DAX Check: Blaue Welle zündet Kursfeuerwerk – Heidelberg Materials, Zalando und BMW fliegen, Siemens Energy stürzt ab
DAX Analyse: Blaue Welle zündet Kursfeuerwerk – Heidelberg Materials, Zalando und BMW fliegen, Siemens Energy stürzt ab. Der DAX-Check des Tages
DAX-Analyse des Tages: Was für eine Wende: In der Nacht noch Angst vor dem Wahlbeben in Washington, am Abend ein Kursfeuerwerk, wie es der deutsche Aktienmarkt lange nicht gesehen hat. Nach dem klaren Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen springt der DAX um rund 2,9 Prozent auf 26.559 Punkte – ein Plus von mehr als 740 Punkten an einem einzigen Tag. Das Rekordhoch von 26.618 Punkten liegt plötzlich nur noch einen Steinwurf entfernt. 36 der 40 DAX-Werte steigen, an der Spitze der DAX Gewinner explodiert Heidelberg Materials um fast zehn Prozent. Doch die blaue Welle hat auch Opfer: Siemens Energy, Hochtief und Infineon werden als KI-Infrastrukturwerte abgestraft, Rheinmetall rutscht weiter ab. Unser DAX Check zeigt, warum die Wall Street und Frankfurt den Machtwechsel im Kongress feiern – und wer dabei unter die Räder kommt.

Autor: Redaktion, aktiencheck.de · 4. November 2026
Vom Wahlschock zur Rekordjagd: Warum die Börse den Machtwechsel in Washington feiert
Um zu verstehen, wie außergewöhnlich dieser Handelstag ist, muss man in die Nacht zurückblicken. Als die ersten Hochrechnungen aus den USA eintrafen, rutschten die Futures auf den Nasdaq 100 zeitweise um mehr als zwei Prozent ab, der DAX notierte vorbörslich nur noch bei rund 25.530 Punkten. Die Demokraten hatten nicht nur kritische Sitze gehalten, sondern Hochburgen der Republikaner erobert – nach übereinstimmenden Prognosen US-amerikanischer Medien kontrollieren sie künftig beide Kammern des Kongresses, den Senat hatte die Nachrichtenagentur AP bereits in der Nacht ausgerufen. Auf den ersten Blick klang das für Anleger nach politischer Unsicherheit.
Doch dann drehte die Stimmung – erst langsam, dann mit Wucht. Der DAX eröffnete mit 25.888,93 Punkten knapp im Plus, kletterte am Mittag über 26.200 Zähler und legte am Nachmittag den Turbo ein. Laut Indikation von Societe Generale stand der Leitindex um 17:46 Uhr bei 26.559,47 Punkten, ein Plus von 2,87 Prozent. Das Tagestief lag bei 25.876,82 Punkten – die Spanne von fast 700 Punkten zeigt, wie radikal sich die Einschätzung der Anleger binnen Stunden verändert hat.
Der erste Treiber: Die Unsicherheit ist weg. Für Märkte ist ein klares Ergebnis fast immer besser als ein unklares. Die Demokraten haben nicht knapp, sondern deutlich gewonnen – ein langwieriges Tauziehen um einzelne Sitze oder gar Anfechtungen sind damit vom Tisch. Entscheidend war zudem, dass Präsident Trump erklärte, das Ergebnis zu akzeptieren, und den Demokraten gratulierte. Genau diese Kombination nannte die Wall Street als Startsignal für die Rallye. Der Dow Jones sprang im New Yorker Handel zeitweise um rund 1.500 Punkte, der S&P 500 legte um mehr als 1,5 Prozent zu.
Der zweite Treiber: Gridlock als Geschäftsmodell. An der Wall Street gilt eine alte Regel: Märkte lieben politischen Stillstand. Ein republikanischer Präsident und ein demokratischer Kongress müssen sich künftig einigen – große Steuerreformen, abrupte Gesetzesänderungen oder neue Konjunkturexperimente werden unwahrscheinlicher. Bank of America sieht diesen „Gridlock“ als Basisszenario, weil den Demokraten im Senat keine vetofeste Mehrheit zur Verfügung steht. Mehrere Strategen werten das Ergebnis sogar als Quelle von Disziplin: Weniger Überraschungen bei Haushalt und Regulierung seien gerade in einer Phase willkommen, in der Anleger sensibel auf Defizite, Inflation und Kapitalkosten reagieren. Ökonomen erinnern zudem an die Statistik: In den vergangenen Jahrzehnten folgte auf Zwischenwahlen in den 100 Tagen danach regelmäßig ein deutliches Plus an den Aktienmärkten.
