäftigungskomponente zum zweiten Mal in Folge, und zwar auf 51,4 Punkte nach 50,1. Erfreulich ist zudem, dass die Preiskomponente von 74,0 auf 73,0 Punkte nachgab – der Preisdruck lässt leicht nach.
Unter dem Strich zeigen die Daten eine US-Wirtschaft, die weiter wächst, aber nicht überhitzt: mehr Jobs, etwas weniger Dynamik bei den Dienstleistern und leicht nachlassender Preisdruck. Zusammen mit dem Ölpreis-Einbruch und den sinkenden Anleiherenditen ergibt das ein Umfeld, in dem die Sorge vor weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank etwas abnimmt.
Ausblick für den Dow Jones Check: Kann die Rally halten?
Ein historischer Tag ist noch kein neuer Aufwärtstrend. Nach einem Plus von mehr als drei Prozent dürften Anleger in den kommenden Tagen genau hinschauen, ob die Hoffnungen auf eine neue Wohnungspolitik, niedrigere Zölle und eine Entspannung im Iran-Krieg Substanz bekommen. Politisch bleibt einiges offen: Einige Wahlrennen sind noch nicht entschieden, und die neue Kongressmehrheit tritt erst im Januar zusammen. Für den KI-Sektor wird entscheidend sein, ob die angekündigten Moratorien für Rechenzentren tatsächlich umgesetzt werden – oder ob es bei Wahlkampfrhetorik bleibt. Am Freitag steht der offizielle Arbeitsmarktbericht für Oktober an, Mitte November folgen die Quartalszahlen von Nvidia. Historisch spricht die Statistik für die Bullen: Nach Daten der Deutschen Bank lag der S&P 500 zwölf Monate nach jeder Zwischenwahl seit 1946 höher.
Die fünf größten Dow Jones Gewinner am 4. November 2026
3M (ISIN: US88579Y1010, WKN: 851745, Symbol: MMM) – 193,95 US-Dollar, +9,55 Prozent Vergleich über 7,35 Milliarden Dollar im PFAS-Streit, günstiger als befürchtet. Neues Aktienrückkaufprogramm über sechs Milliarden Dollar, höchster Kurs seit 2018.
Microsoft (ISIN: US5949181045, WKN: 870747, Symbol: MSFT) – 555,80 US-Dollar, +6,68 Prozent Rekordhoch, Cloud-Konzerne profitieren von der Aussicht auf langsameres Investitionstempo bei Rechenzentren. Rund 190 Indexpunkte Beitrag.
Sherwin-Williams (ISIN: US8243481061, WKN: 856050, Symbol: SHW) – 363,50 US-Dollar, +6,64 Prozent Rally der Wohnungsbauwerte nach dem Wahlsieg der Demokraten, sinkende Zinsen und billigeres Öl.
Home Depot (ISIN: US4370761029, WKN: 866953, Symbol: HD) – 355,44 US-Dollar, +6,53 Prozent Hoffnung auf eine neue Wohnungspolitik und niedrigere Hypothekenzinsen.
McDonald's (ISIN: US5801351017, WKN: 856958, Symbol: MCD) – 280,22 US-Dollar, +6,53 Prozent Gewinn je Aktie von 3,57 Dollar über den Erwartungen, US-Umsatzrückgang geringer als befürchtet, Dividende auf 1,93 Dollar erhöht.
Die fünf schwächsten Dow-Werte am 4. November 2026
Caterpillar (ISIN: US1491231015, WKN: 850598, Symbol: CAT) – 591,30 US-Dollar, -5,23 Prozent Sorgen um die Rechenzentrumsnachfrage nach dem Wahlsieg einer Moratoriums-Befürworterin in Texas. Rund 45 Prozent unter dem Rekordhoch.
Chevron (ISIN: US1667641005, WKN: 852552, Symbol: CVX) – 216,96 US-Dollar, -3,69 Prozent Ölpreis bricht um mehr als acht Prozent ein, Energiesektor schwächste Branche.
Nvidia (ISIN: US67066G1040, WKN: 918422, Symbol: NVDA) – 200,13 US-Dollar, -3,17 Prozent Ausverkauf bei KI-Infrastruktur, Sorge vor Moratorien für Rechenzentren.
Cisco (ISIN: US17275R1023, WKN: 878841, Symbol: CSCO) – 103,61 US-Dollar, +0,62 Prozent Gebremst durch die Schwäche bei KI-Netzwerkausrüstern.
Coca-Cola (ISIN: US1912161007, WKN: 850663, Symbol: KO) – 95,80 US-Dollar, +1,05 Prozent Defensive Werte wenig gefragt an einem Tag mit hoher Risikobereitschaft.
Alle Dow-Jones-Aktien im Check: Kursentwicklung heute in Prozent
Die folgende Liste zeigt alle 30 Dow-Jones-Aktien, sortiert nach ihrer prozentualen Kursentwicklung – von den Dow Jones Gewinnern bis zu den Dow Jones Verlierern.
