Matthias Greiffenberger und Cosmin Filker, Aktienanalysten der GBC AG, empfehlen in ihrer aktuellen Aktienanalyse die Aktie der Smartbroker Holding AG (ISIN: DE000A2GS609, WKN: A2GS60, Ticker: SB1) nach wie vor zu kaufen.
Smartbroker Holding Aktie: Wachstum verschoben, Ergebnisperspektive 2026 verbessert
GBC bestätigt für Smartbroker das Kursziel von 17,80 Euro und setzt auf Wachstumsimpulse durch das Altersvorsorgedepot 2027.

Die Smartbroker Holding AG habe am 30.10.2026 per Ad-hoc-Mitteilung ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2026 angepasst. Die Anpassung verschiebe das Kundenwachstum ins Jahr 2027, hebe aber die Ergebnisspanne für 2026 an. Die bisherige EBITDA-Schätzung der Analysten von 0,50 Mio. EUR liege exakt in der Mitte der neuen Spanne, ihre Umsatzschätzung von 70,00 Mio. EUR dagegen am oberen Ende.
Neukunden: Das neue Ziel schreibe im Wesentlichen den Trend seit März fort. Nach über 14.000 Neukunden im Januar und Februar seien von März bis Juni weniger als 17.000 hinzugekommen, also rund 4.200 pro Monat. Für das zweite Halbjahr impliziere die Prognose rund 4.000 Neukunden pro Monat, ein Vorzieheffekt aus dem Altersvorsorgedepot sei damit nicht mehr unterstellt.
Laut Unternehmen habe sich die Zurückhaltung auch nach Vorstellung der Konditionen für das Altersvorsorgedepot im September nicht aufgelöst, da viele Interessenten die Depoteröffnung auf den Förderstart im Januar 2027 verschieben würden. Der Vorstand rechne bis Jahresende daher mit einer weitgehend linearen Entwicklung und nur einem leichten saisonalen Anstieg im vierten Quartal.
Ergebnis: Die höhere EBITDA-Spanne resultiere aus geringeren Marketing- und Akquisitionskosten, da das Management nach eigener Aussage kein Wachstum zu überhöhten Akquisitionskosten einkaufe. Bei rund 160 EUR je Neukunde ergäben 24.000 Neukunden im zweiten Halbjahr Akquisitionskosten von rund 3,8 Mio. EUR, für das Gesamtjahr zusammen mit den im ersten Halbjahr angefallenen 4,87 Mio. EUR also rund 8,7 Mio. EUR statt der geplanten 12,0 Mio. EUR. Dass die Spanne nur um 0,5 Mio. EUR angehoben worden sei, dürfte auch an der um 2,0 Mio. EUR niedrigeren Umsatzmitte liegen. Zudem würden die Analysten davon ausgehen, dass ein Teil der Einsparungen in die Vorvermarktung des Altersvorsorgedepots im vierten Quartal fließe (Annahme der GBC AG).
Umsatz: Neben der geringeren Neukundenzahl belaste ein etwas schwächeres Media-Geschäft, das im ersten Halbjahr noch um 6,7% gewachsen sei. Die Handelsaktivität der Bestandskunden habe sich nach dem sehr starken ersten Quartal beruhigt, bleibe laut Unternehmen aber hoch. Die Mitte der neuen Spanne impliziere für das zweite Halbjahr 2026 einen Umsatzrückgang von rund 11% gegenüber dem Vorjahr, worin auch der vollständige Wegfall der PFOF-Erlöse enthalten sei (Umstellung ab März 2026, gesetzliches Verbot seit 01.07.2026).
Altersvorsorgedepot: Der zentrale Katalysator bleibe intakt, verlagere sich aber vollständig ins Jahr 2027. Bestandskunden könnten das Depot bereits in der App beantragen, die staatliche Förderung starte am 01.01.2027 und die Branche rechne für 2027 mit mehreren Millionen neuer Verträge. Die Vermarktung sei durch die Kreditlinie von bis zu 20 Mio. EUR und die eingesparten Akquisitionskosten finanziert.
Produkt und Insiderkauf: Mit dem Smartbroker+ Trader, erweiterten Charts, allen Ordertypen der angebundenen Börsenplätze und Depotvollmachten habe die Gesellschaft die Plattform für aktive Anleger deutlich verbreitert. CEO André Kolbinger habe am 21.10.2026 Aktien für 247.200 EUR zu Ø 8,24 EUR erworben; die Analysten würden dies als Signal werten, dass das Management das aktuelle Kursniveau als attraktiv einschätze.
Die Analysten würden ihre Umsatzprognose 2026 auf 67,50 Mio. EUR (bisher: 70,00 Mio. EUR) senken und sich an der Mitte der neuen Spanne orientieren. Die EBITDA-Prognose von 0,50 Mio. EUR würden die Analysten belassen, die Obergrenze von 2,00 Mio. EUR würden sie bei disziplinierten Marketingausgaben für erreichbar halten. EBIT und Nettoergebnis würden damit ebenfalls unverändert bleiben.
Für 2027 und 2028 würden die Analysten ihre Prognosen bestätigen. Durch die niedrigere Basis steige das implizite Umsatzwachstum 2027 von 18,6% auf 23,0%. Die Analysten würden dies für erreichbar halten, da sich die aufgestaute Nachfrage mit dem Förderstart ab Januar 2027 in Depoteröffnungen umsetzen sollte und die verbreiterte Plattform die Monetarisierung der Bestandskunden stütze.
Das Risiko habe sich damit auf das erste Quartal 2027 konzentriert. Bleibe die Nachfrage nach dem Altersvorsorgedepot dann hinter den Erwartungen zurück, wären die Prognosen der Analysten für 2027 zu überprüfen. Die Neukundenzahlen zum Jahresauftakt seien daher der wichtigste operative Beobachtungspunkt.
Die niedrigere Umsatzprognose 2026 habe bei unverändertem EBITDA keinen wesentlichen Einfluss auf den fairen Wert.
Auf Basis ihres DCF-Modells bestätigen Matthias Greiffenberger und Cosmin Filker, Analysten der GBC AG, das Kursziel von 17,80 EUR und das Rating KAUFEN. (Analyse vom 05.11.2026)
Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus unter folgendem Link.
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