Wien (www.aktiencheck.de) - Siemens-Aktienanalyse von der Raiffeisen Bank International AG:
Andreas Schiller, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie der Siemens AG (ISIN: DE0007236101, WKN: 723610, Ticker-Symbol: SIE, NASDAQ OTC-Symbol: SMAWF) unter die Lupe.
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025 sei der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 3% auf EUR 18,4 Mrd. gestiegen und habe damit leicht die durchschnittlichen Erwartungen von EUR 18,2 Mrd. übertroffen. Das Ergebnis nach Steuern habe sich auf EUR 3,9 Mrd. verbessert (Q1 24: EUR 2,5 Mrd.). Der unverwässerte Gewinn je Aktie habe dementsprechend bei 4,71 Euro gelegen (Q1 24: EUR 3,03) und damit über der Konsensschätzung von EUR 3,55 je Aktie.
Der Auftragseingang habe sich um 8% auf EUR 20,1 Mrd. verringert. Das Book-to-Bill-Verhältnis habe mit 1,09 (Q1 24: 1,21) jedoch weiterhin über dem Zielwert von 1 gelegen.
Siemens Gamesa habe sich von 90% seines Windenergiegeschäfts in Indien und Sri Lanka getrennt. Eine Investorengruppe unter Führung des indischen Unternehmens TPG habe das Portfolio übernommen und eine neue Gesellschaft gegründet, an der TPG die Mehrheit halte. Siemens Gamesa behalte 10% der Anteile und gebe zwei Produktionsstätten in Indien ab. Aufgrund von Qualitätsmängeln und daraus resultierenden Milliardenverlusten ziehe sich Siemens Energy mit Gamesa aus Randgeschäften zurück, um sich auf Kernmärkte zu konzentrieren.
Siemens sei Europas Patentchampion und belege in der Rangliste des Europäischen Patentamts (EPA) für 2024 den ersten Platz unter den europäischen Unternehmen: Mit 1.830 Patentanmeldungen führe Siemens die Liste der in der EU ansässigen Unternehmen an. Rund 25% der Patentanmeldungen beträfen maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz (KI).
Das Automatisierungsgeschäft - der Kern von DI - bleibe herausfordernd. Für das neue Geschäftsjahr rechne Siemens bei DI weiterhin nur mit einem leichten Umsatzwachstum. Erste Konsequenzen aus der anhaltenden Schwäche würden bereits gezogen: Aktuell sollten mehr als 6.000 Stellen abgebaut werden, davon 5.600 im Automatisierungsgeschäft (2.500 in Deutschland). Betriebsbedingte Kündigungen seien in Deutschland jedoch nicht vorgesehen.
Darüber hinaus wolle Siemens Altair Engineering übernehmen, um seine Position im Bereich industrieller Software und künstlicher Intelligenz zu stärken. Altair sei ein führender Anbieter von Simulations- und Analysesoftware, die in verschiedenen Branchen wie der Luftfahrt-, Automobil- und Energieindustrie eingesetzt werde. Durch die Übernahme wolle Siemens das weltweit umfassendste KI-basierte Design- und Simulationsportfolio aufbauen. Die Kombination von Altairs Fähigkeiten in den Bereichen Simulation, High Performance Computing und Data Science mit Siemens Xcelerator solle es Siemens ermöglichen, seinen Kund:innen innovative Lösungen für die digitale und nachhaltige Transformation anzubieten.
Siemens habe ein milliardenschweres Aktienpaket seiner Medizintechnik-Tochter Siemens Healthineers verkauft. Insgesamt seien 26,5 Mio. Aktien für rund EUR 1,45 Mrd. platziert worden. Der Verkauf diene der Finanzierung der Übernahme des US-Softwareunternehmens Altair. Siemens halte nach dem Verkauf noch 73% der Anteile an Healthineers. Darüber hinaus plane der Konzern zur Finanzierung der Altair-Übernahme den Verkauf von weiteren 6% der Anteile an Siemens Energy.
