Aktien des Tages

Boeing Aktie: Aufzählung von Problemen nimmt kein Ende

Kulmbach (www.aktiencheck.de) - Boeing-Aktienanalyse von "Der Aktionär":

Martin Mrowka vom Anlegermagazin "Der Aktionär" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie von The Boeing Company (ISIN: US0970231058, WKN: 850471, Ticker-Symbol: BCO, NYSE-Symbol: BA) unter die Lupe.

Pannen, Unfälle, Qualitätsprobleme, Lieferschwierigkeiten, Stornierungen, Geldmangel, Mitarbeiter-Streik - die Aufzählung von Boeing-Problemen nehme kein Ende. Am Mittwoch habe der einst größte Luftfahrt-Konzern der Welt neue Horror-Zahlen veröffentlicht. Und der neue Chef mache wenig Hoffnung. Die Boeing-Aktie rutsche wieder.

Die Eckdaten vergangene Woche hätten bereits Schlimmes ahnen lassen. Am Mittwoch nun habe Boeing vor US-Börsenstart endgültige Quartalszahlen vorgelegt. Und die seien tiefrot. Wegen des wochenlangen Streiks von 33.000 Beschäftigten, einer weiteren Verzögerung beim modernisierten Großraumjet 777X und wegen milliardenschwerer Mehrkosten in der Rüstungs- und Raumfahrt-Sparte habe in Q3 unter dem Strich ein Minus von fast 6,2 Milliarden US-Dollar gestanden. Der Verlust je Aktie habe 9,97 Dollar betragen, der operativen Cash-Abfluss 1,3 Milliarden Dollar.

Angesichts der Verluste brauche der Konzern dringend frisches Geld. Dank einer neuen Kreditlinie von 10 Milliarden Dollar habe der Hersteller nach eigenen Angaben jetzt Zugriff auf 20 Milliarden Dollar von den Banken. Zudem plane er nach jüngsten Angaben eine Kapitalerhöhung und die Aufnahme neuer Schulden in Höhe von bis zu 25 Milliarden Dollar.

Um die Kosten zu senken, wolle Ortberg in absehbarer Zeit rund jede zehnte Stelle im Konzern streichen. Zum vergangenen Jahreswechsel habe Boeing noch insgesamt 170.000 Beschäftigte gezählt.

Immerhin: Im Tarifstreit mit der Gewerkschaft IAM zeichne sich inzwischen eine Lösung ab. Der Flugzeugbauer biete den Mitarbeitern nun unter anderem eine Einkommenserhöhung von 35 Prozent über eine Laufzeit von vier Jahren an. Die Gewerkschaft wolle ihre rund 33.000 Mitglieder kurzfristig über den Vorschlag abstimmen lassen.

Der neue Boeing-Chef Kelly Ortberg bereite Anleger und Mitarbeiter nach über fünf Jahren Dauerkrise auf eine noch längere Durststrecke vor. Es werde Zeit brauchen, um den Konzern wieder zu alter Stärke zurückzubringen, so der Chef des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns am Mittwoch angesichts des weiteren Milliarden-Verlusts. "Aber mit dem richtigen Fokus und der richtigen Kultur können wir wieder ein ikonisches Unternehmen und ein führender Luftfahrt-Konzern werden."

In einem Brief an die Mitarbeiter habe Ortberg eingeräumt, dass das Vertrauen in den US-Konzern zerbröselt sei. "Wir haben zu viele Schulden angehäuft." Zudem seien im ganzen Unternehmen "schwerwiegende Leistungsmängel zu verzeichnen, die viele unserer Kunden enttäuscht haben". Jetzt müsse der Konzern sich neu ordnen und ein schlankeres Unternehmen werden.

Boeing stecke seit dem Jahr 2019 in einer schweren Krise. Nach dem Absturz zweier Mittelstreckenjets vom Typ 737 Max hätten Luftfahrtbehörden in aller Welt Flugverbote für das Modell verhängt. Nach technischen Verbesserungen dürften die Jets zwar weitgehend wieder fliegen, doch seitdem seien an einer Vielzahl von Boeing-Modellen neue Probleme aufgetaucht.

Zu den Problemkindern würden auch der jüngste Langstreckenjet 787 "Dreamliner" und das Raumschiff "Starliner" zählen. Nachdem Boeing in diesem Jahr bereits den Chef der Verkehrsflugzeug-Sparte ausgetauscht habe, habe inzwischen auch der Chef der Raumfahrt- und Rüstungssparte gehen müssen.

Im Massengeschäft mit Passagierflugzeugen sei Boeing schon lange hinter seinen Rivalen Airbus zurückgefallen. Der einstige Herausforderer aus Europa sei bereits zu Beginn von Boeings Krise im Jahr 2019 zum größten Flugzeug-Hersteller der Welt aufgestiegen und habe die Position seitdem klar verteidigt.

Die Boeing-Aktie sei im frühen US-Handel wieder abwärts gerauscht und habe bei 155,05 Dollar ein frühes Tagestief markiert. Die Überwindung des 50-Tage-Durchschnitts scheitere offenbar, ein erneuter Test der Zwei-Jahres-Tiefstände bei gut 146 Dollar scheine denkbar.

Die weitgehend hausgemachten Probleme von Boeing würden den Konzern noch viel Zeit und Geld kosten. Bis unter der neuen Führung die Bilanz saniert sei, das Portfolio gestrafft und die Entwicklung verbessert sei, werde es wohl noch Jahre dauern. Ein Investment in die Boeing-Aktie ergebe vor diesem Hintergrund derzeit wenig Sinn. Erst wenn (auch im Boeing-Chart) eine Trendwende sichtbar werde, dürften Aktienkäufe wieder lohnen.

Anleger warten daher ab, so Martin Mrowka. Besser sieht es bei DAX-Konzern Airbus aus. "Der Aktionär" hat ein Kursziel von 150 Euro ausgegeben. (Analyse vom 23.10.2024)

Mit Material von dpa-AFX

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Der Vorstand der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Leon Müller, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Boeing. (23.10.2024/ac/a/n)

Archivbeitrag vom 23.10.2024. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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