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Führen höhere Zinsen zu einem Kursrückgang bei Aktien?




16.04.18 15:31
aktiencheck.de

Kopenhagen (www.aktiencheck.de) - Laut Tine Choi, Chefstrategin bei Danske Invest, zeigt ein Blick in die historischen Daten einen besonders interessanten Zusammenhang zwischen der Zinsentwicklung und der Aktienrendite.


 


Die Angst vor künftigen Zinserhöhungen habe in den letzten Monaten zu Schwankungen und Kursrückgängen am Aktienmarkt geführt. Die Inflations- und Zinsentwicklung sei nicht zuletzt in den USA momentan ein großes Thema unter Anlegern. Doch wie sehr sollten Zinserhöhungen wirklich bekümmern? Das sei eine der Fragen, die sich Anleger derzeit am häufigsten stellen würden.


 


Um eine qualifizierte Antwort geben zu können, müsse man etwas in die technische Theorie über die Bewertungen von Aktien eintauchen. Bei einem normalen Aktienbewertungsmodell würden höhere Zinsen unter ansonsten gleichen Bedingungen zu einem niedrigeren Aktienkurs führen. Seien die Renditeprognosen der Experten für Aktien also negativ, da sie in nächster Zeit mit Zinsanhebungen rechnen würden? Das sei nicht der Fall. Nach Meinung der Experten sei stattdessen das Tempo der Zinsanhebungen ausschlaggebend und nicht so sehr das Ausmaß der Erhöhungen.


 


Der Kurs einer Aktie basiere theoretisch auf der Schätzung aller zukünftigen Cashflows eines Unternehmens und der anschließenden Rückdiskontierung dieser Zahlen, um den Gegenwartswert zu finden. Der Diskontierungsfaktor bestehe aus einem risikolosen Zinssatz (in der Regel dem Zins einer sicheren Staatsanleihe) und einer Risikoprämie für die Anlage in einen riskanten Vermögenswert, was üblicherweise eine Aktie sei. Daher würden ein höherer Zinssatz oder eine höhere Risikoprämie zu einem höheren Diskontierungsfaktor führen - und somit zu einem niedrigeren Aktienkurs. Das sei einer der Gründe, warum steigende Zinsen oft als negativ für Aktien angesehen würden. Hinzu komme: Strengere Kreditkonditionen, die zu einem höheren Ausfallrisiko führen würden, würden ebenfalls eine Mitschuld tragen.


 


Mit einer gründlichen Analyse der historischen Daten lasse sich jedoch belegen, dass diese Verallgemeinerung nicht unbedingt wasserdicht sei. Beim Vergleich der Kurs/Gewinn-Verhältnisse der Unternehmen im US-amerikanischen S&P 500 Index zu den Zinsen 10-jähriger US-Staatsanleihen seit 1962 falle auf, dass diese monatlichen Daten in zwei Gruppen aufgeteilt seien: Eine Gruppe vor 1998 und eine Gruppe danach. Vor 1998 scheine die klassische Schlussfolgerung zuzutreffen: Auf hohe Zinsen würden tendenziell niedrigere Bewertungen folgen. Aber: Die Daten der vergangenen 20 Jahre würden genau das Gegenteil zeigen - auf hohe Zinsen seien im Allgemeinen hohe Bewertungen gefolgt.


 


In dem Niedriginflationsumfeld seit 1998 seien Zinserhöhungen generell eine Folge von besseren wirtschaftlichen Bedingungen gewesen. Bei einer robusten und gesunden Wirtschaft würden Investoren normalerweise eine niedrigere Risikoprämie für eine Anlage in Aktien verlangen. Und wenn die Risikoprämie bei einem Konjunkturaufschwung stärker sinke als die Zinsen steigen würden, führe das demnach zu höheren Aktienkursen.


 


Gehe es also darum, die Zinsen so schnell wie möglich anzuheben? Nicht ganz. Erstens könnten die Zinsen eine Belastungsgrenze erreichen, wenn die Wirtschaft zu einem Umfeld mit hoher Inflation wie in den Jahren vor 1998 zurückkehre. In diesem Umfeld würden höhere Zinsen nicht automatisch mit einer sinkenden Risikoprämie verrechnet - und das seien schlechte Nachrichten für Aktien. Doch im aktuellen Zinsumfeld mit einem robusten Wirtschaftswachstum sollte es noch Spielraum geben, dass die Zinsen weiterhin aus den richtigen Gründen steigen könnten, nämlich aufgrund besserer konjunktureller Bedingungen, was Aktien zugutekomme.


 


Zweitens spiele das Tempo der Zinsänderungen eine Rolle. Ein Blick in die Vergangenheit zeige, dass Monate mit Zinssenkungen im Durchschnitt positive Aktienrenditen zur Folge gehabt hätten, unabhängig davon, wie schnell die Zinsen gesunken seien. Das sei nicht sonderlich überraschend.


 


Wenn man aber die Monate mit Zinserhöhungen betrachte, sei hingegen das Tempo ausschlaggebend dafür gewesen, ob die Aktienrenditen positiv oder negativ ausgefallen seien. Hier hätten Aktien im Durchschnitt ebenfalls positive Renditen erzielt, außer in Monaten mit sehr schnellen Zinsanhebungen, in denen Aktien deutlich eingebrochen seien. Die Ursache für dieses Phänomen sei üblicherweise, dass die Zinserwartungen viel zu niedrig gewesen seien, wodurch die Aktienkurse künstlich hoch gehalten worden seien, bis die Zinsen auf das richtige Niveau korrigiert hätten.


 


Die Experten würden davon ausgehen, dass die Zinsen in den kommenden zwölf Monaten sowohl in den USA als auch in Europa nur langsam steigen würden und das Weltwirtschaftswachstum 2018 weiterhin robust sein werde. Die historischen Zusammenhänge zwischen Zinsen und Aktienkursen seien natürlich keine Garantie für künftige Entwicklungen. Aber nach Meinung der Experten gebe es trotzdem zahlreiche Gründe, um im aktuellen steigenden Zinsumfeld optimistisch für Aktien zu bleiben. Deshalb würden die Experten in ihren Portfolios an einer Übergewichtung in Aktien und einer entsprechenden Untergewichtung in Anleihen festhalten. (16.04.2018/ac/a/m)



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