Der dritte Treiber: Hoffnung auf weniger Zollrisiko und mehr Iran-Kontrolle. Für die exportstarken DAX-Konzerne ist ein Kongress, der die Handelspolitik des Weißen Hauses kritischer begleitet, eine gute Nachricht. Zölle werden zwar weiterhin per Präsidialverordnung beschlossen, doch der politische Gegenwind wächst. Gleiches gilt für die Iran-Politik: Ein demokratisch geführter Kongress dürfte neue Militäreinsätze deutlich kritischer begleiten. Am Ölmarkt sorgte das zeitweise für Entspannung, die US-Sorte WTI gab im Tagesverlauf deutlich nach. Davon profitierten Autobauer, Konsumwerte und Industrietitel – genau die Sektoren, die in den vergangenen Monaten am stärksten unter Zöllen und Energiepreisen gelitten hatten.
Der vierte Treiber: Die Berichtssaison liefert. Parallel zur Wahl-Rallye überzeugten mehrere DAX-Konzerne mit ihren Quartalszahlen. Heidelberg Materials, Continental und Scout24 übertrafen die Erwartungen, Continental und Scout24 hoben sogar ihre Prognosen an. Selbst BMW stieg trotz einer Gewinnwarnung kräftig. Die DAX Analyse des Tages zeigt: Politische Entlastung und operative Stärke kamen zur selben Zeit zusammen – eine seltene, aber hochexplosive Mischung.
Die Kehrseite: Das KI-Infrastruktur-Beben. Nicht alle feiern. Die Wahl hat eine Branche getroffen, die monatelang als unantastbar galt: den Bau von KI-Rechenzentren. In vielen US-Bundesstaaten war der Widerstand gegen die stromhungrigen Anlagen zu einem Wahlkampfthema geworden. In Texas – dem Bundesstaat mit rund 27 Prozent der in den USA geplanten Rechenzentrumskapazität – hat die Demokratin Gina Hinojosa die Gouverneurswahl gewonnen, die ein sofortiges Moratorium für neue Rechenzentren angekündigt hat. Auch in Georgia, Pennsylvania und Ohio stellen die Demokraten künftig Gouverneure. Goldman Sachs rechnet mit vorläufigen Baustopps in mehreren Bundesstaaten, bis neue Gesetze verabschiedet sind. In New York brachen Aktien wie GE Vernova um fast sechs Prozent und Vistra um rund neun Prozent ein. Im DAX trifft diese Neubewertung genau jene Werte, die als „Schaufelhersteller“ des KI-Booms gelten: Siemens Energy, Hochtief und Infineon. Bank of America formulierte es nüchtern: Die Politik werde den Ausbau nicht stoppen, ihn aber langsamer und teurer machen.
Die Gewinner-Liste der DAX Analyse spricht trotzdem eine klare Sprache: 36 Werte im Plus, nur vier im Minus. Banken, Autobauer, Konsumtitel und Versicherer zogen den Index nach oben – eine breite Rallye, die weit mehr ist als ein Strohfeuer einzelner Schwergewichte. Auch SAP legte um mehr als vier Prozent zu und lieferte damit einen gewichtigen Beitrag.
DAX Gewinner im Check: Heidelberg Materials, Zalando, BMW, Deutsche Bank und Scout24
Heidelberg Materials ist mit einem Kurssprung von 9,72 Prozent auf 171,65 Euro der unangefochtene Spitzenreiter unter den DAX Gewinnern – und das bereits zum dritten Tag in Folge im Plus. Der Baustoffkonzern hat am Morgen ein Trading-Update zum dritten Quartal vorgelegt, das an allen entscheidenden Stellen überzeugt. Der Umsatz stieg um 10,4 Prozent auf 6,41 Milliarden Euro, Analysten hatten nur mit rund 6,2 Milliarden Euro gerechnet. Das Ergebnis des laufenden Geschäftsbetriebs kletterte um 8,7 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro und lag ebenfalls über dem Konsens. Getragen wurde das Wachstum von einer Nachfrageerholung, vor allem in Europa, sowie von Preis- und Kostenmanagement und Produktivitätssteigerungen. Der eigentliche Paukenschlag ist aber das Sparprogramm: Heidelberg Materials will das bisherige Einsparziel von 500 Millionen Euro bis Ende 2026 übertreffen und bis Ende 2028 weitere 300 Millionen Euro einsparen. Die Jahresprognose für das Ergebnis des laufenden Geschäftsbetriebs von 3,40 bis 3,65 Milliarden Euro wurde bestätigt. Der Wahlausgang liefert zusätzlichen Rückenwind: Ein Kongress, der Infrastrukturprogramme und Energiewende stärker unterstützt, ist für einen der größten Baustoffkonzerne Nordamerikas ein positives Signal. Trotz des Sprungs liegt die Aktie seit Jahresbeginn noch immer rund ein Viertel im Minus.
