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Stromausfälle in Kiew: Selenskyj greift erneut Klitschko an

KIEW (dpa-AFX) - Angesichts massiver Stromausfälle nach russischen Angriffen vor allem in der Hauptstadt Kiew hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut Bürgermeister Vitali Klitschko kritisiert. "Das sind die Folgen nicht umgesetzter Beschlüsse auf städtischer Ebene zur Vorbereitung auf die Heizperiode sowie auf diese russische Operation gegen die ukrainische Energiewirtschaft", polterte der Staatschef auf Telegram. Die Situation sei in der Dreimillionenstadt daher besonders schwer, so der Präsident. Einwohner und Unternehmen leiden unter langen Abschaltungen von Strom und Wasser. "Die Herausforderungen sind sehr ernst", schrieb Selenskyj.

Die Regierung ergreift demnach zusätzliche Maßnahmen, um den Betroffenen zu helfen. Mit Deutschland und Spanien gebe es zudem neue Vereinbarungen. "Ich habe dazu mit den Staats- und Regierungschefs und Unternehmen während meiner Besuche gesprochen", erklärte der Präsident. Es gehe um die Lieferung von Generatoren, Kabeln und anderer Ausrüstung. Probleme gebe es aber auch in den Großstädten Dnipro, Charkiw, Odessa und deren Umland sowie in den Regionen Schytomyr, Sumy, Tscherkassy, Poltawa und Winnyzja.

Bürgermeister kontert Selenskyj

Klitschko wies die Vorwürfe zurück. "Wie hätte die Hauptstadt denn der "russischen Sonderoperation gegen die ukrainische Energiewirtschaft" vorbeugen sollen?", fragte er bei Telegram. Er verwies darauf, dass in Kiew seit dem 16. Oktober Fernwärme geliefert werde. Vertreter der Hauptstadt seien auch nicht zu den vom Staatschef erwähnten Beratungen eingeladen worden.

Klitschko bezichtigte Selenskyj mit den Anschuldigungen gegen Kiew der "Manipulation" und "Lüge". "Widerwärtig sieht das alles in Bezug auf die Einwohner der Hauptstadt aus", schrieb er. Das gehe auch gegen die Arbeit der Fachkräfte, die "unter Einsatz ihres Lebens unter Beschuss rund um die Uhr praktisch Unmögliches leisten".

Klitschko wirft Selenskyj Unkenntnis vor

Der Bürgermeister zweifelte an Selenskyjs Kenntnis der "realen Situation um die Energieversorgung". Er verwies darauf, dass Kiew Teil des ukrainischen Verbundnetzes sei. "Und wenn dieses Netz im ganzen Land zerstört wird, kann es nicht an manchen Orten noch leuchten, während Klitschko an anderen alles abgeschaltet hat", so Kiews Stadtoberhaupt.

Klitschko forderte den Präsidenten auf, die Suche nach Schuldigen in dieser schweren Situation einzustellen. Standhalten könne das Land nur mit einer konstruktiven Zusammenarbeit und einem Zusammenwirken aller Strukturen und Fachleute", schrieb er. Für Schlussfolgerungen sei später Zeit.

In den vergangenen Wochen hat das russische Militär seine Angriffe mit Drohnen und Raketen gegen ukrainische Energieanlagen intensiviert. Millionen Ukrainer müssen bei herbstlichen Temperaturen ohne Heizung, mit Strom- und Wasserausfällen leben. Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 gegen eine großangelegte russische Invasion./ast/DP/he

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