Mit der aktuellen Schwäche von Digital Industries im abgelaufenen Quartal (Umsatzentwicklung: -11,2% auf EUR 4,05 Mrd.) würden die beiden anderen Segmente intern an Bedeutung gewinnen: Die Division Smart Infrastructure, spezialisiert auf intelligente Gebäude- und Energieinfrastrukturen, habe zuletzt ein Umsatzwachstum von 9,5% auf EUR 5,29 Mrd. erzielt. Mobility wiederum konzentriere sich auf innovative Verkehrslösungen (insbesondere im Schienenverkehr) und habe zuletzt ein Umsatzwachstum von 10,1% auf EUR 2,97 Mrd. verzeichnet. Beide Segmente hätten die Schwächephase von DI zuletzt gut kompensieren können.
Ein Blick in die eigene 5-Jahres-Historie zeige auf Basis ausgewählter zukunftsorientierter Kennzahlen (KGV, EV/EBIT, EV/EBITDA etc.) den mittlerweile manifestierten Bewertungsaufschlag, der sich seit der letzten Veröffentlichung weiter verfestigt habe. Allerdings sei die eigene Historie nur bedingt aussagekräftig, da sich Siemens in den letzten Jahren immer mehr zu einem Technologiekonzern gewandelt habe. Einschränkend müsse jedoch angemerkt werden, dass die PEG-Ratio (KGV im Verhältnis zur Wachstumsrate) bei rund 2,5 liege, was auf eine ambitionierte Bewertung hindeute.
Siemens bestätige den Ausblick für das Geschäftsjahr 2025. Auf Konzernebene rechne das Unternehmen weiterhin mit einem Umsatzwachstum von 3% bis 7% und einem Book-to-Bill-Verhältnis von über 1. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie vor Effekten aus der Kaufpreisallokation (EPS pre PPA) werde ohne Berücksichtigung des Gewinns aus dem Verkauf von Innomotics in einer Bandbreite von EUR 10,4 bis EUR 11,0 erwartet.
Fazit: Siemens sei mit einem soliden Umsatzwachstum und einer beeindruckenden Gewinnsteigerung in das Geschäftsjahr 2025 gestartet und halte trotz eines tendenziell schwachen Auftragseingangs - bedingt durch Unsicherheiten über den wirtschaftspolitischen Kurs der US-Regierung und der daraus resultierenden "Schockstarre" der Entscheidungsträger - an seinen Prognosen fest. Die unterschiedliche Entwicklung der Produktsegmente und die positive Nachfrageentwicklung in einigen Bereichen unterstrichen die breite Diversifikation. Zudem erscheine die strategische Ausrichtung auf industrielle KI und digitale Transformation vielversprechend, wobei der Umbau zum Technologiekonzern auch durch die prestigeträchtige Übernahme des Simulationssoftware-Unternehmens Altair weiter voranschreiten dürfte.
Der jüngste kräftige Kursanstieg - bedingt durch eine Trendwende bei den Automatisierungsaufträgen und das deutsche Infrastrukturpaket - habe allerdings den Bewertungsaufschlag sowohl gegenüber der eigenen Historie als auch gegenüber dem Markt/Sektor weiter erhöht, was das Potenzial für weitere Kursgewinne begrenzen dürfte.
Andreas Schiller, Analyst der Raiffeisen Bank International AG, erhöht das Kursziel auf EUR 225,00 bei unveränderter "halten"-Empfehlung für Siemens. Das Kursziel basiere auf einem Multiple-Ansatz, die Zahlen auf Konsens- und eigenen Schätzungen. Der relative Bewertungsansatz berücksichtige eine historisch faire Bewertung inklusive Prämie im Vergleich zur eigenen 5-Jahres-Historie sowie zum Gesamtmarkt und Sektor. (Analyse vom 28.03.2025)
Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:
Offenlegungen
7. Der zuständige Analyst oder eine sonstige an der Erstellung der Finanzanalyse mitwirkende natürliche Person oder eine sonstige natürliche Person von Raiffeisen Research besitzt Finanzinstrumente des von ihm analysierten Emittenten.
Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (28.03.2025/ac/a/d)
Andreas Schiller, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie der Siemens AG (ISIN: DE0007236101, WKN: 723610, Ticker-Symbol: SIE, NASDAQ OTC-Symbol: SMAWF) unter die Lupe.
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025 sei der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 3% auf EUR 18,4 Mrd. gestiegen und habe damit leicht die durchschnittlichen Erwartungen von EUR 18,2 Mrd. übertroffen. Das Ergebnis nach Steuern habe sich auf EUR 3,9 Mrd. verbessert (Q1 24: EUR 2,5 Mrd.). Der unverwässerte Gewinn je Aktie habe dementsprechend bei 4,71 Euro gelegen (Q1 24: EUR 3,03) und damit über der Konsensschätzung von EUR 3,55 je Aktie.
Der Auftragseingang habe sich um 8% auf EUR 20,1 Mrd. verringert. Das Book-to-Bill-Verhältnis habe mit 1,09 (Q1 24: 1,21) jedoch weiterhin über dem Zielwert von 1 gelegen.
Siemens Gamesa habe sich von 90% seines Windenergiegeschäfts in Indien und Sri Lanka getrennt. Eine Investorengruppe unter Führung des indischen Unternehmens TPG habe das Portfolio übernommen und eine neue Gesellschaft gegründet, an der TPG die Mehrheit halte. Siemens Gamesa behalte 10% der Anteile und gebe zwei Produktionsstätten in Indien ab. Aufgrund von Qualitätsmängeln und daraus resultierenden Milliardenverlusten ziehe sich Siemens Energy mit Gamesa aus Randgeschäften zurück, um sich auf Kernmärkte zu konzentrieren.
Siemens sei Europas Patentchampion und belege in der Rangliste des Europäischen Patentamts (EPA) für 2024 den ersten Platz unter den europäischen Unternehmen: Mit 1.830 Patentanmeldungen führe Siemens die Liste der in der EU ansässigen Unternehmen an. Rund 25% der Patentanmeldungen beträfen maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz (KI).
Das Automatisierungsgeschäft - der Kern von DI - bleibe herausfordernd. Für das neue Geschäftsjahr rechne Siemens bei DI weiterhin nur mit einem leichten Umsatzwachstum. Erste Konsequenzen aus der anhaltenden Schwäche würden bereits gezogen: Aktuell sollten mehr als 6.000 Stellen abgebaut werden, davon 5.600 im Automatisierungsgeschäft (2.500 in Deutschland). Betriebsbedingte Kündigungen seien in Deutschland jedoch nicht vorgesehen.
Darüber hinaus wolle Siemens Altair Engineering übernehmen, um seine Position im Bereich industrieller Software und künstlicher Intelligenz zu stärken. Altair sei ein führender Anbieter von Simulations- und Analysesoftware, die in verschiedenen Branchen wie der Luftfahrt-, Automobil- und Energieindustrie eingesetzt werde. Durch die Übernahme wolle Siemens das weltweit umfassendste KI-basierte Design- und Simulationsportfolio aufbauen. Die Kombination von Altairs Fähigkeiten in den Bereichen Simulation, High Performance Computing und Data Science mit Siemens Xcelerator solle es Siemens ermöglichen, seinen Kund:innen innovative Lösungen für die digitale und nachhaltige Transformation anzubieten.
Siemens habe ein milliardenschweres Aktienpaket seiner Medizintechnik-Tochter Siemens Healthineers verkauft. Insgesamt seien 26,5 Mio. Aktien für rund EUR 1,45 Mrd. platziert worden. Der Verkauf diene der Finanzierung der Übernahme des US-Softwareunternehmens Altair. Siemens halte nach dem Verkauf noch 73% der Anteile an Healthineers. Darüber hinaus plane der Konzern zur Finanzierung der Altair-Übernahme den Verkauf von weiteren 6% der Anteile an Siemens Energy.