Zalando gewinnt 7,64 Prozent auf 27,19 Euro und macht damit den Kurssturz vom Dienstag mehr als wett. Am Vortag war die Aktie nach den Quartalszahlen um 6,3 Prozent eingebrochen und hatte als Schlusslicht im DAX geschlossen – vor allem wegen eines unerwarteten Nettoverlusts von 18 Millionen Euro und Kritik an der Bruttomarge. Heute setzte die Gegenbewegung ein. Den ersten Impuls lieferte Deutsche Bank Research: Analyst Adam Cochrane bestätigte die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 35 Euro und verwies darauf, dass Zalando beim operativen Ergebnis die Konsensschätzung um fünf Prozent übertroffen habe. Tatsächlich stieg das bereinigte EBIT um 10,6 Prozent auf 106,5 Millionen Euro, die Zahl der aktiven Kunden erreichte einen Rekord, und die Jahresprognose wurde bestätigt. Am Nachmittag sorgte die Wahl-Rallye dann für den zweiten Schub: Konsumwerte gehörten europaweit zu den großen Profiteuren der Hoffnung auf weniger Zollrisiken. Die Börse zeigt damit eindrucksvoll, wie schnell eine Übertreibung nach unten korrigiert werden kann.
BMW legt 7,55 Prozent auf 60,72 Euro zu – und das trotz einer Gewinnwarnung. Es ist das vielleicht erstaunlichste Kursbild des Tages. Am Dienstagabend hatte der neue Konzernchef Milan Nedeljkovic bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr die Prognose gesenkt: Die operative Marge im Autogeschäft soll 2026 nur noch zwischen minus 0,5 und plus 0,5 Prozent liegen, zuvor waren 1 bis 3 Prozent geplant. Auch die Absatzprognose wurde gekappt, BMW erwartet nun einen Rückgang um 5 bis 9,9 Prozent. Im dritten Quartal sank der Gewinn nach Steuern um knapp 15 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro, die Krise in China hinterlässt tiefe Spuren. Warum steigt die Aktie trotzdem? Erstens lag die Automarge im Quartal mit 3,4 Prozent über den pessimistischen Schätzungen der Analysten. Zweitens ist die Prognosesenkung zu einem erheblichen Teil hausgemacht: BMW zieht Kosten für Abfindungsprogramme und Konzernumbau bewusst ins laufende Jahr vor. Ohne diese Struktur- und Portfoliomaßnahmen erwartet das Management weiterhin eine Automarge von mehr als 2 Prozent, der freie Cashflow soll über 2,5 Milliarden Euro liegen. Drittens war die Erwartungshaltung bereits extrem gedämpft. Und viertens profitiert BMW als Konzern mit einem der größten Autowerke der USA in Spartanburg überproportional von jeder Hoffnung auf eine Entschärfung der Zollpolitik. Die Börse handelt hier die Zukunft – und die sieht nach dem Großreinemachen besser aus als die Gegenwart.
Deutsche Bank steigt um 7,02 Prozent auf 32,54 Euro und gehörte den ganzen Tag über zu den Titeln mit dem höchsten Handelsvolumen im DAX. Eine eigene Unternehmensnachricht gab es nicht – die Bank ist schlicht der Hebel auf die Risikobereitschaft der Anleger. Wenn die politische Unsicherheit schwindet, steigen die Erwartungen an Handelsaktivität, Kapitalmarktgeschäft und Emissionen. Die Deutsche Bank verdient als größte Investmentbank Europas überproportional daran. Hinzu kommt der Rückenwind aus New York, wo Finanzwerte breit gefragt waren. Auch die Commerzbank legte um 5,49 Prozent zu. Die Aktie der Deutschen Bank nähert sich damit wieder ihrem Rekordniveau; das 52-Wochen-Hoch liegt nur noch rund zehn Prozent entfernt. Fundamental hatte das Institut im dritten Quartal mit einem Gewinn je Aktie von 0,95 Euro leicht über dem Vorjahr gelegen.
