Kulmbach (www.aktiencheck.de) - Deutsche Post-Aktienanalyse von "Der Aktionär":
Thorsten Küfner vom Anlegermagazin "Der Aktionär" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie der Deutschen Post (ISIN: DE0005552004, WKN: 555200, Ticker-Symbol: DHL, NASDAQ OTC-Symbol: DPSTF) unter die Lupe.
Bei der Preisgestaltung der DHL Group werde es einige Änderungen geben: Wer einen Brief verschicke, müsse 2025 mehr Geld dafür bezahlen. Die Bundesnetzagentur habe eine Entscheidung bekanntgegeben, der zufolge das Porto ab Januar rund 10,5 Prozent höher sein dürfe als bislang. Das sei mehr als bei der bislang letzten Portoerhöhung 2022, als es 4,6 Prozent nach oben gegangen sei.
Grund für den relativ hohen Anstieg sei die zuletzt stark gesunkene Briefmenge und der inflationsbedingte Kostenanstieg des Logistikers in den vergangenen Jahren. Zufrieden sei die Post keineswegs: Aus ihrer Sicht sollte die Portoerhöhung deutlicher ausfallen, weil die Kostensteigerungen noch viel stärker gewesen seien.
Hierzu sage Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller, dass er diese Forderung nicht nachvollziehen könne. Man ermögliche der Post "eine deutliche Steigerung der Porti", so der Behördenchef. "Die Kosten, die die Post uns vorgelegt hat, geben das nicht her." Würde die Bundesnetzagentur der Forderung der Post folgen, würden Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen zu stark belastet.
Die Behörde habe den sogenannten Preis-Erhöhungsspielraum von 10,5 Prozent bereits im September vorgeschlagen, nun habe sie diese Vorgabe festgelegt. Im nächsten Schritt müsse die Post sagen, wie genau sie diesen Spielraum auf die verschiedenen Sendungsarten anwenden wolle, ob Standardbrief, Maxibrief oder Postkarte.
Post-Chef Tobias Meyer habe angekündigt, den Preisanstieg "ungefähr gleichmäßig" auszugestalten. Demzufolge könnte es sein, dass das Porto für einen Standardbrief von derzeit 85 Cent auf 95 Cent steigen werde. Alte Briefmarken würden im kommenden Jahr ihre Gültigkeit behalten, man müsse die Sendungen aber zusätzlich frankieren.
Der Post-Konzern DHL, dessen Briefgeschäft Deutsche Post heiße, habe enttäuscht auf die Entscheidung der Behörde reagiert. "Die Erhöhung der Briefpreise um circa 10 Prozent für die kommenden zwei Jahre klingt zunächst nach viel - letztlich bleiben die Briefentgelte damit aber dennoch zu gering", sage ein Konzernsprecher. Schon bei Porto für die Jahre 2022 bis 2024 sei die von der Behörde gebilligte Preiserhöhung zu gering ausgefallen.
Im Vergleich zu anderen EU-Staaten sei das deutsche Briefporto niedrig, argumentiere die Post. Im europäischen Ausland koste das Porto für einen Standardbrief im Schnitt 1,46 Euro und nicht nur 85 Cent wie in Deutschland, also etwa 70 Prozent mehr. Nach Auffassung der Netzagentur hinke dieser Vergleich, auch weil die Produkte unterschiedlich definiert seien und die Sendungsmengen im Ausland deutlich stärker rückläufig seien als hierzulande. Deswegen sei der Preis pro Brief dort höher.
Das neue Porto gelte für zwei Jahre. Auch Pakete des Bonner Konzerns, der in der Paketsparte als DHL auftrete, würden teurer, für diesen Bereich habe die Bundesnetzagentur einen Erhöhungsspielraum von rund 7,2 Prozent festgelegt. Hierbei gehe es nur um die Pakete, die Privatkunden verschicken, und nicht um Pakete, die ein Online-Händler einem Verbraucher sende.
Auch in einem anderen Bereich des Briefgeschäfts würde es für Verbraucherinnen und Verbraucher teurer: Die Deutsche Post habe entschieden, das Spezialprodukt des sogenannten Prio-Briefs zum Jahreswechsel und damit zeitgleich zur Portoerhöhung einzustellen.
