Scout24 Quartalszahlen: Umsatz plus 20 Prozent, Prognose angehoben – ImmoScout24 trotzt der Immobilienflaute Redaktion, aktiencheck.de | 04.11.2026 | Scout24 SE | ISIN: DE000A12DM80 | WKN: A12DM8 | Xetra: G24 | US-Symbol: SCOTF (OTC)
Scout24 Quartalszahlen: Umsatz plus 20 Prozent, Prognose angehoben – ImmoScout24 trotzt der Immobilienflaute
In Deutschland werden zu wenige Wohnungen gebaut, zu wenige Häuser verkauft und Mieter finden kaum noch eine Bleibe. Und doch verdient ein Unternehmen an diesem Markt prächtig: Scout24, der Betreiber von ImmoScout24. Die Scout24 Quartalszahlen zum dritten Quartal 2026 zeigen ein Umsatzplus von fast 20 Prozent, ein deutlich steigendes Ergebnis und eine angehobene Prognose. Umsatz, operatives Ergebnis und Gewinn je Aktie liegen leicht über den Erwartungen der Analysten. Die Aktie gehörte mit einem Plus von rund 5 Prozent zu den Gewinnern im DAX. Doch die Scout24 Zahlen zeigen auch, dass ein Teil des Wachstums aus Spanien zugekauft ist und dort die Marge noch hinterherhinkt.
G24
G24Scout24 Quartalszahlen Q3 2026 auf einen Blick
Umsatz: 198,2 Mio. Euro (+19,7 %; organisch ohne Spanien +10,1 %) Segment Professional (Makler, Profis): 146,7 Mio. Euro (+23,3 %) Abo-Umsatz Deutschland (Profis): +11,5 % (Kunden +3,9 %, Umsatz je Kunde +7,4 %) Spanien (Fotocasa, Habitaclia): 15,8 Mio. Euro (Vorquartal: 15,5 Mio. Euro), Marge 34,2 % Segment Private (Privatkunden): 51,6 Mio. Euro (+10,5 %); Abo-Umsatz +10,4 %
Operatives EBITDA (ooEBITDA): 120,8 Mio. Euro (+15,9 %)
ooEBITDA-Marge: 60,9 % (−2,0 Prozentpunkte; Vorquartal 60,2 %); organisch 63,3 % (+0,4 Prozentpunkte) Bereinigtes Ergebnis je Aktie: 1,09 Euro (Vorjahr: 0,90 Euro, +21,5 %)
Aktienrückkäufe im Quartal: 165 Mio. Euro
Neun Monate: Umsatz 570,5 Mio. Euro (+17,9 %), ooEBITDA 344,7 Mio. Euro (+15,1 %), bereinigtes EPS 3,06 Euro (+19,7 %) Prognose 2026: Umsatzwachstum rund 18 % (bisher 16 bis 18 %); ooEBITDA-Marge bis zu 61 %, organisch bis zu 64 %
Scout24 Zahlen gegen die Erwartungen der Analysten
Umsatz: 198,2 Mio. Euro gegenüber einem Konsens von rund 189,4 Mio. Euro (Investing.com). Übertroffen. Gemessen am vom Unternehmen erhobenen Konsens fiel das Plus kleiner aus. Bereinigtes Ergebnis je Aktie: 1,09 Euro gegenüber 1,07 Euro. Leicht übertroffen, um rund 2 Prozent. Operatives EBITDA: 120,8 Mio. Euro. Laut Jefferies etwas besser als erwartet. Organisches Wachstum: 10,1 Prozent nach 9,6 Prozent im Vorquartal. Beschleunigt. Umsatzprognose 2026: rund 18 Prozent, also das obere Ende der bisherigen Spanne. Konkretisiert nach oben. Margenziel 2026: bis zu 61 Prozent. Bestätigt.
Quelle: Scout24 SE, Quartalsmitteilung Q3/9M 2026 und Telefonkonferenz vom 04.11.2026; Konsensschätzungen laut Investing.com, Jefferies und vom Unternehmen erhobenem Konsens. Die Schätzungen weichen teilweise voneinander ab.
Das große Bild: Ein dominanter Marktplatz in einem schwierigen Markt
Scout24 ist eine Art Mautstation des deutschen Immobilienmarkts. Wer eine Wohnung vermieten, ein Haus verkaufen oder als Makler sichtbar sein will, kommt an ImmoScout24 kaum vorbei. Das Geschäftsmodell funktioniert in guten wie in schlechten Zeiten: Wenn viel gebaut und verkauft wird, schalten Makler mehr Anzeigen. Wenn der Markt stockt und Wohnungen knapp sind, zahlen Suchende für Premium-Mitgliedschaften, um schneller an Besichtigungstermine zu kommen. Genau das zeigen die Scout24 Quartalszahlen: Das Management spricht von einem anspruchsvollen Marktumfeld, und trotzdem wächst das Geschäft organisch zweistellig.
