MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Korruptionsverdachts bei der Versorgungskammer Bayern (BVK) und dem Vermögensverwalter Deutsche Finance. Ein Manager der Deutschen Finance soll über mehrere Jahre einen Mitarbeiter der größten öffentlich-rechten Versorgungsgruppe in Deutschland bestochen haben, und zwar mit teuren Restauranteinladungen in München, London, Los Angeles und New York sowie Übernachtungen in einer Hotelsuite eines New Yorker Luxushotels. Bei beiden Unternehmen waren Stellungnahmen angefragt. Die BVK betonte, dass das Unternehmen selbst die Ermittler informiert hatte.
Korruptionsverdacht bei Ex-Mitarbeitern der Versorgungskammer Bayern
"Sachwidrige" Investmententscheidungen
Laut BVK geht es um zwei ehemalige Mitarbeiter - einer selbst ausgeschieden, der andere gekündigt. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem aktiven und einem ehemaligen BVK-Beschäftigten. Beide waren demnach im Immobiliengeschäft tätig. Einer der beiden Anlagefachleute soll laut Staatsanwaltschaft "sachwidrigen Einfluss" auf riskante Immobilieninvestitionen in den USA genommen haben, bei denen die Versorgungskammer mit der Deutschen Finance kooperierte.
Schaden für die Versorgungskammer in dreistelliger Millionenhöhe
Die Verluste der Kammer könnten sich nach früheren Angaben auf bis zu 850 Millionen Euro belaufen. Das hatte vor allem deswegen Aufsehen erregt, weil die Versorgungskammer eine Behörde ist, die die berufsständische Altersversorgung von 2,7 Millionen Menschen in Händen hat. Dazu zählen Ärzte, Architekten, Apotheker, Rechtsanwälte und Steuerberater.
Die Rechtsaufsicht über die Versorgungskammer liegt beim bayerischen Innenministerium, dessen Beamte allerdings nicht die Bilanzen oder sonstige Geschäftszahlen prüfen. Derzeit nicht ermittelt wird laut Staatsanwaltschaft, ob einer oder mehrere Beteiligte im Zusammenhang mit den verlustreichen Immobilieninvestitionen der Untreue verdächtig sind - also vorsätzlich Firmengeld aufs Spiel gesetzt haben.
Kammer setzte die Ermittlungen selbst in Gang
Wie aus den Angaben der Staatsanwaltschaft hervorgeht, hatte die Versorgungskammer selbst Verdacht geschöpft, dass die Gefälligkeiten über das Maß des Erlaubten hinausgingen, und die Ermittler informiert. Laut Staatsanwaltschaft durchsuchten rund 100 Polizisten bei Razzien am Donnerstag und am Dienstag Büros der Versorgungskammer und des Vermögensverwalters, außerdem drei Wohnungen in München und Umgebung. Sorgen um ihre Altersversorgung müssen sich die Kunden der Versorgungskammer jedoch nicht machen: Die BVK verwaltet insgesamt Kapitalanlagen in Höhe von 122 Milliarden Euro, so dass der Schaden finanziell verkraftbar ist./cho/DP/zb
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