Scout24 klettert um 6,62 Prozent auf 90,20 Euro und markiert damit den Höhepunkt einer starken Erholung seit dem Sommer. Der Betreiber von ImmoScout24 hat am Morgen seine Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt und die Umsatzprognose für das laufende Jahr angehoben. Getragen wird das Wachstum von allen Geschäftsbereichen sowie von Zukäufen, insbesondere der Übernahme der spanischen Immobilienplattformen Fotocasa und Habitaclia. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um knapp 20 Prozent. Die Margenprognose wurde bestätigt. Besonders das Geschäft mit Immobilienprofis und neue KI-Anwendungen treiben die Entwicklung. JPMorgan bestätigte nach den Zahlen die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 101 Euro. Zusätzlich stützt das laufende Aktienrückkaufprogramm von bis zu 350 Millionen Euro. Im Sommer war die Aktie nach den Halbjahreszahlen noch um mehr als sieben Prozent eingebrochen – heute zeigt sich, dass die damaligen Sorgen um die Marge überzogen waren.
DAX Verlierer im Check: Siemens Energy, Rheinmetall, Hochtief, Infineon – und Qiagen als Bremse Ein Hinweis vorab: An diesem außergewöhnlichen Tag schlossen nur vier DAX-Werte im Minus. Den fünften Platz der Liste nimmt deshalb Qiagen ein – die Aktie mit dem geringsten Zuwachs im gesamten Index.
Siemens Energy ist mit einem Absturz von 7,46 Prozent auf 119,82 Euro der mit Abstand größte DAX Verlierer – und das mit dem höchsten Handelsvolumen unter allen Verlierern. Der Kursverlauf erzählt die Geschichte des Tages: Am Vormittag hielt sich die Aktie noch knapp unter dem Vortagesniveau, am Nachmittag brach sie dann ein, als die Ausverkaufswelle bei amerikanischen KI-Infrastrukturwerten Fahrt aufnahm. Der direkte Vergleich ist GE Vernova, der US-Rivale im Geschäft mit Gasturbinen und Netztechnik, der in New York um fast sechs Prozent fiel. Der Grund: Siemens Energy ist einer der größten Profiteure des Strombedarfs neuer Rechenzentren in den USA, und genau dieser Ausbau steht nach der Wahl auf dem Prüfstand. Die Aussicht auf Moratorien in Texas und strengere Auflagen in weiteren Bundesstaaten stellt die Wachstumsfantasie infrage, die die Aktie in den vergangenen zwei Jahren vervielfacht hatte. Charttechnisch ist der Schaden erheblich: Die Aktie hat die wichtige Unterstützungszone um 126 Euro klar unterschritten und markierte ein neues Sechsmonatstief. Vom 52-Wochen-Hoch bei 191,66 Euro aus dem April ist sie inzwischen rund 37 Prozent entfernt. Zur Einordnung: Die Analysten sehen das durchschnittliche Kursziel weiterhin bei rund 189 Euro, und mit der Energiewende-Agenda der Demokraten könnte das Netz- und Windgeschäft mittelfristig profitieren. Die Stunde der Wahrheit schlägt am 11. November mit den Zahlen zum vierten Geschäftsquartal und dem Ausblick auf 2027.
Rheinmetall verliert 3,81 Prozent auf 967,50 Euro und rutscht damit erneut unter die Marke von 1.000 Euro. Der Rüstungskonzern wird gleich doppelt belastet. Erstens sorgt ein Bericht über eine mögliche Verschiebung der milliardenschweren Bundeswehr-Bestellung von Boxer-Radpanzern auf Februar 2027 seit Tagen für Unruhe – ursprünglich war eine Entscheidung noch für Dezember erwartet worden. Für Rheinmetall würde das spätere Anzahlungen und eine Verschiebung der Auftragsdynamik bedeuten. Zweitens strahlt der Wahlausgang auf die gesamte Rüstungsbranche aus: In New York fielen Northrop Grumman, RTX und Lockheed Martin deutlich, weil das von Trump geforderte Verteidigungsbudget von 1,5 Billionen Dollar im neuen Kongress auf härteren Widerstand stoßen dürfte. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.966 Euro hat sich die Aktie inzwischen halbiert. Berenberg bleibt bei „Hold“ mit einem Kursziel von 1.020 Euro. Der morgige Donnerstag wird zum Schicksalstag: Um 14 Uhr legt Rheinmetall die Zahlen für das dritte Quartal vor. Der Auftragsbestand war zuletzt auf 80,5 Milliarden Euro gewachsen.