Der wichtigste Treiber sind Abonnements. Makler und Immobilienprofis in Deutschland zahlen über Abo-Pakete, ihr Umsatz stieg um 11,5 Prozent. Dabei kamen 3,9 Prozent mehr Kunden hinzu, und jeder Kunde zahlte im Schnitt 7,4 Prozent mehr. Bei Privatkunden beschleunigte sich das Abo-Wachstum auf 10,4 Prozent, getrieben von höherwertigen Mitgliedschaften. Das Privatkundengeschäft wuchs so stark wie noch nie in diesem Jahr.
Die Börse belohnt diese Verlässlichkeit. Seit September 2025 ist Scout24 Mitglied im DAX. Gleichzeitig nutzt der Konzern seinen hohen Cashflow für Aktienrückkäufe: Allein im dritten Quartal kaufte Scout24 eigene Aktien für 165 Millionen Euro zurück. Deshalb wächst der Gewinn je Aktie mit 21,5 Prozent schneller als das operative Ergebnis.
Spanien und KI: Die zwei Wachstumswetten
Fast die Hälfte des Umsatzwachstums stammt aus Spanien. Scout24 hat dort die Immobilienportale Fotocasa und Habitaclia übernommen. Im dritten Quartal stieg der Spanien-Umsatz gegenüber dem Vorquartal leicht auf 15,8 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich auf 34,2 Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet Scout24 nun einen Wachstumsbeitrag von 7 bis 8 Prozentpunkten aus Spanien, mehr als die bisher genannten 6 bis 7 Prozentpunkte. Ziel ist es, das deutsche Erfolgsmodell mit Abos und Zusatzdiensten auf den spanischen Markt zu übertragen.
Die zweite Wette heißt künstliche Intelligenz. Scout24 baut unter dem Schlagwort „Agentic OS“ KI-Assistenten in seine Plattform ein, die Suchenden passende Objekte vorschlagen und Maklern Arbeit abnehmen. Laut Unternehmenspräsentation hat sich die Nutzung der KI-gestützten Suche vervielfacht. CEO Ralf Weitz sieht darin neue Möglichkeiten, Geld zu verdienen, und zeigte sich zuversichtlich, die Wachstumsdynamik auch 2027 fortzusetzen.
Was Analysten an den Scout24 Zahlen kritisch sehen
Ausgewiesene Marge gesunken. Weil das Spaniengeschäft deutlich weniger profitabel ist als ImmoScout24 in Deutschland, sank die ausgewiesene ooEBITDA-Marge um 2 Prozentpunkte auf 60,9 Prozent. Organisch stieg sie leicht auf 63,3 Prozent. Für das vierte Quartal stellt Scout24 eine stärkere organische Margenausweitung in Aussicht, die das Unternehmen nun liefern muss.
Wachstum teils zugekauft. Das Umsatzplus von fast 20 Prozent klingt spektakulär. Organisch, also ohne Spanien, sind es gut 10 Prozent. Das ist solide, aber kein Wachstumsschub. Die Anhebung der Jahresprognose beruht zudem zum Teil auf einem höheren Spanienbeitrag.
Schwieriger Immobilienmarkt. Hohe Zinsen und Baukosten bremsen den deutschen Immobilienmarkt seit Jahren. Bleibt die Zahl der Transaktionen niedrig, stößt das Wachstum über höhere Preise für Makler irgendwann an Grenzen.
KI als Chance und Risiko. KI-Assistenten großer Technologiekonzerne könnten langfristig zum Einstiegspunkt der Wohnungssuche werden und Portale wie ImmoScout24 umgehen. Scout24 versucht, mit eigener KI dagegenzuhalten. Wie sich das Kräfteverhältnis entwickelt, ist offen.
Verzerrter Vorjahresvergleich. Das nicht bereinigte Ergebnis ist durch einen positiven Steuereffekt im Vorjahresquartal verzerrt, der sich nicht wiederholte. Der bereinigte Gewinn je Aktie ist daher aussagekräftiger.
Bewertung: Qualität hat ihren Preis
Die Scout24 Aktie ging am Dienstag mit rund 85,50 Euro aus dem Xetra-Handel und stieg nach den Scout24 Quartalszahlen bis zum Mittag auf rund 89,50 Euro, ein Plus von rund 5 Prozent. Damit liegt die Aktie seit Jahresbeginn wieder leicht im Plus. Bei rund 73 Millionen Aktien entspricht das einem Börsenwert von rund 6,5 Milliarden Euro.