3M: 193,95 US-Dollar, +9,55 Prozent
Microsoft: 555,80 US-Dollar, +6,68 Prozent Sherwin-Williams: 363,50 US-Dollar, +6,64 Prozent Home Depot: 355,44 US-Dollar, +6,53 Prozent McDonald's: 280,22 US-Dollar, +6,53 Prozent Amazon: 266,03 US-Dollar, +6,12 Prozent Apple: 349,51 US-Dollar, +5,31 Prozent Nike: 40,49 US-Dollar, +5,22 Prozent JPMorgan Chase: 352,11 US-Dollar, +4,18 Prozent Walt Disney: 118,95 US-Dollar, +4,18 Prozent Merck & Co: 150,36 US-Dollar, +3,93 Prozent Visa: 436,57 US-Dollar, +3,84 Prozent Johnson & Johnson: 276,32 US-Dollar, +3,81 Prozent Amgen: 478,48 US-Dollar, +3,73 Prozent Goldman Sachs: 928,00 US-Dollar, +3,56 Prozent Travelers: 409,25 US-Dollar, +3,50 Prozent Walmart: 129,17 US-Dollar, +3,45 Prozent Procter & Gamble: 167,32 US-Dollar, +3,25 Prozent Alphabet A: 288,93 US-Dollar, +3,18 Prozent Salesforce: 227,11 US-Dollar, +2,21 Prozent American Express: 332,59 US-Dollar, +2,18 Prozent Boeing: 177,00 US-Dollar, +2,13 Prozent Honeywell: 228,47 US-Dollar, +1,97 Prozent IBM: 254,32 US-Dollar, +1,71 Prozent UnitedHealth: 409,38 US-Dollar, +1,22 Prozent Coca-Cola: 95,80 US-Dollar, +1,05 Prozent Cisco: 103,61 US-Dollar, +0,62 Prozent Nvidia: 200,13 US-Dollar, -3,17 Prozent Chevron: 216,96 US-Dollar, -3,69 Prozent
Caterpillar: 591,30 US-Dollar, -5,23 Prozent
Kursangaben in US-Dollar, Stand 4. November 2026, ca. 22:00 Uhr. Dow-Jones-Stand: Indikation Société Générale, 22:00 Uhr. Indexpunkte-Beiträge gerundet.
Häufige Fragen zum Dow Jones Check
Wie hat der Dow Jones heute geschlossen? Der Dow Jones stieg um 3,07 Prozent beziehungsweise 1.588 Punkte auf 53.359 Zähler. Es war der beste Tag des Jahres und der stärkste Tagesgewinn nach Zwischenwahlen seit 1982. Der S&P 500 gewann 1,58 Prozent, die Nasdaq 1,44 Prozent.
Warum ist der Dow Jones heute so stark gestiegen? Die Demokraten gewannen beide Kammern des Kongresses, Präsident Trump akzeptierte das Ergebnis. Anleger setzen auf eine geteilte Regierung, weniger Staatsverschuldung und eine Entspannung im Iran-Krieg. Der Ölpreis brach ein, die Anleiherenditen sanken.
Welche Aktien waren die Dow Jones Gewinner und Dow Jones Verlierer? An der Spitze standen 3M (+9,55 Prozent), Microsoft (+6,68 Prozent) und Sherwin-Williams (+6,64 Prozent). Nur drei Werte fielen: Caterpillar (-5,23 Prozent), Chevron (-3,69 Prozent) und Nvidia (-3,17 Prozent).
Welche Termine sind als Nächstes wichtig? Die Auszählung der noch offenen Wahlrennen, am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober und Mitte November die Quartalszahlen von Nvidia.
Fazit der Dow Jones Analyse: Ein historischer Tag mit klaren Gewinnern – und einem offenen KI-Fragezeichen
Der 4. November 2026 dürfte als einer der denkwürdigsten Börsentage des Jahres in Erinnerung bleiben. Die Wall Street hat den politischen Machtwechsel nicht gefürchtet, sondern gefeiert – als Ende der Unsicherheit, als Bremse für Staatsschulden und als Signal für eine mögliche Entspannung im Nahen Osten. Die Dow Jones Gewinner 3M, Microsoft und Sherwin-Williams stehen für die drei großen Themen des Tages: wegfallende Rechtsrisiken, die Stärke der Cloud-Konzerne und die Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Wohnungsmarktes. Die Dow Jones Verlierer Caterpillar, Chevron und Nvidia zeigen die Kehrseite: Wer von hohen Ölpreisen und einem ungebremsten Bau von Rechenzentren profitiert hat, muss sich auf eine neue Realität einstellen. Mit 53.359 Punkten fehlen dem Dow Jones nur noch rund 2,5 Prozent bis zu seinem 52-Wochen-Hoch. Ob die Rally Bestand hat, hängt nun davon ab, ob aus Wahlkampfversprechen Politik wird. Der nächste Dow Jones Check dürfte spannend werden.
Redaktion, aktiencheck.de
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