Hochtief gibt 3,63 Prozent auf 366,20 Euro nach. Der Baukonzern steht für den Teil der KI-Story, der nach der Wahl am stärksten unter Druck gerät: den physischen Bau von Rechenzentren. Die US-Tochter Turner ist einer der größten Baudienstleister für Rechenzentren in Amerika und hat Hochtief einen Rekordauftragsbestand beschert. Genau dieser Wachstumsmotor wird nun neu bewertet. Wenn Bundesstaaten wie Texas den Bau neuer Rechenzentren vorübergehend stoppen oder mit strengeren Auflagen für Strom, Wasser und Umwelt verteuern, könnten Projekte verschoben werden. In New York fielen Aktien von Rechenzentrumsbauern und Ausrüstern um bis zu 24 Prozent. Fundamental bleibt Hochtief stark: Die Gewinnprognose für 2026 liegt bei 1,025 bis 1,1 Milliarden Euro, und das Geschäft ist breit über Nordamerika, Australien und Europa verteilt. Morgen, am Donnerstag, legt der Konzern die Zahlen für die ersten neun Monate vor – der Markt wird jede Aussage zur Pipeline von Turner auf die Goldwaage legen.
Infineon verliert 3,59 Prozent auf 50,42 Euro – trotz der starken Zahlen von AMD aus der Nacht, die eine ungebrochene Nachfrage nach KI-Chips für Rechenzentren belegen. Doch genau diese Rechenzentrums-Fantasie ist es, die heute abgestraft wird. Infineon liefert Leistungshalbleiter für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren, ein Bereich, der zuletzt einer der wichtigsten Wachstumstreiber war. Die Aussicht auf einen langsameren Ausbau trifft den Chipkonzern daher direkt. Auch in der zweiten Reihe gerieten Halbleiterwerte unter Druck, Aixtron verlor zeitweise mehr als sechs Prozent. Die Aktie fällt damit zurück an ihr Sechsmonatstief vom Dienstag. Infineon ist allerdings weit breiter aufgestellt als ein reiner KI-Wert – Auto und Industrie machen den Großteil des Geschäfts aus. Am 10. November legt der Konzern die Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 und den Ausblick auf 2027 vor.
Qiagen legt nur um 0,45 Prozent auf 44,98 Euro zu und ist damit der schwächste Gewinner im DAX – eine Bewegung mit klarer Ursache. Für den Diagnostikkonzern liegt ein Übernahmeangebot des Finanzinvestors EQT von 46,50 Euro je Aktie auf dem Tisch, der Abschluss wird für Mitte 2027 erwartet. Damit ist die Kursentwicklung weitgehend an den Angebotspreis gekoppelt und von der allgemeinen Marktrallye abgeschnitten. Heute legte Qiagen zudem die vollständigen Zahlen für das dritte Quartal vor. Bereits im Oktober hatte das Unternehmen vorläufig einen Umsatz von 548 Millionen US-Dollar und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 0,65 US-Dollar gemeldet. Die Jahresprognose bleibt während der laufenden Transaktion ausgesetzt. Für die Aktie zählt vor allem der Abstand zum Angebotspreis von rund drei Prozent.
Konjunkturdaten in der DAX Analyse: Inflation bei 4 Prozent, Frankreich bricht ein, US-Dienstleister kühlen ab Neben der Wahl lieferte der Mittwoch auch einen prall gefüllten Konjunkturkalender. Die Daten zeigen ein Europa, das sich spaltet, und eine US-Wirtschaft, die an Schwung verliert, ohne einzubrechen.
Deutschland – Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen, 2. Veröffentlichung (9:55 Uhr): Die positive Überraschung des Vormittags. Der Index für den deutschen Dienstleistungssektor wurde von 51,7 auf 52,5 Punkte deutlich nach oben revidiert, nach 52,9 im September. Die deutschen Dienstleister wachsen damit nur geringfügig langsamer als im Vormonat und bleiben klar über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Zusammen mit der robusten Industrie, deren Index am Montag bei 54,2 Punkten bestätigt worden war, ergibt sich das Bild einer deutschen Wirtschaft, die sich besser hält als befürchtet – trotz des schwachen Einzelhandels im September.
