Aktien des Tages

Boeing: Aktie reagiert erleichtert auf das Streik-Ende

Kulmbach (www.aktiencheck.de) - Boeing-Aktienanalyse von "Der Aktionär":

Martin Mrowka vom Anlegermagazin "Der Aktionär" nimmt die Aktie von The Boeing Company (ISIN: US0970231058, WKN: 850471, Ticker-Symbol: BCO, NYSE-Symbol: BA) in einer aktuellen Aktienanalyse unter die Lupe.

Der wochenlange Streik der Boeing-Mitarbeiter in den USA sei beendet. Mit knapper Mehrheit hätten die Gewerkschaftsmitglieder für einen neuen Vertrag gestimmt, der unter anderem eine Lohnerhöhung von 38 Prozent sowie eine hohe Einmalzahlung vorsehe. Die Boeing-Aktie reagiere am Dienstag vorbörslich erfreut. Wie es weitergehen könnte.

Seit Mitte September sei im Werk an der Westküste der USA nichts gegangen. Der größte Teil der Flugzeugproduktion von Boeing sei zum Stillstand gekommen und habe die Finanzkrise des angeschlagenen Konzerns verstärkt. Mehr als 30.000 Boeing-Mitarbeiter hätten für höhere Löhne gestreikt. Am Montag-Abend nun hätten sie ein neues Vertragsangebot angenommen, der Mega-Streik sei beendet.

Wie die Gewerkschaft mitgeteilt habe, hätten 59 Prozent der Mitglieder für den neuen Vertrag gestimmt, der eine Lohnerhöhung von 38 Prozent über einen Zeitraum von vier Jahren vorsehe. Zwei frühere Angebote seien als zu niedrig abgelehnt worden.

Mit dem neuen Vertrag bekämen die Arbeiter auch eine Einmalzahlung von 12.000 Dollar. Den Erhalt von Bonuszahlungen, die ursprünglich abgeschafft werden sollten, habe die Gewerkschaft schon beim zweiten Angebot ausgehandelt. Die Arbeiter müssten nun spätestens am 12. November wieder arbeiten gehen.

Durch den am 13. September begonnenen Streik im Nordwesten der USA sei vor allem die Produktion von Boeings Bestseller-Modell 737 sowie der Langstrecken-Jets 777 und 767 lahmgelegt worden. Damit dürfte Boeing noch weiter in Rückstand mit den Auslieferungen geraten.

Zudem werde es richtig teuer. Der Streik habe Boeing laut Analysten-Schätzungen rund 100 Millionen Dollar pro Tag an entgangenen Einnahmen gekostet. Insgesamt könnten sich die Kosten des siebenwöchigen Streiks auf bis zu fünf Milliarden Dollar belaufen. Boeing habe in der vergangenen Woche bereits 24 Milliarden Dollar frisches Kapital bei Investoren aufgenommen, um sein Investment-Grade-Rating zu behalten.

Die Boeing-Aktie reagiere auf das Streik-Ende erleichtert. Vorbörslich lege der Dow-Jones-Wert um etwa zwei Prozent auf 158 Dollar zu. Bereits am vergangenen Freitag habe die Boeing-Aktie von zuvor 149 Dollar zugelegt, nachdem der Konzern ein verbessertes Angebot vorgelegt habe.

Die Boeing-Aktie habe eine Talfahrt hinter sich. Im Dezember 2023 habe das Papier noch gut 267 Dollar gekostet - habe seitdem also mehr als 40 Prozent an Wert eingebüßt.

Boeing werde nun Wochen brauchen, um die Flugzeugproduktion wieder hochzufahren. Die Produktion des Volumen-Modells 737 Max werde voraussichtlich für einige Zeit im einstelligen Bereich pro Monat liegen. Vor dem Streik seien 38 pro Monat angepeilt worden.

Boeing stecke nach einer Pannenserie seit Jahren in einer großen Krise. Zuletzt sei das Qualitätsmanagement noch stärker in den Fokus geraten, nachdem im Januar bei einer so gut wie neuen Boeing 737-9 Max von Alaska Airlines im Steigflug ein Rumpffragment herausgebrochen sei. Nur durch glückliche Umstände sei niemand ernsthaft verletzt worden. Unfallermittler seien zu dem Schluss gekommen, dass bei der ausgelieferten Maschine vier Befestigungselemente an dem Rumpfteil gefehlt hätten. Boeing habe auf Anfrage von Behörden keine Unterlagen zu den Montagearbeiten liefern können.

Die Liste an Problemen beim Boeing-Konzern werde mit der Einigung auf die kräftige Lohnerhöhung zwar etwas kürzer. Doch dürften sich die Flugzeugauslieferungen streikbedingt weiter verzögern, was zu Folgekosten führen könnte. Die wartenden Fluggesellschaften würden möglicherweise Regressforderungen stellen.

Die Boeing-Aktie könnte einen Turnaround beginnen, der wohl Monate dauern werde. Nur mutige Anleger kaufen deshalb bereits jetzt, so Martin Mrowka von "Der Aktionär". Größere Engagements sollten noch zurückgestellt werden. Der Konzern müsse neues Vertrauen bei seinen Investoren und Kunden aufbauen, auch an der Börse. (Analyse vom 05.11.2024)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne er Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Hinweis auf Interessenkonflikte:

Der Chefredakteur dieser Publikation, Herr Leon Müller, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Boeing. (05.11.2024/ac/a/n)

Archivbeitrag vom 05.11.2024. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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