Beim Prio-Brief sei die Wahrscheinlichkeit höher, dass er schon am nächsten Tag ankomme. Wer etwa den Geburtstagsgruß an eine Verwandte oder die Kündigung des Fitness-Studios erst in letzter Minute abschicke und diese Sendung schon morgen bei der Empfängerin haben wolle, der müsse ab 2025 ein Einschreiben aufgeben.
Beim Prio-Brief und beim Einschreiben würden die Verbraucher einen Aufpreis zahlen: Ein als Prio-Brief verschickter Standard-Brief koste derzeit 1,95 Euro (als ein Aufpreis von 1,10 Euro), bei einem als Einwurf-Einschreiben verschickten Standard-Brief seien es 3,20 Euro - hierbei liege der Aufpreis derzeit noch bei 2,35 Euro, ab 2025 seien es wegen der Portoerhöhung vermutlich mehr.
Die Post habe das Ende für das Produkt damit begründet, "dass Briefe nicht mehr die gleiche Eilbedürftigkeit wie vor 20 Jahren haben, als es noch nicht die breite Konkurrenz durch elektronische Medien gab". Außerdem spiele die Reform des Postgesetzes eine Rolle, die Anfang 2025 greife: Dann würde beim Prio-Brief Umsatzsteuer fällig, beim Einschreiben sei das nicht der Fall.
Trotz dieses Steueraspektes sei die Einstellung des Prio-Briefs eine Überraschung. Denn die Postgesetz-Reform sei eigentlich Rückenwind für die Dienstleistung einer schnellen Zustellung. Schließlich würde sich die Zustellung der Briefe ab kommendem Jahr verlangsamen: Dann müsse die Post einer staatlichen Vorschrift zufolge nicht mehr 80 Prozent der Briefe schon am nächsten Werktag zustellen, vielmehr müssten 95 Prozent der Briefe erst am dritten Werktag da sein.
Die höheren Preise würden der DHL Group natürlich in die Karten spielen. Zudem sei der Dividendentitel weiterhin günstig bewertet. Allerdings sei der Chart deutlich angeschlagen, weshalb sich ein Kauf derzeit nicht aufdränge.
Wer bereits investiert ist, sollte den Stoppkurs bei 34,00 Euro im Auge behalten, so Thorsten Küfner von "Der Aktionär". (Analyse vom 12.11.2024)
Mit Material von dpa-AFX
Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link. (12.11.2024/ac/a/d)
Thorsten Küfner vom Anlegermagazin "Der Aktionär" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie der Deutschen Post (ISIN: DE0005552004, WKN: 555200, Ticker-Symbol: DHL, NASDAQ OTC-Symbol: DPSTF) unter die Lupe.
Bei der Preisgestaltung der DHL Group werde es einige Änderungen geben: Wer einen Brief verschicke, müsse 2025 mehr Geld dafür bezahlen. Die Bundesnetzagentur habe eine Entscheidung bekanntgegeben, der zufolge das Porto ab Januar rund 10,5 Prozent höher sein dürfe als bislang. Das sei mehr als bei der bislang letzten Portoerhöhung 2022, als es 4,6 Prozent nach oben gegangen sei.
Grund für den relativ hohen Anstieg sei die zuletzt stark gesunkene Briefmenge und der inflationsbedingte Kostenanstieg des Logistikers in den vergangenen Jahren. Zufrieden sei die Post keineswegs: Aus ihrer Sicht sollte die Portoerhöhung deutlicher ausfallen, weil die Kostensteigerungen noch viel stärker gewesen seien.
Hierzu sage Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller, dass er diese Forderung nicht nachvollziehen könne. Man ermögliche der Post "eine deutliche Steigerung der Porti", so der Behördenchef. "Die Kosten, die die Post uns vorgelegt hat, geben das nicht her." Würde die Bundesnetzagentur der Forderung der Post folgen, würden Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen zu stark belastet.
Die Behörde habe den sogenannten Preis-Erhöhungsspielraum von 10,5 Prozent bereits im September vorgeschlagen, nun habe sie diese Vorgabe festgelegt. Im nächsten Schritt müsse die Post sagen, wie genau sie diesen Spielraum auf die verschiedenen Sendungsarten anwenden wolle, ob Standardbrief, Maxibrief oder Postkarte.
Post-Chef Tobias Meyer habe angekündigt, den Preisanstieg "ungefähr gleichmäßig" auszugestalten. Demzufolge könnte es sein, dass das Porto für einen Standardbrief von derzeit 85 Cent auf 95 Cent steigen werde. Alte Briefmarken würden im kommenden Jahr ihre Gültigkeit behalten, man müsse die Sendungen aber zusätzlich frankieren.