Frankreich – Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen (9:50 Uhr): Der Schock des Tages. Der Index für die französischen Dienstleister brach von 51,2 auf 46,2 Punkte ein und wurde damit gegenüber der ersten Schätzung von 48,4 Punkten noch einmal kräftig nach unten revidiert. Frankreich steckt damit tief im Schrumpfungsbereich. S&P Global nennt als Gründe geopolitische Unsicherheit, hohe Energiepreise und die politische Unsicherheit vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr; gewaltsame Proteste im Oktober hätten zudem viele Geschäfte beschädigt.
Spanien und Italien – Einkaufsmanagerindizes Dienstleistungen (9:15 und 9:45 Uhr): Italien überraschte positiv: Der Index stieg auf 52,0 Punkte nach 51,7 im Vormonat und lag über der Prognose von 51,5. Spanien bleibt mit 57,2 Punkten der Wachstumsstar der Eurozone, verfehlte aber die Erwartung von 57,6 Punkten und lag unter dem Vormonatswert von 58,3.
Eurozone – Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen und Gesamtindex (10:00 Uhr): Für die gesamte Währungsunion fiel der Dienstleistungsindex um 1,6 Punkte auf 51,4 Zähler und wurde damit gegenüber der ersten Schätzung von 51,7 Punkten nach unten revidiert. Der Gesamtindex aus Industrie und Dienstleistungen sank auf 51,7 Punkte nach 53,1 im September. S&P-Chefvolkswirt Chris Williamson sieht besorgniserregende Anzeichen, dass die jüngste Wachstumsphase an Schwung verliert: Der Auftragszuwachs habe sich nach drei soliden Monaten fast bis zur Stagnation verlangsamt, die Geschäftserwartungen fielen auf den tiefsten Stand seit Mai.
Eurozone – Inflation Oktober, Schnellschätzung (11:00 Uhr): Die Teuerung im Euroraum stieg im Oktober auf 4,0 Prozent nach 3,8 Prozent im September und lag damit exakt im Rahmen der Erwartungen. Die Kernrate, die Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak ausklammert, verharrte bei 2,5 Prozent; im Monatsvergleich stieg sie um 0,3 Prozent nach 0,2 Prozent. Die Rate ohne Nahrungsmittel und Energie lag stabil bei 2,2 Prozent. Die Botschaft ist eindeutig: Die Inflation wird fast ausschließlich von den Energiepreisen infolge des Iran-Konflikts getrieben, die zugrunde liegende Teuerung bleibt stabil. Für die Europäische Zentralbank, die ihren Einlagenzins im September auf 2,50 Prozent angehoben hatte, ist das eine heikle Lage: Eine Teuerung von vier Prozent liegt doppelt so hoch wie das Inflationsziel, gleichzeitig kühlt die Konjunktur ab, wie die Einkaufsmanagerdaten zeigen.
USA – MBA-Hypothekenanträge (13:00 Uhr): Die Zinsen für 30-jährige Hypotheken sanken von 7,41 auf 7,30 Prozent. Die Zahl der Hypothekenanträge ging dennoch um 1,2 Prozent zurück, nach minus 5,3 Prozent in der Vorwoche. Der Index für Kaufanträge stieg allerdings leicht auf 131,4 Punkte, die Refinanzierungen auf 517,5 Punkte.
USA – ADP-Arbeitsmarktbericht Oktober (14:15 Uhr): Die US-Privatwirtschaft schuf im Oktober 86.000 neue Stellen – deutlich mehr als die erwarteten 69.000 und genauso viele wie im Vormonat. Zusammen mit den starken JOLTS-Daten vom Dienstag, die mehr als 7,5 Millionen offene Stellen zeigten, zeichnet sich ein robuster Arbeitsmarkt ab. Für die US-Notenbank ist das ein Argument, die Zinsen vorerst nicht zu senken. Am Freitag folgt der offizielle Arbeitsmarktbericht.
USA – Handelsbilanz September (14:30 Uhr): Das US-Handelsdefizit lag bei 105 Milliarden Dollar und damit etwas niedriger als die erwarteten 108 Milliarden Dollar sowie die 105,7 Milliarden Dollar im Vormonat. Die Exporte stiegen auf 321,5 Milliarden Dollar nach 315,2 Milliarden Dollar. Das Defizit im reinen Warenhandel weitete sich dagegen auf 135,1 Milliarden Dollar aus. Nach der Wahlniederlage der Republikaner dürfte jede Zahl zur Wirkung der Zollpolitik in Washington künftig noch genauer gelesen werden.