Mit der aktuellen Schwäche von Digital Industries im abgelaufenen Quartal (Umsatzentwicklung: -11,2% auf EUR 4,05 Mrd.) würden die beiden anderen Segmente intern an Bedeutung gewinnen: Die Division Smart Infrastructure, spezialisiert auf intelligente Gebäude- und Energieinfrastrukturen, habe zuletzt ein Umsatzwachstum von 9,5% auf EUR 5,29 Mrd. erzielt. Mobility wiederum konzentriere sich auf innovative Verkehrslösungen (insbesondere im Schienenverkehr) und habe zuletzt ein Umsatzwachstum von 10,1% auf EUR 2,97 Mrd. verzeichnet. Beide Segmente hätten die Schwächephase von DI zuletzt gut kompensieren können.
Ein Blick in die eigene 5-Jahres-Historie zeige auf Basis ausgewählter zukunftsorientierter Kennzahlen (KGV, EV/EBIT, EV/EBITDA etc.) den mittlerweile manifestierten Bewertungsaufschlag, der sich seit der letzten Veröffentlichung weiter verfestigt habe. Allerdings sei die eigene Historie nur bedingt aussagekräftig, da sich Siemens in den letzten Jahren immer mehr zu einem Technologiekonzern gewandelt habe. Einschränkend müsse jedoch angemerkt werden, dass die PEG-Ratio (KGV im Verhältnis zur Wachstumsrate) bei rund 2,5 liege, was auf eine ambitionierte Bewertung hindeute.
Siemens bestätige den Ausblick für das Geschäftsjahr 2025. Auf Konzernebene rechne das Unternehmen weiterhin mit einem Umsatzwachstum von 3% bis 7% und einem Book-to-Bill-Verhältnis von über 1. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie vor Effekten aus der Kaufpreisallokation (EPS pre PPA) werde ohne Berücksichtigung des Gewinns aus dem Verkauf von Innomotics in einer Bandbreite von EUR 10,4 bis EUR 11,0 erwartet.
Fazit: Siemens sei mit einem soliden Umsatzwachstum und einer beeindruckenden Gewinnsteigerung in das Geschäftsjahr 2025 gestartet und halte trotz eines tendenziell schwachen Auftragseingangs - bedingt durch Unsicherheiten über den wirtschaftspolitischen Kurs der US-Regierung und der daraus resultierenden "Schockstarre" der Entscheidungsträger - an seinen Prognosen fest. Die unterschiedliche Entwicklung der Produktsegmente und die positive Nachfrageentwicklung in einigen Bereichen unterstrichen die breite Diversifikation. Zudem erscheine die strategische Ausrichtung auf industrielle KI und digitale Transformation vielversprechend, wobei der Umbau zum Technologiekonzern auch durch die prestigeträchtige Übernahme des Simulationssoftware-Unternehmens Altair weiter voranschreiten dürfte.
Der jüngste kräftige Kursanstieg - bedingt durch eine Trendwende bei den Automatisierungsaufträgen und das deutsche Infrastrukturpaket - habe allerdings den Bewertungsaufschlag sowohl gegenüber der eigenen Historie als auch gegenüber dem Markt/Sektor weiter erhöht, was das Potenzial für weitere Kursgewinne begrenzen dürfte.
Andreas Schiller, Analyst der Raiffeisen Bank International AG, erhöht das Kursziel auf EUR 225,00 bei unveränderter "halten"-Empfehlung für Siemens. Das Kursziel basiere auf einem Multiple-Ansatz, die Zahlen auf Konsens- und eigenen Schätzungen. Der relative Bewertungsansatz berücksichtige eine historisch faire Bewertung inklusive Prämie im Vergleich zur eigenen 5-Jahres-Historie sowie zum Gesamtmarkt und Sektor. (Analyse vom 28.03.2025)
Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:
Offenlegungen
7. Der zuständige Analyst oder eine sonstige an der Erstellung der Finanzanalyse mitwirkende natürliche Person oder eine sonstige natürliche Person von Raiffeisen Research besitzt Finanzinstrumente des von ihm analysierten Emittenten.
Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (28.03.2025/ac/a/d)
Archivbeitrag vom 28.03.2025. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.