Der Post-Konzern DHL, dessen Briefgeschäft Deutsche Post heiße, habe enttäuscht auf die Entscheidung der Behörde reagiert. "Die Erhöhung der Briefpreise um circa 10 Prozent für die kommenden zwei Jahre klingt zunächst nach viel - letztlich bleiben die Briefentgelte damit aber dennoch zu gering", sage ein Konzernsprecher. Schon bei Porto für die Jahre 2022 bis 2024 sei die von der Behörde gebilligte Preiserhöhung zu gering ausgefallen.
Im Vergleich zu anderen EU-Staaten sei das deutsche Briefporto niedrig, argumentiere die Post. Im europäischen Ausland koste das Porto für einen Standardbrief im Schnitt 1,46 Euro und nicht nur 85 Cent wie in Deutschland, also etwa 70 Prozent mehr. Nach Auffassung der Netzagentur hinke dieser Vergleich, auch weil die Produkte unterschiedlich definiert seien und die Sendungsmengen im Ausland deutlich stärker rückläufig seien als hierzulande. Deswegen sei der Preis pro Brief dort höher.
Das neue Porto gelte für zwei Jahre. Auch Pakete des Bonner Konzerns, der in der Paketsparte als DHL auftrete, würden teurer, für diesen Bereich habe die Bundesnetzagentur einen Erhöhungsspielraum von rund 7,2 Prozent festgelegt. Hierbei gehe es nur um die Pakete, die Privatkunden verschicken, und nicht um Pakete, die ein Online-Händler einem Verbraucher sende.
Auch in einem anderen Bereich des Briefgeschäfts würde es für Verbraucherinnen und Verbraucher teurer: Die Deutsche Post habe entschieden, das Spezialprodukt des sogenannten Prio-Briefs zum Jahreswechsel und damit zeitgleich zur Portoerhöhung einzustellen.
Beim Prio-Brief sei die Wahrscheinlichkeit höher, dass er schon am nächsten Tag ankomme. Wer etwa den Geburtstagsgruß an eine Verwandte oder die Kündigung des Fitness-Studios erst in letzter Minute abschicke und diese Sendung schon morgen bei der Empfängerin haben wolle, der müsse ab 2025 ein Einschreiben aufgeben.
Beim Prio-Brief und beim Einschreiben würden die Verbraucher einen Aufpreis zahlen: Ein als Prio-Brief verschickter Standard-Brief koste derzeit 1,95 Euro (als ein Aufpreis von 1,10 Euro), bei einem als Einwurf-Einschreiben verschickten Standard-Brief seien es 3,20 Euro - hierbei liege der Aufpreis derzeit noch bei 2,35 Euro, ab 2025 seien es wegen der Portoerhöhung vermutlich mehr.
Die Post habe das Ende für das Produkt damit begründet, "dass Briefe nicht mehr die gleiche Eilbedürftigkeit wie vor 20 Jahren haben, als es noch nicht die breite Konkurrenz durch elektronische Medien gab". Außerdem spiele die Reform des Postgesetzes eine Rolle, die Anfang 2025 greife: Dann würde beim Prio-Brief Umsatzsteuer fällig, beim Einschreiben sei das nicht der Fall.
Trotz dieses Steueraspektes sei die Einstellung des Prio-Briefs eine Überraschung. Denn die Postgesetz-Reform sei eigentlich Rückenwind für die Dienstleistung einer schnellen Zustellung. Schließlich würde sich die Zustellung der Briefe ab kommendem Jahr verlangsamen: Dann müsse die Post einer staatlichen Vorschrift zufolge nicht mehr 80 Prozent der Briefe schon am nächsten Werktag zustellen, vielmehr müssten 95 Prozent der Briefe erst am dritten Werktag da sein.
Die höheren Preise würden der DHL Group natürlich in die Karten spielen. Zudem sei der Dividendentitel weiterhin günstig bewertet. Allerdings sei der Chart deutlich angeschlagen, weshalb sich ein Kauf derzeit nicht aufdränge.
Wer bereits investiert ist, sollte den Stoppkurs bei 34,00 Euro im Auge behalten, so Thorsten Küfner von "Der Aktionär". (Analyse vom 12.11.2024)
Mit Material von dpa-AFX
Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link. (12.11.2024/ac/a/d)
Archivbeitrag vom 12.11.2024. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.