USA – ISM-Index Dienstleistungen Oktober (16:00 Uhr): Der wichtigste Konjunkturtermin des Tages fiel etwas schwächer aus als erhofft. Der ISM-Index für den US-Dienstleistungssektor sank auf 54,5 Punkte nach 54,9 im Vormonat und verfehlte die Prognose von 54,8 Punkten knapp. Auffällig sind die Teilkomponenten: Die Geschäftsaktivität fiel deutlich von 56,5 auf 53,8 Punkte, die Auftragseingänge gingen von 59,8 auf 55,9 Punkte zurück. Positiv ist dagegen, dass die Beschäftigungskomponente von 50,1 auf 51,4 Punkte stieg und der Preisindex von 74 auf 73 Punkte nachgab. Das Bild: Der Dienstleistungssektor, der rund 70 Prozent der US-Wirtschaft ausmacht, wächst weiter, aber mit weniger Dynamik – und bei leicht nachlassendem Preisdruck. Für die Märkte ist das eine durchaus bequeme Mischung.
USA – EIA-Rohöllagerbestände (16:30 Uhr): Die US-Rohölbestände sanken um 0,865 Millionen Barrel, während Analysten einen Anstieg um 1,75 Millionen Barrel erwartet hatten. Noch deutlicher fiel der Abbau bei den Destillaten aus, zu denen Diesel und Heizöl zählen: minus 3,565 Millionen Barrel statt eines erwarteten Plus von 0,3 Millionen. Die Benzinbestände gingen um 0,222 Millionen Barrel zurück, die Auslastung der Raffinerien stieg um 1,7 Prozentpunkte. Der unerwartete Lagerabbau spricht für eine robuste Nachfrage und ist eher ein stützender Faktor für die Ölpreise.
Unter dem Strich gilt: Europas Konjunktur verliert an Schwung, die Inflation bleibt wegen der Energiepreise hoch, und die US-Wirtschaft kühlt sich nur langsam ab. An einem Tag wie diesem spielten die Daten allerdings nur die zweite Geige – der Takt kam eindeutig aus Washington.
Die fünf größten DAX Gewinner am 4. November 2026
Heidelberg Materials (ISIN: DE0006047004, WKN: 604700, Symbol: HEI) – 171,65 Euro, +9,72 Prozent Umsatz im dritten Quartal +10,4 Prozent auf 6,41 Milliarden Euro, operatives Ergebnis +8,7 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro – beides über den Erwartungen. Zusätzliche Einsparungen von 300 Millionen Euro bis 2028, Jahresprognose bestätigt.
Zalando (ISIN: DE000ZAL1111, WKN: ZAL111, Symbol: ZAL) – 27,19 Euro, +7,64 Prozent Kräftige Gegenbewegung nach dem Kurssturz vom Dienstag. Deutsche Bank Research bestätigt „Buy“ mit Kursziel 35 Euro, Konsumwerte profitieren von der Wahl-Rallye.
BMW (ISIN: DE0005190003, WKN: 519000, Symbol: BMW) – 60,72 Euro, +7,55 Prozent Gewinnwarnung mit Automarge von minus 0,5 bis plus 0,5 Prozent, doch Quartalsmarge von 3,4 Prozent über den Erwartungen. Vorgezogener Konzernumbau, Hoffnung auf weniger Zollrisiken.
Deutsche Bank (ISIN: DE0005140008, WKN: 514000, Symbol: DBK) – 32,54 Euro, +7,02 Prozent Profiteur der zurückkehrenden Risikobereitschaft, hohes Handelsvolumen. Die Aktie nähert sich ihrem Rekordniveau.
Scout24 (ISIN: DE000A12DM80, WKN: A12DM8, Symbol: G24) – 90,20 Euro, +6,62 Prozent Umsatzprognose 2026 angehoben, Margenziel bestätigt. JPMorgan bleibt bei „Overweight“ mit Kursziel 101 Euro.
Die fünf schwächsten DAX-Werte am 4. November 2026
Siemens Energy (ISIN: DE000ENER6Y0, WKN: ENER6Y, Symbol: ENR) – 119,82 Euro, -7,46 Prozent Ausverkauf bei KI-Infrastrukturwerten nach dem Wahlsieg der Demokraten und dem drohenden Rechenzentrums-Moratorium in Texas. Neues Sechsmonatstief, Zahlen am 11. November.
Rheinmetall (ISIN: DE0007030009, WKN: 703000, Symbol: RHM) – 967,50 Euro, -3,81 Prozent Mögliche Verschiebung der Boxer-Bestellung belastet, US-Rüstungswerte fallen nach der Wahl. Quartalszahlen am 5. November um 14 Uhr.
