AUTO1 hat gestern ein Rekordquartal gemeldet, doch Beschaffungsengpässe bremsen das weitere Wachstum. Der Online-Gebrauchtwagenhändler bestätigte seine Jahresziele, erwartet beim bereinigten operativen Ergebnis aber eher den unteren Bereich der Prognosespanne. Für Anleger rückt damit die Frage in den Mittelpunkt, wie schnell wieder mehr Fahrzeuge verfügbar werden.
AUTO1 Group Aktie: Engpässe bremsen nach Rekordquartal
Umsatz und bereinigtes EBITDA legten im dritten Quartal 2026 zu; für das operative Ergebnis erwartet AUTO1 eher den unteren Zielbereich.

Normalisierung erst in einigen Wochen erwartet
Nach Einschätzung von mwb research belasten vorübergehende Beschaffungsengpässe den Absatz. Die Nachfrage bleibe dagegen robust. Das Management erwartet demnach eine Normalisierung binnen 8–12 Wochen.
Diese Unterscheidung ist für die Bewertung wichtig: Fehlende Fahrzeuge begrenzen das Geschäft auch dann, wenn genügend Käufer vorhanden sind. Eine Entspannung auf der Beschaffungsseite könnte das Wachstum wieder stützen. Sie ist bislang allerdings eine Erwartung und noch kein gemeldeter Fortschritt.
Im dritten Quartal 2026 verkaufte AUTO1 insgesamt 242.817 Fahrzeuge. Das entsprach einem Zuwachs von 11,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Beide Geschäftsbereiche legten zu. Autohero steigerte den Absatz dabei stärker als das Merchant-Geschäft. Die höheren Stückzahlen gingen konzernweit mit einem nochmals kräftigeren Anstieg des Bruttogewinns einher.
Profitabilität steigt stärker als der Umsatz
Der Quartalsumsatz erhöhte sich um 10,4 Prozent auf 2.345,6 Millionen Euro. Der Bruttogewinn erreichte 298 Millionen Euro.
CEO Christian Bertermann bezeichnete das Quartal als das profitabelste der Unternehmensgeschichte. Als Treiber nannte er das neue Handelssystem in Merchant und Retail sowie die strikte Kontrolle der Vertriebs- und Verwaltungskosten je Fahrzeug.
Das bereinigte EBITDA stieg um 45,7 Prozent auf 75,6 Millionen Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge erreichte mit 3,2 Prozent einen Rekordwert.
Damit verbesserte AUTO1 die Profitabilität trotz der Einschränkungen beim Fahrzeugangebot. Für die weitere Entwicklung kommt es nun darauf an, ob das Unternehmen diese Ertragsstärke mit einem wieder dynamischeren Absatz verbinden kann.
Bestätigte Ziele mit vorsichtiger Einordnung
Für 2026 hält AUTO1 am Absatzziel von 940.000 bis 1.000.000 Fahrzeugen fest. Innerhalb dieser Spanne erwartet das Management den Absatz ungefähr am Mittelpunkt.
Auch beim Bruttogewinn bleibt der bisherige Zielkorridor bestehen. Die Bestätigung bedeutet jedoch keine Anhebung nach dem Rekordquartal: Das Management rechnet auch hier mit einem Ergebnis um die Mitte der Spanne.
Der Bruttogewinn soll 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro erreichen. Beim bereinigten EBITDA bleibt das Ziel von 250–275 Millionen Euro bestehen.
Beim operativen Ergebnis fällt die Einordnung vorsichtiger aus als bei Absatz und Bruttogewinn. Hier orientiert sich die Erwartung eher am unteren Bereich des Korridors. Das begrenzt die Aussagekraft des Rekordquartals für einen möglichen Jahresendspurt.
mwb research senkte seine Jahresannahmen leicht, bestätigte aber die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 35 Euro. JPMorgan blieb ebenfalls positiv und hielt an „Overweight“ sowie dem Ziel von 34 Euro fest.
Die Begründungen setzen unterschiedliche Akzente. mwb betont die Widerstandsfähigkeit trotz vorübergehender Engpässe. JPMorgan-Analyst Marcus Diebel bezeichnete die Zahlen dagegen als etwas enttäuschend und verwies auf Umsatz und bereinigtes operatives Ergebnis unter den Konsenserwartungen.
Für Anleger liegt der entscheidende Prüfstein damit nicht allein in der erreichten Rekordprofitabilität. Ebenso wichtig ist, ob sich die Beschaffung im angekündigten Zeitraum entspannt und das Absatzwachstum wieder anzieht.
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