Der bereinigte Gewinn je Aktie lag nach neun Monaten bei 3,06 Euro. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr ergibt sich nach einer eigenen Überschlagsrechnung ein bereinigtes KGV von rund 22. Für ein Unternehmen mit Margen von über 60 Prozent, einer starken Marktstellung und zweistelligem Gewinnwachstum je Aktie ist das kein Schnäppchen, aber auch keine übertriebene Bewertung.
Stimmen der Analysten
Die Analysten bleiben bei Scout24 überwiegend positiv. Jefferies-Analyst Giles Thorne bestätigte nach den Scout24 Zahlen die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 102,50 Euro und sprach von einem insgesamt soliden Zahlenwerk, bei dem Umsatz und bereinigtes operatives Ergebnis etwas besser als erwartet ausgefallen seien. Bernstein-Analystin Annick Maas bestätigte die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 90 Euro. Das Erreichen des oberen Endes der Prognosespanne dürfte aus ihrer Sicht die Stimmung stützen. Das durchschnittliche Kursziel liegt laut finanzen.net bei rund 111 Euro.
Worauf Anleger nach den Scout24 Quartalszahlen achten sollten
Margen im vierten Quartal: Scout24 hat eine stärkere organische Margenausweitung angekündigt.
Spanien: Gelingt es, die Marge der zugekauften Portale Schritt für Schritt Richtung deutsches Niveau zu heben?
Ausblick 2027: Mit den Jahreszahlen am 25. Februar 2027 wird klar, ob das zweistellige Wachstum anhält.
KI-Monetarisierung: Können die neuen KI-Funktionen in zusätzliche Abo-Erlöse übersetzt werden?
Aktienrückkäufe: Die laufenden Rückkäufe stützen den Gewinn je Aktie.
Scout24 auf einen Blick
Die Scout24 SE mit Sitz in München und Berlin betreibt mit ImmoScout24 den führenden digitalen Marktplatz für Wohn- und Gewerbeimmobilien in Deutschland. Dazu gehören Zusatzdienste wie Vermietet.de und Software für Immobilienbewertungen. Seit Kurzem gehören auch die spanischen Portale Fotocasa und Habitaclia zum Konzern. CEO ist Ralf Weitz, Finanzchef Martin Mildner. Die Aktie ist im DAX gelistet (ISIN DE000A12DM80, WKN A12DM8, Xetra-Kürzel G24). In den USA wird sie im Freiverkehr unter dem Symbol SCOTF gehandelt.
FAQ zu den Scout24 Quartalszahlen
Wie fielen die Scout24 Quartalszahlen für Q3 2026 aus? Der Umsatz stieg um 19,7 Prozent auf 198,2 Millionen Euro, organisch um 10,1 Prozent. Das operative EBITDA wuchs um 15,9 Prozent auf 120,8 Millionen Euro, der bereinigte Gewinn je Aktie um 21,5 Prozent auf 1,09 Euro.
Welche Prognose gab Scout24 mit den Zahlen? Für 2026 rund 18 Prozent Umsatzwachstum und eine ooEBITDA-Marge von bis zu 61 Prozent, organisch bis zu 64 Prozent.
Was ist die ISIN und das US-Symbol der Scout24 Aktie? ISIN DE000A12DM80, WKN A12DM8, Xetra G24, US-Freiverkehr: SCOTF.
Was sehen Analysten an den Scout24 Zahlen kritisch? Die durch Spanien gedrückte ausgewiesene Marge, das teils zugekaufte Wachstum, den schwierigen Immobilienmarkt und die offene Frage, wie KI das Geschäft verändert.
Fazit
Die Scout24 Quartalszahlen sind ein Lehrstück für die Stärke digitaler Marktplätze. Während der deutsche Immobilienmarkt schwächelt, wächst ImmoScout24 organisch zweistellig, hebt die Preise an und gewinnt trotzdem Kunden hinzu. Die Prognose steigt, die Aktienrückkäufe treiben den Gewinn je Aktie. Die Scout24 Zahlen haben aber auch eine weniger glänzende Seite: Ein Teil des Wachstums ist zugekauft, und die spanischen Portale drücken noch die Marge. Ob Scout24 das deutsche Erfolgsmodell nach Spanien übertragen und den KI-Wandel für sich nutzen kann, entscheidet über den nächsten Wachstumsschritt.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung, Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Aktien sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Die genannten Daten beruhen auf Angaben des Unternehmens sowie auf Marktdaten und Analystenschätzungen, die sich kurzfristig ändern können. Kurse: Xetra-Schlusskurs vom 03.11.2026 sowie Handelsverlauf vom 04.11.2026; Stand Redaktionsschluss. Redaktion, aktiencheck.de
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