Anthropics jüngste Offenlegungen haben eine der kühnsten Kapitalstrukturen der jüngeren Unternehmensgeschichte sichtbar gemacht, so Sandeep Rao, Senior Analyst bei Leverage Shares und IncomeShares.
Bei Anthropic wird nach dem Börsengang abgerechnet
Sandeep Rao hinterfragt die Tragfähigkeit von Anthropics milliardenschweren Infrastrukturverpflichtungen bei nachlassendem Wachstum.

Sie würden mehrjährige Verpflichtungen für Rechenleistung und Infrastruktur in Höhe von mehreren hundert Milliarden US-Dollar offenbaren. Sie würden sich auf einen engen Kreis aus Hyperscalern, Chipentwicklern und spezialisierten Infrastrukturanbietern verteilen. Für Anleger, die den bevorstehenden Börsengang bewerten würden, sei die Frage entscheidend, wie tragfähig diese Konstruktion sei, wenn das Wachstum nachlasse.
Amazon Web Services liefere Rechenleistung über umfangreiche Installationen der eigenen Trainium-Chips sowie über Nvidia-Cluster. Google Cloud stelle TPU-Reservierungen (Tensor Processing Units) und räumlich angebundene Cloud-Infrastruktur bereit. Broadcom und weitere Partner für Spezialchips seien über umfangreiche Vorabverpflichtungen eingebunden, die an gemeinsam entwickelte ASICs (anwendungsspezifische integrierte Schaltungen), Hochgeschwindigkeitsverbindungen und Netzwerkstrukturen geknüpft seien. Microsoft Azure und alternative Cluster, darunter solche mit AMD-Chips, würden für diversifizierte Rechenkapazität über regionale Netze und spezialisierte Architekturen hinweg sorgen.
Zugrunde liege ein Gegengeschäft: Investitionen von Hyperscalern und Anbietern in Anthropic hätten zu Infrastrukturzusagen geführt. Amazon habe zwischen 2023 und 2025 acht Milliarden US-Dollar investiert; zusammengenommen belaufe sich das Engagement auf rund 18 Milliarden US-Dollar, während sich Anthropic verpflichtet habe, im kommenden Jahrzehnt mindestens 110 Milliarden US-Dollar bei Amazon Web Services auszugeben. Google habe im Jahr 2026 20 Milliarden US-Dollar investiert, Anthropic wiederum habe zugesagt, zwischen April 2026 und Juli 2033 mindestens 114,5 Milliarden US-Dollar im Cloud-Geschäft des Konzerns auszugeben. Microsoft und Nvidia hätten bis zu fünf bzw. zehn Milliarden US-Dollar investiert, im Gegenzug wolle Anthropic mindestens 30 Milliarden US-Dollar für die Azure-Cloud aufwenden. Broadcom halte Wandelanleihen über 42 Milliarden US-Dollar, die sich in Anthropic-Aktien umwandeln ließen. Laut den Unterlagen dürfe das Geld ausschließlich zur Zahlung der Miete für Broadcoms eigene Ausrüstung verwendet werden. (Analyse vom 05.11.2026)
Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus unter folgendem Link.
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