HOCHTIEF (ISIN: DE0006070006, WKN: 607000, Symbol: HOT) – 366,20 Euro, -3,63 Prozent Rechenzentrumsgeschäft der US-Tochter Turner wird nach der Wahl neu bewertet. Neunmonatszahlen am 5. November.
Infineon Technologies (ISIN: DE0006231004, WKN: 623100, Symbol: IFX) – 50,42 Euro, -3,59 Prozent KI-Rechenzentrumsfantasie unter Druck trotz starker AMD-Zahlen. Jahreszahlen am 10. November.
Qiagen (ISIN: NL0015002SN0, WKN: A41HBE, Symbol: QIA) – 44,98 Euro, +0,45 Prozent Schwächster DAX-Wert mit Plus, gebremst durch das EQT-Übernahmeangebot von 46,50 Euro je Aktie. Vollständige Quartalszahlen veröffentlicht.
Kursangaben: Lang & Schwarz, Stand ca. 17:45 Uhr. DAX-Stand: Indikation Societe Generale, 17:46 Uhr. Wahlergebnisse: Stand der Berichterstattung am 4. November 2026; einzelne Rennen sind möglicherweise noch nicht abschließend ausgezählt.
Häufige Fragen zum DAX Check
Warum steigt der DAX heute so stark? Nach dem klaren Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen und der Erklärung von Präsident Trump, das Ergebnis zu akzeptieren, ist die politische Unsicherheit verflogen. Hinzu kamen starke Quartalszahlen und eine kräftige Rallye an der Wall Street.
Wo steht der DAX? Laut Indikation von Societe Generale lag der DAX um 17:46 Uhr bei 26.559,47 Punkten, ein Plus von 2,87 Prozent. Das Rekordhoch liegt bei 26.618,74 Punkten.
Welche Aktien waren die DAX Gewinner und DAX Verlierer? An der Spitze standen Heidelberg Materials (+9,72 Prozent), Zalando (+7,64 Prozent) und BMW (+7,55 Prozent). Schlusslichter waren Siemens Energy (-7,46 Prozent), Rheinmetall (-3,81 Prozent) und Hochtief (-3,63 Prozent).
Warum fallen Siemens Energy, Hochtief und Infineon? Die Demokraten haben auch wichtige Gouverneursposten gewonnen, darunter Texas, wo die Wahlsiegerin ein Moratorium für neue Rechenzentren angekündigt hat. Anleger fürchten einen langsameren und teureren Ausbau von KI-Rechenzentren, von dem diese Unternehmen stark profitieren.
Welche Termine sind als Nächstes wichtig? Am Donnerstag legen Rheinmetall, Hochtief, DHL und die Deutsche Telekom Zahlen vor, am Freitag folgt der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober.
Fazit der DAX Analyse: Rekordhoch in Schlagdistanz – doch die KI-Frage bleibt offen Der 4. November 2026 dürfte als einer der bemerkenswertesten Handelstage des Jahres in die Bücher eingehen. Ein politisches Ereignis, das in der Nacht noch als Risiko galt, hat sich binnen Stunden in einen Befreiungsschlag verwandelt. Der DAX steht nur noch rund 60 Punkte unter seinem Rekordhoch, 36 von 40 Werten haben zugelegt, und die DAX Gewinner kommen aus nahezu allen Branchen – von Baustoffen über Autos und Banken bis zum Onlinehandel. Doch die Rallye hat eine klare Bruchlinie: Die Werte, die vom Ausbau der KI-Rechenzentren in den USA leben, gehören zu den DAX Verlierern. Ob der Ausverkauf bei Siemens Energy, Hochtief und Infineon eine Übertreibung ist oder der Beginn einer längeren Neubewertung, wird sich in den kommenden Wochen zeigen – nicht zuletzt an den Zahlen von Hochtief am Donnerstag und von Infineon und Siemens Energy in der kommenden Woche. Für den Gesamtmarkt bleibt die Ausgangslage freundlich, solange der Ölpreis nicht neu eskaliert. Der Sprung über das Rekordhoch von 26.618 Punkten ist das nächste große Ziel. Der nächste DAX Check dürfte zeigen, ob die Bullen ihn schon in dieser Woche wagen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Wiedergegebene Analystenmeinungen und Kursziele sind Einschätzungen Dritter. Investitionen in Aktien sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden.
Redaktion, aktiencheck.de
War dieser Artikel hilfreich?
Die Inhalte auf AktienCheck.de dienen ausschließlich der Information und stellen keine individuelle Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden.