Aktien des Tages

Siemens Aktie: Von der Industrie-Ikone zum Tech-Konzern - Die hinteren Segmente rücken in den Vordergrund

Wien (www.aktiencheck.de) - Siemens-Aktienanalyse von der Raiffeisen Bank International AG:

Gregor Koppensteiner, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), nehme die Aktie der Siemens AG (ISIN: DE0007236101, WKN: 723610, Ticker-Symbol: SIE, NASDAQ OTC-Symbol: SMAWF) in einer aktuellen Aktienanalyse unter die Lupe.

Das Automatisierungsgeschäft - der Kern der Sparte DI - bleibe herausfordernd, für das neue Geschäftsjahr rechne Siemens bei DI aber nur mit einem leichten Umsatzwachstum, da die Nachfrage in China nicht wie erhofft angezogen habe. Nach wie vor werde der Absatz durch hohe Lagerbestände bei den Vertriebspartnern gebremst, allerdings gebe es neue Aufträge aus China und den USA, während die Nachfrage in Europa schwach bleibe. Erste Konsequenzen aus der anhaltenden Schwäche würden bereits gezogen: Bis zu 5.000 Stellen könnten im Bereich Industrieautomatisierung abgebaut werden.

Um dem einstigen Aushängeschild wieder auf die Sprünge zu helfen, setze man aber auch auf M&A. Die Übernahme von Altair sei die größte, die Siemens je getätigt habe, und stehe am Ende einer Reihe von mehr als 40 Software-Akquisitionen mit einem Gesamtwert von über USD 20 Mrd. in der Unternehmensgeschichte. Ziel sei es, das Know-how von Siemens im Bereich der margenstärkeren Software-Dienstleistungen zu vertiefen, welche die unzähligen Daten aus der physischen Welt - sei es in einer Fabrikhalle, einem Gebäude oder einem Stromnetz - miteinander verknüpfen und sinnvoll nutzen würden.

Altair sei auf Simulationssoftware spezialisiert, mit der sich zum Beispiel testen lasse, wo Bauteile schadhaft würden. Während Siemens bereits über Expertise in der Herstellung von Konstruktionssoftware und vorausschauender Wartung verfüge, seien die Simulationswerkzeuge von Altair - insbesondere für mechanische oder elektromagnetische Anwendungen - das fehlende Puzzleteil gewesen, um effektivere digitale Modelle zu erstellen, die zur Feinabstimmung von Prozessen in der realen Welt verwendet werden könnten.

Für CEO Busch sei die Übernahme deshalb ein Meilenstein auf dem Weg zum Technologiekonzern. Die Transaktion mit einem Volumen von USD 10 Mrd. solle bis Ende 2025 abgeschlossen sein und verspreche Umsatzsynergien von über USD 1 Mrd. pro Jahr. Die Finanzierung erfolge aus liquiden Mitteln, unterstützt durch den Verkauf von Innomotics.

Mit der aktuellen Schwäche von Digital Industries würden die beiden anderen Segmente intern an Bedeutung gewinnen: Die Division Smart Infrastructure (SI) sei auf intelligente Gebäude und Energieinfrastrukturen spezialisiert und habe zuletzt rund 29% des Gesamtumsatzes erwirtschaftet. Mobility wiederum konzentriere sich auf innovative Verkehrslösungen, insbesondere im Schienenverkehr. Das Portfolio umfasse Hochgeschwindigkeitszüge, Metros, Straßenbahnen sowie Steuerungs- und Signaltechnik für den Betrieb und die Automatisierung von Schienennetzen. Das Segment habe zuletzt 16% zum Konzernumsatz beigetragen.

Beide Segmente konnten zuletzt die Schwächephase von DI durch eine Ergebnismarge von 16,7%, während Mobility eine Marge von 8,5% verzeichnete, so die Analysten der RBI. Für das angelaufene interne Geschäftsjahr 2025 werde für SI eine Steigerung der Ergebnismarge auf 17% bis 18% und für Mobility eine stabile Marge zwischen 8% und 10% erwartet.

Nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen, bei denen Umsatz und Gewinn über den Konsenserwartungen gelegen hätten, und der damit verbundenen Euphorie sei es zuletzt jedoch zu einer Konsolidierungsbewegung und einem "Reality Check" gekommen. Bereits im September seien die Umsatz- und Gewinnschätzungen für das laufende Geschäftsjahr nach unten revidiert worden. Die Bewertung im Vergleich zum Gesamtmarkt und zum breiten Industriesektor sei weiterhin "fair". Ein Blick in die eigene Historie zeige jedoch auf Basis ausgewählter zukunftsorientierter Kennzahlen (KGV, EV/EBIT, EV/EBITDA etc.) den mittlerweile manifestierten Bewertungsaufschlag, der sich seit der letzten RBI-Veröffentlichung weiter erhärtet habe.

Allerdings sei die eigene Historie nur bedingt aussagekräftig, da sich Siemens in den letzten Jahren immer mehr zu einem Technologiekonzern gewandelt habe. Die im Branchenvergleich durchaus ordentliche Cashflow-Rendite (6% bis 7%) in Verbindung mit einer soliden Dividendenrendite (3%) würden das bewertungsseitig moderate Gesamtbild abrunden.

Fazit: Von der allgemeinen Industrieschwäche sei Siemens bisher nicht tangiert worden, der konzernweite Auftragseingang sei im Vergleich zum Vorjahresquartal um 10% gestiegen. Die Bookto-Bill-Ratio liege weiterhin deutlich über 1, was bedeute, dass mehr Aufträge eingehen als Umsatz generiert werde, was auf sicheres zukünftiges Wachstum hindeute. Der starke Auftragseingang sei allerdings von den hinteren Divisionen verzeichnet worden, die intern wichtige Division Digital Industries befinde sich weiterhin in einer Konsolidierungsphase, die prestigeträchtige Übernahme des Simulationssoftware-Unternehmens Altair könnte dem einstigen Zugpferd wieder zu alter Stärke verhelfen, auch wenn eine Erholung erst in der zweiten Jahreshälfte 2025 erwartet werde. Ohnehin wolle Siemens als Technologiekonzern künftig noch mehr Geld mit Software verdienen.

Gregor Koppensteiner, Analyst der Raiffeisen Bank International AG, erhöht daher sein Kursziel auf EUR 179,00 bei gleichbleibender "halten"-Empfehlung für die Siemens AG. Das Kursziel basiere auf einem relativen Bewertungsansatz, der eine historisch angemessene Bewertung im Vergleich zum Gesamtmarkt und zum Sektor berücksichtige. (Analyse vom 21.11.2024)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:

Offenlegungen

7. Der zuständige Analyst oder eine sonstige an der Erstellung der Finanzanalyse mitwirkende natürliche Person oder eine sonstige natürliche Person von Raiffeisen Research besitzt Finanzinstrumente des von ihm analysierten Emittenten.

Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (21.11.2024/ac/a/d)

Archivbeitrag vom 21.11.2024. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

Märkte im Blick
Weiterlesen
Börsenradar