Aktien des Tages

Siemens: Starke Basis trotz China als Bremse - Kursziel erhöht! Aktienanalyse

Wien (www.aktiencheck.de) - Siemens-Aktienanalyse von der Raiffeisen Bank International AG:

Gregor Koppensteiner, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), erhöht in einer aktuellen Aktienanalyse das Kursziel für die Aktie der Siemens AG (ISIN: DE0007236101, WKN: 723610, Ticker-Symbol: SIE, NASDAQ OTC-Symbol: SMAWF) auf EUR 170,00.

Die Erholung in China verlaufe weiterhin enttäuschend. Die wichtigste Siemens-Division Digital Industries (DI) sei dort stark exponiert, was sich zunehmend als Belastungsfaktor erweise - ein Viertel des Umsatzes werde in China erwirtschaftet, auf Konzernebene kämen 12% des Umsatzes aus dem Reich der Mitte. In China solle bis 2035 der größte Markt für diskrete Automatisierung mit einem Anteil von 29% (heute: 23%) entstehen, was einem Volumen von rund 63 Mrd. USD entspräche. Siemens setze hier vor allem auf Endmärkte mit einer stärkeren Ausrichtung auf den Automobilsektor, Teile des Energiesektors und die Bauindustrie, die zuletzt zyklischem Gegenwind ausgesetzt gewesen seien.

Die Entwicklung des Auftragseingangs der Siemens-Division DI habe sich daher im ersten Halbjahr anfällig gezeigt für die schwache Endmarktnachfrage, da sich der Lagerabbau bei den Kunden in China bis in die zweite Jahreshälfte hinziehen könnte. Obwohl die Auftragseingänge in der diskreten Automatisierungstechnik die Talsohle erreicht hätten, dürfte eine deutliche Erholung eher graduell als sprunghaft verlaufen. Die Lagerbestände bei den Vertriebspartnern von DI seien aufgrund der verhaltenen Erholung in China und Deutschland nach wie vor hoch, zudem die Nachfrageerholung in Exportindustrien wie dem Maschinenbau und der Automobilindustrie traditionell langsam verlaufe.

Die Schwäche des Geschäftsbereichs DI deute auf ein Abwärtsrisiko für den Konsens des Geschäftsbereichs für das Geschäftsjahr 2024 hin, insbesondere für den Auftragsbestand. Der Umsatzrückgang von 14% bei DI wirke sich negativ auf den Ausblick des Unternehmens aus, während für alle anderen Sparten ein Wachstum für den Rest des Jahres erwartet werde.

Durch die zunehmende Fokussierung auf margenstarke Geschäfte (u.a. Digital Industries und Smart Infrastructure) mit einem wachsenden Anteil wiederkehrender Umsätze und einer soliden Bilanz verfüge Siemens über eine hohe finanzielle Flexibilität. Dies ermögliche es dem Unternehmen, umsichtig in seine Zukunft zu investieren. Das Hinauszögern von Investitionen, auch in Forschung und Entwicklung (F&E), komme zwar kurzfristig den Gewinnen und dem Cashflow zugute, könne aber längerfristig ein erhebliches Risiko darstellen.

Im Falle von Siemens sei es sehr ermutigend zu sehen, dass das Unternehmen regelmäßig mehr Geld für Forschung und Entwicklung ausgebe als seine Wettbewerber. Siemens reinvestiere regelmäßig bis zu ca. 8,1% des Umsatzes in F&E, während die direkten Wettbewerber mit knapp 5,5% deutlich weniger ausgeben würden. Darüber hinaus würden das gut fokussierte Portfolio, die solide Profitabilität und die starke Bilanz eine großzügige Ausschüttung an die Aktionär:innen ermöglichen, ohne die Ausschüttungsquote übermäßig zu belasten. Die letzte Dividendenerhöhung im Vorjahr sei mit 10,6% sehr solide gewesen und habe deutlich über dem 10-Jahres-Durchschnitt von 4,6% gelegen. Für das laufende Geschäftsjahr werde mit einer Erhöhung der Dividende um 6,4% auf rund EUR 5,00 gerechnet.

Siemens generiere derzeit nur ca. 9% des Gesamtumsatzes mit Software. Ein Vorstoß in Richtung eines Software-as-a-Service-Modells (SaaS) könnte sich daher als lukrativ erweisen, zumal mit dem widerkehrenden Abomodell die Marge verbessert werden könne. Der verstärkte Fokus auf Software in den letzten Quartalen sei ermutigend, zumal im dritten Quartal bereits eine Steigerung der jährlich wiederkehrenden Einnahmen um 15% erreicht worden sei, vor allem durch eine Reihe von Großaufträgen für lizenzierte Software im Bereich DI.

Betrachte man den Performance-Chart, so habe sich die Siemens-Aktie noch immer nicht vom breiten Börseneinbruch Anfang August erholt. Angesichts der soliden Quartalszahlen (mit bestätigtem Ausblick) eröffne sich nun wieder ein günstiges Bewertungsfenster. Die Einschätzung im Vergleich zum Gesamtmarkt und zum breiten Industriesektor sei derzeit "fair". Ein Blick in die eigene Historie zeige jedoch auf Basis ausgewählter zukunftsorientierter Kennzahlen (KGV, EV/EBIT, EV/EBITDA etc.) den inzwischen manifestierten Bewertungsaufschlag, wenn auch weniger drastisch als bei der letzten Publikation von RBI. Die im Branchenvergleich durchaus ordentliche Cashflow-Rendite (7% bis 8%) in Verbindung mit einer soliden Dividendenrendite (3%) würden das bewertungsseitig moderate Gesamtbild abrunden.

Fazit: Siemens habe sich im Laufe der Jahre zu einem gut diversifizierten Konglomerat mit soliden Margen entwickelt, das von mehreren säkularen Wachstumstrends profitiere. Intelligente Akquisitionen, Veräußerungen und Abspaltungen hätten die Volatilität von Ergebnis und Cashflow verringert und damit die Grundlage für ein solides Dividendenwachstum geschaffen. Indem Siemens seine wichtigsten Wettbewerber bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung übertreffe, stelle das Unternehmen zudem sicher, dass seine führende Marktposition und seine tiefe Verankerung in vielen Geschäftsfeldern nicht gefährdet, sondern weiter gefestigt würden. In dem wichtigsten dieser Geschäftsfelder, DI, sei das Unternehmen jedoch mit einem externen Faktor konfrontiert, nämlich der schwachen Nachfrage aus China nach Industriesoftware und Fabrikautomation, die sich nur allmählich zu verbessern scheine.

Der Markt habe die dominante Stellung von Siemens inzwischen bereitwillig akzeptiert und auch erkannt, dass es sich bei Siemens um alles andere als ein verstaubtes deutsches Industriekonglomerat handle. Auf der Bewertungsseite habe dies zu einer deutlichen Bewertungsprämie geführt, die sich durch die jüngste (erwartbare) Korrektur der Aktie nicht weiter materialisiert habe.

Gregor Koppensteiner, Analyst der Raiffeisen Bank International AG, erhöht daher sein Kursziel auf EUR 170,00 und stuft die Siemens-Aktie auf "halten". Das Kursziel basiere auf einem relativen Bewertungsansatz, der eine historisch angemessene Bewertung im Vergleich zum Gesamtmarkt und zum Sektor berücksichtige. (Analyse vom 23.08.2024)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:

Offenlegungen

7. Der zuständige Analyst oder eine sonstige an der Erstellung der Finanzanalyse mitwirkende natürliche Person oder eine sonstige natürliche Person von Raiffeisen Research besitzt Finanzinstrumente des von ihm analysierten Emittenten.

Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity

Börsenplätze Siemens-Aktie:

Tradegate-Aktienkurs Siemens-Aktie:
166,50 EUR +1,23% (23.08.2024, 12:55)

XETRA-Aktienkurs Siemens-Aktie:
166,74 EUR +1,13% (23.08.2024, 12:42)

ISIN Siemens-Aktie:
DE0007236101

WKN Siemens-Aktie:
723610

Ticker-Symbol Siemens-Aktie:
SIE

NASDAQ OTC-Symbol Siemens-Aktie:
SMAWF

Kurzprofil Siemens AG:

Die Siemens AG (ISIN: DE0007236101, WKN: 723610, Ticker-Symbol: SIE, NASDAQ OTC-Symbol: SMAWF) (Berlin und München) ist ein Technologieunternehmen mit Fokus auf die Felder Industrie, Infrastruktur, Mobilität und Gesundheit. Ressourceneffiziente Fabriken, widerstandsfähige Lieferketten, intelligente Gebäude und Stromnetze, emissionsarme und komfortable Züge und eine fortschrittliche Gesundheitsversorgung - das Unternehmen unterstützt seine Kunden mit Technologien, die ihnen konkreten Nutzen bieten. Durch die Kombination der realen und der digitalen Welten befähigt Siemens seine Kunden, ihre Industrien und Märkte zu transformieren und verbessert damit den Alltag für Milliarden von Menschen.

Siemens ist mehrheitlicher Eigentümer des börsennotierten Unternehmens Siemens Healthineers - einem weltweit führenden Anbieter von Medizintechnik, der die Zukunft der Gesundheitsversorgung gestaltet.

Im Geschäftsjahr 2023, das am 30. September 2023 endete, erzielte der Siemens-Konzern einen Umsatz von 77,8 Milliarden Euro und einen Gewinn nach Steuern von 8,5 Milliarden Euro. Zum 30.09.2023 beschäftigte das Unternehmen weltweit rund 320.000 Menschen. Weitere Informationen im Internet unter www.siemens.com. (23.08.2024/ac/a/d)

Archivbeitrag vom 23.08.2024. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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